weather-image
12°

Vielsaitige Barockgenüsse

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Andrea Wittmann und Peter Clemente versprühten ausgelassene Musizierfreude in der Abtskapelle des Kloster Seeon. (Foto: Benekam)

Immer etwas Besonderes sind die Konzerte in der Abtskapelle St. Nikolaus des Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon, initiiert meist von Kirchenmusikerin Andrea Wittmann. »Barocke Klänge« war der Titel des letzten Konzerts, für das der Violinen-Virtuose Peter Clemente gewonnen werden konnte.


Und weil Peter Clemente ein im besten Wortsinn »vielsaitiger« Musiker ist, beglückte er die Konzertbesucher mit Musik gleich dreier Instrumente: Violine, Bratsche und Mandoline. Dementsprechend abwechslungsreich war die Werkauswahl. Die viersätzige Sonate in D-Dur für Violine und Cembalo von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) hieß die Gäste mit angenehm leichter Kost willkommen. In etwas düsterer Tonart ging es mit Antonio Vivaldis (1678 bis 1741) Largo in g-Moll für Violine und Cembalo weiter, einem Werk von wunderbar tiefgründig-melodischem Charakter.

Anzeige

Zu einem Ave Maria von Francesco Durante (1684 bis 1755), in italienischer Sprache gesungen, begleitete sich Wittmann selbst am Cembalo und begeisterte mit ausdruckstarker Phrasierung bei hinreißend schöner Sopranstimme. Bei der Sonate in G-Dur für Viola und Cembalo von Benedetto Marcello (1686 bis 1739) griff Clemente zur größeren Schwester der Violine, der Bratsche, und verzauberte die Zuhörer mit dem großartigen Werk des venezianischen Komponisten, in das die beiden Musiker spürbar eintauchten um es demutsvoll zu zelebrieren. Nach einer kurzen Pause kam eine zum Träumen schöne Komposition von Theresia von Paradis (1759 bis 1824), mit schwelgerisch-romantischen Linien zu Gehör. Kaum zu fassen, dass, wie Clemente verriet, dieses besondere Werk (Sicilienne für Violine und Cembalo) nur selten aufgeführt wird. Im Anschluss freuten sich die Gäste über ein zweites Ave Maria, diesmal von Giulio Caccini (1546-1618), für das Wittmann kräftig Beifall bekam.

Wie gut der Zusammenklang von Mandoline und Cembalo harmoniert, konnten die Zuhörer in der Sonate in G-Dur von Giovanni Battista Gervasio (1725 bis 1785) hören. Bei geschlossenen Augen waren die beiden Instrumentenstimmen einander nur sehr schwer zuzuordnen – was den Hörgenuss aber komplettierte, war das hochsensible Zusammenwirken der beiden Musiker, die jeder für sich »bei« seinem Instrument, aber gleichzeitig auch mit jeder Faser der Aufmerksamkeit beim andern war – da passte alles: Musiker, wie Instrumente zueinander.

Mit einer Sonate von Giuseppe Tartini (1692 bis 1770) für Violine und Cembalo gab Clemente eine weitere Kostprobe seines Könnens, wobei er den höchsten technischen Anforderungen mit geschmeidiger Leichtigkeit begegnete. Nach einem überschwänglichen Schlussapplaus bedankten sich die Musiker mit einer Zugabe von Gabriel Faure – »Après un rêve«, und weil es gar so schön war, und man die Theresia von Paradis viel zu selten hört, schloss das Konzert mit ihrer romantischen Sicilienne. Kirsten Benekam