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Viele Tote bei Anschlagsserie im Irak

Istanbul/Bagdad (dpa) - Eine neue Anschlagsserie sowie weitere Demonstrationen gegen Ministerpräsident Nuri al-Maliki erschüttern den Irak. Bei fünf Bombenanschlägen wurden am Freitag mindestens 35 Menschen getötet.

Trümmerfeld
Trümmerfeld: Immer wieder werden im Irak tödliche Bombenanschläge verübt. Foto: Ali Abbas/Archiv Foto: dpa

Dabei waren insbesondere Städte und Regionen betroffen, in denen überwiegend Muslime schiitischer Glaubensrichtung leben. Die Proteste der Sunniten gegen die von Schiiten dominierte Regierung dauerten an. Die Demonstranten fordern seit Wochen Reformen und die Freilassung politischer Gegner.

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Zwei Autobomben explodierten nach Angaben aus Sicherheitskreisen an einem beliebten Vogelmarkt im Bagdader Vorort Chadimija. Laut Polizei und Medizinern wurden bei den Detonationen mindestens 19 Menschen in den Tod gerissen. 42 weitere Passanten wurden verletzt. In der Stadt Hilla, rund 100 Kilometer südlich von Bagdad, kamen 13 Menschen ums Leben, als zwei Autobomben detonierten. 53 Menschen erlitten Verletzungen.

In der schiitischen Pilgerstadt Kerbela kostete die Explosion einer Autobombe vor einem Regierungsgebäude drei Menschen das Leben, neun wurden verletzt, wie Sicherheitsbehörden und Augenzeugen berichteten.

Derweil gingen in den nördlichen Städten Kirkuk, Samarra und Mossul sowie im westlichen Falludscha und in Bagdad Tausende Sunniten auf die Straße, um gegen die von den Schiiten dominierte Regierung von Ministerpräsident Al-Maliki zu demonstrieren. Die Demonstranten forderten Reformen und die Freilassung politischer Gefangener.

Der einflussreiche schiitische Prediger Muktada al-Sadr verteidigte die Demonstranten gegen Vorwürfe, ihre Bewegung werde von Terroristen infiltriert. Er habe keine Angst davor, dass die Protestierenden sich von der sunnitischen Terrororganisation Al-Kaida vereinnahmen ließen, sagte er. Vielmehr fürchte er Sektierertum. Al-Sadr spricht sich für einen Dialog zwischen der Regierung Al-Maliki und den Demonstranten aus.

Im krisengebeutelten Irak ist seit dem Abzug der US-Soldaten im Dezember 2011 ein neuer Machtkampf zwischen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit und der sunnitischen Minderheit ausgebrochen. Dieser wird immer mehr mit blutiger Gewalt ausgetragen. Inzwischen gibt es fast täglich Anschläge.

Menschenrechtler werfen der Regierung wiederum «drakonische Maßnahmen» gegen Oppositionelle vor. Die Führung des Landes werde immer autoritärer, mache das Land aber nicht sicherer, resümierte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in ihrem Jahresbericht.

HRW-Jahresbericht zu Irak