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VfB-Präsident Mäuser droht vorzeitiges Aus

Stuttgart (dpa) - Schon der Start von Gerd Mäuser als Präsident des VfB Stuttgart verlief wenig verheißungsvoll. Bei seiner Wahl im Sommer 2011 erhielt der Wunschkandidat von Aufsichtsratsboss Dieter Hundt gerade einmal 58,7 Prozent der Stimmen.

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Erwin Staudt (r) war Vorgänger von Gerd Mäuser (r)als VfB-Präsident. Foto: Franziska Kraufmann Foto: dpa

Nur zwei Jahre später könnte Mäuser als Fußnote in die Historie des schwäbischen Fußball-Bundesligisten eingehen. Dem ehemaligen Marketingchef von Porsche droht spätestens bei der Mitgliederversammlung im Sommer das Aus. Zu heftig erscheint die Führungskrise am Neckar.

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Ungeschickt im Umgang mit Sponsoren, höchst streitbar in der Personalführung - so lauten zwei der Vorwürfe. Angesichts des heftigen Gegenwinds für Mäuser ließ der von den Stuttgarter Mitgliedern wenig geliebte Aufsichtsratsboss Hundt wissen: «Ich bin sehr besorgt über die öffentliche Beurteilung des VfB-Präsidenten.» Über Ostern möchte sich der 74-Jährige intensive Gedanken machen. Vorher will sich auch Mäuser nicht weiter äußern.

Hundt sind die Pfiffe der Fans während der jüngsten Pleitenserie des VfB nicht entgangen. In Sprechchören forderten sie den Rücktritt des Vereinspräsidenten, von dem sie sich beim DFL-Strategiepapier gegen Gewalt und dem Zoff um die Ticketbörse viagogo übergangen fühlen.

Vor allem jedoch der von Mäuser propagierte «Stuttgarter Weg» sorgt für Unverständnis im VfB-Umfeld. Nach Mäusers Ansicht gibt es zur strengen Konsolidierung des Champions-League-verwöhnten Clubs keine Alternative. «Ich muss Kompromisse machen und bei Transferausgaben selbstverständlich auch auf die wirtschaftliche Vernunft achten», sagte der 55-Jährige kürzlich den «Stuttgarter Nachrichten».

Zugleich kündigte er für den aktuellen Bundesliga-Zwölften wie schon Aufsichtsratschef Hundt Investitionen an. «Wir werden in der nächsten Transferperiode sicher mehr ausgeben als im vergangenen Sommer», sagte Mäuser. Das dürfte auch nicht besonders schwer fallen. Im Sommer 2012 gaben die Stuttgarter 300 000 Euro aus.

Die Kritik ließ Mäuser nicht unbeeindruckt. In der vergangenen Woche räumte er Fehler ein. «Generell gilt, dass wir unsere Entscheidungen vielleicht ein bisschen offensiver hätten verkaufen sollen. Es war nicht alles perfekt nach außen kommuniziert», sagte der 55-Jährige. Er habe die Emotionen und den öffentlichen Druck im Profigeschäft vielleicht etwas unterschätzt.

Leichtfertig mit der Situation will Hundt nicht umgehen. Medienberichten zufolge beschäftigt er sich schon mit möglichen Nachfolgern. Der Sprecher von Stuttgart 21, Wolfgang Dietrich, hat schon abgewunken. Als aussichtsreicher Kandidat gilt unter anderen der frühere Manager Dieter Hoeneß.

Die Personalie eilt. Denn mit seinem damaligen Wunschkandidaten Mäuser ist auch Hundt, der das Aufsichtsgremium wohl 2014 ohne große Unruhe verlassen möchte, weiter in Kritik geraten. Mit einer Ablösung des aktuellen VfB-Chefs ist daher spätestens bis zur nächsten Mitgliederversammlung im Sommer zu rechnen. Wahrscheinlich muss Mäuser aber schon vorher gehen.

Sein Vorgänger Staudt will jedoch in dieser verfahrenen Lage vermitteln. «Wenn der Verein in eine Notsituation käme, dann würde ich versuchen zu helfen», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. «Ich habe aber kein Interesse an einer Rückkehr in mein altes Amt.» Der Privatier, der 2007 mit Stuttgart den letzten Meistertitel des Clubs holte, sei schließlich ein Mensch, «der nach vorne schaut.»

Da rückt das nächste Bundesligaspiel am Samstag gegen Borussia Dortmund fast in den Hintergrund. Sorgen, dass sich die Fans gegen den deutschen Meister mehr mit dem Wirbel um den Präsidenten, als dem Geschehen auf dem Platz beschäftigen, hat Torhüter Sven Ulreich aber nicht. «Wir sind in der Pflicht, die Fans wieder mit ins Boot zu holen. Durch ein geiles Spiel müssen die Fans merken, hoppla, es geht um Fußball», sagte er. Die Mannschaft belaste das Thema nicht. «Wir haben ein geiles Spiel vor der Brust und beschäftigen uns mit Dingen außerhalb nicht. Wir können eh nichts dazu beitragen, dazu sind andere da.»