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Vettel droht Verlust der Vormachtstellung

Barcelona (dpa) - Sebastian Vettel droht nach drei WM-Triumphen in Serie der Verlust seiner Vormachtstellung.

Abgerutscht
Derzeit kann Sebastian Vettel dem Niveau der Konkurrenz nicht folgen. Foto: Andreu Dalmau Foto: dpa

Red Bulls Riesenprobleme mit den Reifen könnten dem Titelverteidiger im weiteren Saisonverlauf der Formel 1 zum Verhängnis werden, wenn das Team nicht schleunigst eine Lösung dafür findet oder Pirelli - wie angekündigt - bald andere Produkte anbietet. «Wer auf den Strecken, wo einem die Reifen um die Ohren fliegen, schonend mit den Reifen umgeht, hat gute Chancen, das Rennen zu gewinnen», sagte Vettel nach dem Großen Preis von Spanien sarkastisch. «Wer nicht: Viel Glück.»

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Die Top-Konkurrenten Ferrari und Lotus kommen mit den relativ kurzlebigen Pneus wesentlich besser zurecht. Schon beim Klassiker im Fürstentum Monaco in zwei Wochen könnten die beiden anderen Titelkandidaten, Spanien-Sieger Fernando Alonso und der WM-Zweite Kimi Räikkönen, Grand-Prix-König Vettel vom Thron stürzen.

Im Spielerparadies Monte Carlo droht das nächste Reifen-Roulette und Vettel der nächste Rückschlag im WM-Rennen. Nach Barcelona liegt der WM-Spitzenreiter mit 89 Punkten nur noch vier Zähler vor Räikkönen (85) und 17 vor Alonso (72). «In Monaco haben wir andere Reifen», wies er darauf hin, dass Pirelli für den langsamen Stadtkurs andere Härtegrade und Mischungen verteilt. «Aber das wird kein Zuckerschlecken für die Reifen.»

Seine weit aufgerückten Widersacher können wesentlich entspannter an die kommende Herausforderung herangehen. «Ich bin sehr zuversichtlich für Monaco», versicherte Alonso. «Wir standen da oft auf dem Podium und ich denke, wir können den positiven Trend fortsetzen.» Der Finne Räikkönen frohlockte: «Wir haben auf Vettel einige Punkte gut gemacht und haben es in unserer Hand. Ich hoffe, in den nächsten Rennen noch mehr zu holen.»

Vettel versuchte nach seinem vierten Platz beim Europaauftakt erst gar nicht, seinen geballten Frust zu verbergen. «Der neue harte Reifen war ein Griff ins Klo», fällte der 25 Jahre alte Heppenheimer ein vernichtendes Urteil über den «P Zero Orange hard». Auf keiner einzigen von insgesamt 66 Runden habe er richtig Gas geben können.

Helmut Marko konnte die harsche Kritik Vettels nachvollziehen. «Wir haben gewusst, dass wir das Tempo von Ferrari nicht mitgehen können. Wir haben aber nicht erwartet, dass wir so langsam sind - und dabei so viel Reifen brauchen», sagte der Red-Bull-Motorsportberater.

Wegen der kurzfristigen Umstellung auf vier Stopps kritisierte Vettel auch die Strategie. Die Teamverantwortlichen hätten seiner Meinung nach einen anderen Wechselrhythmus wählen müssen, nachdem klar gewesen sei, dass dreimal Reifenfassen nicht reiche. «Wir haben aufs falsche Pferd gesetzt», moserte er.

Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz schimpfte über den großen Einfluss der Reifen. «Das hat nichts mehr mit Rennsport zu tun, das wurde ein Wettbewerb im Reifenmanagement», sagte der Milliardär den «Salzburger Nachrichten». Teamchef Christian Horner wies darauf hin, dass der Reifenabbau derzeit «der Schlüsselfaktor» sei.

Ferrari und Lotus haben ihre Rennwagen offensichtlich so konstruiert und abgestimmt, dass diese wesentlich pflegeleichter mit den hypersensiblen Pirelli-Mischungen umgehen und so einen großen Vorteil haben. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali frohlockte nach Alonsos Sieg und Felipe Massas drittem Platz: «Wir haben das Rennen sehr gut gelesen, wenn man konstatiert, dass das Management der Reifen und die Boxenstopp-Strategie entscheidende Faktoren waren.»

«Natürlich sind wir zufrieden. Kimi ist sehr gut gefahren. Es war eine tolle Strategie», bilanzierte auch sein Lotus-Kollege Eric Boullier bestens gelaunt. «Es ist eine klare Sache, die Reifen sind für alle die gleichen. Die Aufgabe für Pirelli war es, Reifen zu bauen, die 20 Runden halten. Das haben sie gemacht.»

Die Zahl der Pirelli-Unterstützer ist indes wesentlich kleiner als die der Kritiker. Pirellis Motorsportdirektor Paul Hembery räumte nach der Wechselorgie mit insgesamt 82 Stopps selbst etwas kleinlaut ein: «Vier sind zu viel.» Der Reifenlieferant habe sich zwei bis drei Halts pro Auto für jeden Grand Prix zum Ziel gesetzt. Der Brite kündigte Veränderungen für Silverstone Ende Juni an.