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Vettels Heimfluch hält an: Zweiter in Hockenheim

Hockenheim (dpa) - Sebastian Vettel stemmte den Pokal mit einem leicht gequälten Lächeln nach oben und ließ den Konfetti-Regen sowie die Champagner-Dusche von Sieger Fernando Alonso über sich ergehen.

Sieglos
Sebastian Vettel bleibt in der Formel 1 weiterhin auf deutschem Boden sieglos. Foto: Jens Büttner Foto: dpa

Aber so richtig glücklich wirkte der zweifache Formel-1-Weltmeister nach seinem zweiten Platz beim Heimrennen nicht. «Ich hab gekämpft wie ein Löwe», entschuldigte sich Vettel mit belegter Stimme per Boxenfunk bei seinem Red-Bull-Team für den verpassten Sieg beim Großen Preis von Deutschland.

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Ferrari-Rivale Alonso triumphierte auf dem Hockenheimring. «Toll, toll, toll. Das Auto war großartig», jubelte der Spanier nach seinem 30. Karrieresieg. Durch seinen dritten Saisonerfolg baute Alonso die Führung zur Saisonhalbzeit in der WM-Wertung weiter aus. Aber vier Deutsche in den Top Ten waren ein kleiner Trost.

Trotz fulminanter Fahrt konnte Vettel den Heimfluch wieder nicht überwinden. Mit einem spektakulären Überholmanöver in der vorletzten Runde verdrängte er zwar Jenson Button noch vom zweiten Platz. Trotz dieser Glanzleistung büßte der 25 Jahre alte Heppenheimer im Titelrennen aber weiter an Boden ein.

Zudem muss Vettel noch um seinen zweiten Rang bangen, da seine Überholaktion gegen den britischen McLaren-Piloten von den Rennkommissaren untersucht wird. «Ich hatte keine Ahnung, dass du neben mir stehst», sagte Vettel zu Button beim Wiegen. Red-Bull-Teamchef Christian Horner nahm seinen Fahrer in Schutz: «Jenson hat Seb keinen Platz gelassen. Er kann sich ja nicht in Luft auflösen.» Vettel rechtfertigte sich später erneut: «Es war sehr schwierig. Ich wollte auf jeden Fall eine Kollision vermeiden. Jenson war im toten Winkel. Ich hab ihn nicht gesehen.»

Hockenheim-Rekordsieger Michael Schumacher verfehlte einen Podestplatz. Der Mercedes-Pilot aus Kerpen war als Siebter auf dem 4,574 Kilometer lange Kurs zweitbester Deutscher und fuhr zum dritten Mal hintereinander in die Punkte. «Ich hab das Maximum versucht, alles rausgequetscht, aber leider war nicht mehr drin», sagte der 43-Jährige. Mit schnellsten Runden am Fließband sorgte Schumacher für ein weiteres Ausrufezeichen. Der siebenmalige Weltmeister hatte 2006 für den letzten deutschen Heimsieg gesorgt und im badischen Motodrom insgesamt viermal gewonnen.

Nach zehn von 20 Rennen liegt Alonso mit 154 Punkten klar vor Mark Webber (120) und Vettel (118). Der Australier belegte bei seinem 100. GP für Red Bull nur den achten Platz. Vettel versuchte alles und ließ sich auch von Vorwürfen eines angeblichen Regelverstoßes wenige Stunden vor dem Start nicht beirren. Aber Alonso war vor etwa 65 000 Zuschauern nicht zu schlagen. «Ich hab alles probiert, aber es war nicht mehr drin», sagte Vettel.

Alonso feierte den Jubiläumssieg relativ verhalten: «Wir haben erst Saisonhälfte. Bei den Tests in Jerez waren wir vor der Saison zwei Sekunden hintendran. Jetzt sind wir happy. Aber das bedeutet nichts.» Nach 306,458 Kilometern gewann der Spanier in 1:31:05,862 Stunden. Vettel wies 3,732 Sekunden Rückstand auf.

Nico Rosberg belegte im zweiten Silberpfeil Rang zehn. Der 27-Jährige, der wie Webber wegen eines Getriebewechsel fünf Startplätze nach hinten strafversetzt worden war, startete eine fulminante Aufholjagd. Innerhalb weniger Umläufe katapultierte sich der Mercedes-Pilot aus Wiesbaden von Position 21 auf Rang 12 vor.

Nico Hülkenberg (Emmerich) belegte den neunten Rang. Der Force-India-Pilot bot eine gute Vorstellung, auch wenn er seinen vierten Startplatz nicht behaupten konnte. Timo Glock (Wersau) wurde im Marussia 22.

Schumacher attackierte Vettel gleich in der ersten Runde in der Haarnadelkurve, aber der Titelverteidiger konnte seinen Kumpel hinter sich halten und Platz zwei verteidigen. Der Rekord-Champion aus Kerpen verlor danach schnell den Anschluss und musste in der elften Runde McLaren-Rivale Button beinahe kampflos passieren lassen.

Alonso verteidigte seine Pole-Position problemlos, konnte sich aber von Vettel nicht entscheidend absetzen. «Die Pole war der Schlüssel zum Erfolg», sagte der zweimalige Champion. Als Alonso in der 19. Runde zum ersten Reifenwechsel abbog, übernahm Vettel vorübergehend die Führung. Nach seinem ersten Boxenstopp zwei Umläufe später fiel der Deutsche wieder mit einem noch größeren Rückstand als zuvor auf Rang zwei zurück. In der 42. von 67 Runden holte das Führungsduo parallel neue Pneus. Während Alonso danach die Spitze verteidigen konnte, rutschte Vettel sogar hinter Button auf Rang drei.

Keine Folgen für Red Bull hatte der Vorwurf eines angeblichen Regelverstoßes. Die Rennkommissare entschieden kurz vor dem Start, dass die beiden RB8 den Vorgaben entsprechen. Der Technische Delegierte Jo Bauer hatte nach einer Auswertung der Daten bemängelt, dass das Drehmoment in einem bestimmten Bereich unter dem vergleichbaren Wert dieser Motoren bei vorhergehenden Rennen liege. Die dadurch künstlich erzeugten zusätzlichen Auspuffgase könnten ans Heck geleitet werden, wodurch sich der Abtrieb erhöht und damit die Haftung verbessert.