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Vettel zerstört mit Sepang-Sieg den Teamfrieden

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Eiszeit
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Bei der Siegerehrung würdigt Mark Webber Teamkollege Sebastian Vettel keines Blickes. Foto: Diego Azubel Foto: dpa
Ehrlich
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Lewis Hamilton zeigt es auf dem Podest an: Der dritte Platz gehört eigentlich Rosberg. Foto: Diego Azubel Foto: dpa
Ausrufezeichen
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Sebastian Vettel hat seine Siegermentalität erneut unter Beweis gestellt. Foto: Diego Azubel Foto: dpa
Gefährlich
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Sebastian Vettel (l) schiebt sich mit einer waghalsigen Aktion an Mark Webber vorbei.Foto: Hazrin Yeob Men Shah Foto: dpa
Folgenschwer
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Bei Fernando Alonso verabschiedet sich schon früh der rechte Vorderreifen. Foto: Ahmad Yusni Foto: dpa
Endstation
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Die Fahrt endet für den Spanier im Kiesbett. Foto: Ahmad Yusni Foto: dpa
Ziel
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Als Erster überquert Vettel die Ziellinie. Foto: Ahmad Yusni Foto: dpa
Durchgekämpft
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Der Sieger lässt sich feiern: Nach einem riskanten Überholmanöver steht Sebastian Vettel auf Position eins. Foto: Diego Azubel Foto: dpa
Klärungsbedarf
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Etwas unterkühlt reagiert Technik-Direktor Adrian Newey auf die Umarmung von Sebastian Vettel. Foto: Diego Azubel Foto: dpa
Gute Miene
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Nicht ganz so ausgelassen kam Sebastian Vettel zur Siegerehrung aufs Podest. Foto: Diego Azubel Foto: dpa

Sepang (dpa) - Nach dem schmutzigsten Sieg seiner Karriere bekannte sich Sebastian Vettel schuldig. Mit einem hochriskanten Überholmanöver hatte der Formel-1-Weltmeister gegen jede Abmachung seinem Stallkollegen Mark Webber den Erfolg von Sepang noch entrissen und damit den Teamfrieden zerstört.


«Ich habe einen großen Fehler gemacht», gestand der neue WM-Spitzenreiter in der Tropensauna von Malaysia nach längerer Bedenkzeit und bat Webber um Verzeihung. Doch der Australier ging nicht darauf ein. «Es ist noch zu früh, zu frisch», antwortete der 36-Jährige mit starrer Miene.

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So schlecht war die Stimmung auf einem Siegerpodium in der Königsklasse wohl selten, denn auch der drittplatzierte Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton war unglücklich. Nur weil das Team Nico Rosberg im zweiten Silberpfeil einbremste, durfte Neuzugang Hamilton aufs Podest und nicht der eigentlich schnellere Kollege. «Es ist nicht das beste Gefühl, hier oben zu sein», sagte der Brite.

Doch beim großen Red-Bull-Zoff war Hamilton nur der Nebendarsteller. In der 46. Runde drängte sich Vettel an Webber vorbei, obwohl der Kommandostand dies verboten hatte, um keinen Unfall zu riskieren. «Am Ende hat Seb wieder seine eigene Entscheidung getroffen, wie immer wird er vom Team beschützt werden», klagte Webber. Bis dahin hatte der Routinier das auf nasser Strecke gestartete Rennen angeführt, von der Box war er schon um eine schonende Fahrweise bis ins Ziel gebeten worden.

Vettel aber ignorierte den Befehl. Schon in der 28. Runde hatte er unwirsch gefunkt: «Mark ist zu langsam, schafft ihn aus dem Weg.» Dann aber fiel er noch einmal zurück, ehe er nach dem letzten Boxenstopp wieder zu Webber aufschloss. Und seinen Kopf durchsetzte. «Das ist dumm, was soll das», beschwerte sich Teamchef Christian Horner via Boxenfunk. «Seb hat sein Interesse über das des Teams gestellt», urteilte Horner später angesäuert.

Vettel wird sich in den nächsten Tagen unangenehme Fragen gefallen lassen müssen. «Es ist außer Kontrolle geraten», befand Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko. Vettel und Webber waren noch nie Freunde, schon 2010 in der Türkei war es nach einem Zusammenstoß der beiden zum Eklat gekommen. Zuletzt herrschte immerhin ein Burgfrieden, doch das dürfte jetzt vorbei sein. «Ich bin jetzt das schwarze Schaf», sagte Vettel einsichtig.

Von Freude über die Eroberung der WM-Spitze vor dem diesmal siebtplatzierten Auftaktsieger Kimi Räikkönen und Webber keine Spur. «Ich bin nicht stolz, auf das, was ich getan habe», beteuerte Vettel und fügte hinzu: «Ich habe Mist gebaut.» Seltsame Worte nach seinem 27. Grand-Prix-Sieg, mit dem er in der ewigen Bestenliste den dreimaligen Weltmeister Jackie Stewart einholte. Nur fünf Fahrer haben noch mehr Rennen in der Königsklasse gewonnen.

Doch für solche Statistiken mochte sich beim Branchenführer an diesem Abend in Sepang niemand begeistern. Vettel und Webber würdigten sich keines Blickes, Chefdesigner Adrian Newey war es bei der Pokalübergabe sichtlich unwohl. Es herrschte Eiszeit. «Wenn ich nochmal in dieser Situation wäre, würde ich es anders machen», versicherte Vettel. Webber sah nicht so aus, als ob er ihm glaubte.

Völlig frustriert verließ auch Vize-Weltmeister Fernando Alonso den Sepang International Circuit. Kurz nach dem Start hatte sich der Ferrari-Pilot am Heck von Vettels Red Bull den Frontflügel beschädigt, ein paar Kilometer später brach das Teil ab und der Spanier war draußen.

Riesige Probleme hatte auch Adrian Sutils Force-India-Team. Die Boxenstopps gingen fast allesamt schief, in der 29. Runde musste der Gräfelfinger wegen technischer Probleme aufgeben.

Dagegen rettete Nico Hülkenberg bei seinem verspäteten Renndebüt im Sauber als Achter vier WM-Punkte ins Ziel. In der Vorwoche in Australien hatte er wegen eines löchrigen Tanks noch auf seinen Start verzichten müssen.

Die Schlagzeilen aber gehören einmal mehr Landsmann Vettel. Diesmal allerdings hätte der Hesse wohl gern drauf verzichtet. «Ich würde gern eine Entschuldigung finden für das, was ich getan habe. Aber ich kann nicht», erklärte der 25-Jährige.

In den drei Wochen bis zum nächsten Rennen in Shanghai dürfte bei Red Bull viel diskutiert werden. Einem Anruf von Vettel will sich Webber zumindest nicht verschließen, wie er versprach: «Ich bin zwar in Australien auf meinem Surfbrett, aber mein Telefon ist an und es wird nicht besetzt sein.»

Fakten zum Malaysia-Rennen, englisch