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Vielleicht kommen sie ja nach der Pause?

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Jan Eschke, Rocky Knauer, Florian Trübsbach und Charly Antolini (v. l.) im NUTS. (Foto: Barbara Heigl)

Man braucht kein Jazzexperte zu sein, um auf ein Jazzkonzert zu gehen – noch dazu wenn Old-School-Jazz und nicht Free-Jazz angekündigt ist – und Freude an dieser Musik zu haben. Man liest sich also das Programm durch oder die Ankündigung in der Zeitung und denkt sich vielleicht: »Wow! Mit Sängerin, und Saxofonistin, das klingt ja interessant, das probiere ich doch mal aus.« Und dann sitzt man im Konzert und wartet auf die Sängerin Nina Michelle und auf Steffi Lottermoser am Tenor- und Altsaxofon, und es passiert ... nichts! Keine von beiden betritt die Bühne. Aber vielleicht kommen sie ja nach der Pause? Abwarten!


Warum es einer der renommiertesten Jazz-Schlagzeuger wie Charly Antolini bei seinem Gastspiel nicht für nötig befunden hat, das Publikum in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS über die Umstände der Besetzungsänderung aufzuklären, blieb im Dunkeln, obwohl er an diesem Abend gerne über dieses und jenes angeregt zu plaudern wusste.

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Natürlich war die Musik gut, auch wenn am Bass ein anderer stand, als angekündigt; statt Peter Cudek kam Rocky Knauer aus Kanada. Soviel zur Austauschbarkeit von Musikern, die vor allem im Jazz ja den Individualismus geradezu zelebrieren.

Man denke da nur an die ausgiebigen Soli, die da bei jedem Stück zelebriert und beklatscht werden. Die Möglichkeiten der eigenen Präsentation sind gerade in dieser Musikrichtung ideal. Jeder darf in so einem Stück der Star sein, während die anderen Solisten zur Begleitband mutieren. Auch auf die Gefahr hin, der Mäkelei bezichtigt zu werden: Nach so einem wirklich glanzvollen Abend mit ebenso sympathisch wie virtuos auftretenden Musikern bleibt ein merkwürdiger Nachgeschmack hängen. Auch wenn der junge Saxofonist Florian Trübsbach die Flamme des Jazz herrlich zucken, züngeln und lodern ließ und Jan Eschke dem Piano faszinierende Klänge entlockte und sich dabei geradezu hineinwühlte, um gleich darauf wieder smooth und sophisticated zu klingen, war der seltsame Umstand nicht ganz auszublenden.

Rocky Knauer am Bass, er hatte gemeinsam mit Jan Eschke und Nina Michelle am Abend zuvor in der Jazz-Bar des Bayerischen Hofes in München gespielt, war ein zuverlässiger, aber nicht sehr expressiv gestaltender Musiker, was den Höreindruck allerdings wohltuend geerdet hat und nicht negativ gemeint ist. Charly Antolini, der sich gerne mal ein »Open End Play« am Schlagzeug gönnte, weil, wie er sagte, nicht immer alles so perfekt sein muss, gestaltete den Abend im Stil des abgeklärten Conaisseurs und zementierte seinen guten Ruf mit etlichen solistischen Einlagen, die in der Gestaltung spannungsgeladen waren und mit präziser Dichte überzeugten.

Ein besonders interessantes Stück an diesem Abend war »Deep in a Dream« von James van Heusen. Eine sehr langsame Nummer, bei der man förmlich die Eiswürfel im Longdrinkglas klirren hören konnte und bei der sich das Basssolo mit den äußerst kompliziert-rhythmischen Spielsequenzen am Piano und am Schlagzeug aufs Merkwürdigste verschränkte, sodass man fast den Eindruck haben konnte, die Musiker würden in Zeitlupe rückwärts spielen. Dazu das Saxofon, smooth und samten. Das war schon sehr fein!

Nach dem St. Louis Blues und »Sister Sadie« von Horace Silver, gab es das ultimative, immer noch gern gehörte, wenn auch schon mit leichten Abnutzungserscheinungen behaftete, nach all den vielen Jahren der großen Beliebtheit: »Take Five« von Dave Brubeck. Das Publikum applaudierte begeistert.

Und wer weiß, vielleicht schaut sich im nächsten Jahr, der ein oder andere nach diesem Konzert die Besetzungsliste genauer an, auf der vielleicht auch der famose Florian Trübsbach steht, der dann womöglich gar nicht kommt?

Man wird sehen und kann nur hoffen, das Charly Antolini das nächste Mal sein Publikum ernster nimmt. Barbara Heigl