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Viel Lärm um nichts?

Bischofswiesen/Laufen – »Idiot« soll er einen jungen Soldaten genannt haben und ihm befohlen haben, dort, wo der gerade uriniert hatte, in Stellung zu gehen. Das bestritt der 27-jährige Feldwebel der Gebirgsjäger in Bischofswiesen. Weil der angeblich Geschädigte nicht als Zeuge am Laufener Amtsgericht erschien, musste die Verhandlung ausgesetzt werden.

»Der Kamerad fragte, ob er austreten darf«, schilderte der Angeklagte das Geschehen am 10. Januar 2013 in der Reichenhaller Jägerkaserne. Er als verantwortlicher Ausbilder habe den jungen Soldaten zunächst in das Kasernengebäude schicken wollen, als dann aber weitere Soldaten ebenfalls darum ersuchten und darauf verwiesen, dass sie am Vortag an etwas abseits gelegener Stelle hatten austreten dürfen, wollte auch er das gestatten. »Halt nicht an die Hauswand oder mitten auf die Wiese, sondern durch den Zaun nach draußen«, wiederholte er seine damaligen Anweisungen im Gerichtssaal.

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Einer seiner Schützlinge soll dennoch auf die Wiese uriniert haben. »Welcher Idiot pisst denn da?«, soll er den Soldaten beleidigt haben. Mehr noch: ihm den Befehl gegeben haben, an diesem Ort in Stellung zu fallen.

»Falsch«, beteuerte der Angeklagte. Er habe den Kameraden lediglich gefragt, was wäre, wenn hier nun jemand in Stellung gehen und sich in den Urin legen müsste. »Es war nicht meine Absicht, ihm dort Stellung zu befehlen.«

Derjenige, der das behauptet hatte, war nicht vor Gericht erschienen. Erst am Vortag hatte der Zeuge telefonisch bei Richter Dr. Christian Liegl angefragt, ob er unbedingt kommen müsse, die 800 Kilometer lange Anfahrt wollte er sich ersparen. Obwohl ihm Liegl klargemacht hatte, dass seine Anwesenheit erforderlich sei, kam der Soldat nicht nach Laufen.

Mit der vorsichtigen Anfrage, ob man das Verfahren nicht wegen geringer Schuld einstellen sollte, stieß Liegl bei Staatsanwalt Dr. Anton Burger auf taube Ohren.

»Ohne Zeugen wird's nicht gehen«, erklärte Burger, »da werden wir nicht drum herum kommen.« Neben dem vermeintlich Geschädigten will Burger drei weitere Zeugen laden, obschon Richter Liegl bemerkte, dass der junge Soldat offensichtlich kein Interesse mehr an einer Strafverfolgung habe.

Gegen den angeklagten Zeitsoldaten hatte zunächst die Bundeswehr disziplinarisch ermittelt, ihn von der Grundausbildung abgezogen und ihn wieder in seine Stammeinheit nach Bischofswiesen versetzt. Daraufhin ging der Fall an die Staatsanwaltschaft. Richter Liegl wird demnächst einen neuen Termin festlegen und die vier Zeugen laden. Die Kosten dieser ersten Verhandlung hat der angeblich Geschädigte zu tragen. Hannes Höfer