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Vielsaitiger Musikgenuss

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Die »Fraunhofer Saitenmusik« hat die Saison des Vereins KulturGut Ising eröffnet und ist immer einen Konzertbesuch wert. (Foto: Benekam)

Frischer Wind und beruhigende Klänge wunderschöner Volksmusik durchdrangen zum Saisonauftakt den Isinger Saal beim Verein KulturGut Ising. Die zahlreichen Gäste genossen bei Kerzenlicht in zünftig-gemütlicher Atmosphäre ein Konzert der »Fraunhofer Saitenmusik« – die vier Oberbayern, die seit fast vier Jahrzehnten die Musiklandschaft mit meisterhafter Saitenmusik aus den unterschiedlichsten Musikgenres bereichern, sind immer einen Besuch wert.


Eintönigkeit kennen sie nicht. Höchstens »Vielsaitigkeit« im besten Sinne des Wortes: Ob Folk oder Klassik, ob Volksmusik oder mittelalterliche Klänge, sie fühlen sich musikalisch in den unterschiedlichsten Genres und Epochen wohl und transportieren genau das dem Zuhörer: Musik zum Ankommen, Zurücklehnen, Abschalten und Fallenlassen. Raus aus dem Alltagsstress und hinein in wohlklingende Melodien zum Runterkommen und Erholen.

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»Aufwind« heißt die neue CD, auf der Richard Kurländer (Harfe, Salzburger Hackbrett, Appenzeller Hackbrett), Michaela Schmid (Cello, Flöten), Gerhard Zink (Kontrabass) und Michael Klein (Gitarre) wie an diesem Abend in Ising ihr Repertoire vorstellen. Dass sich das Quartett für Kompositionen aus dem skandinavischen Raum begeistert und diese auch mit entsprechender Leidenschaft umsetzt, wurde schon im ersten Programmteil deutlich: »Kwirhöken«, zu Deutsch Mäusebussard, stammt aus Finnland und spiegelt musikalisch die Ausblicke der Landschaft mit all ihren berauschenden Naturereignissen wieder.

Die Flöte, die anmutig die Melodie führte, empfand immer wieder das Kreisen des prächtigen Greifvogels am Himmel nach und weckte mit ihrer Melodie sehnsuchtsvolles Fernweh. Das Stück »Ajoulote« aus der französischen Schweiz bezauberte mit sich abwechselnden schwungvoll-melodischen Passagen auf Altflöte und Hackbrett, zart eingebettet in begleitende Akkorde von Gitarre und Kontrabass.

Mit musikalisch-alpenländischem Humor kam im Anschluss der »Tiroler Hopsa« daher, genau wie das ebenso im volksmusikalischen Stil gehaltene Stück »Tiroler Herzen«. Sehr gut kam auch die Eigenkomposition »Beim Stirzer« an, die das Quartett einem lieb gewonnenen Wirtshaus in der Oberpfalz gewidmet hat, das durch sein hervorragendes kulinarisches Angebot inspirative Wirkung zeigte. Liebe geht eben doch durch den Magen – auch musikalisch.

Mit gleichbleibend guter Laune ging es nach der Pause mit einer finnischen Polka weiter, dann mit einem beträchtlichen Zeitsprung und einem selten gehörten Instrument, dem Streichpsalter, zurück ins Frankreich des 16. Jahrhunderts: Ungewohnte Klangwelten mit mittelalterlichem Charakter ließen die Konzertbesucher im Isinger Saal staunend aufhorchen. Mit dem Stück »In der Kiefer« (als »Maut-frei-Landler« der Autobahn Kiefersfelden gewidmet) hatten die »Fraunhofer« auch ein heiteres, oberbayerisches Stück im Gepäck, bei dem die Harfe zum Einsatz kam.

Sogar eine kleine Exkursion in Richtung klassischer Musik kam zu Gehör: die Arie »Gräfe-unbekannt-Gavotte«. Nach einem Umweg nach Irland, dem »Brain Bouru March«, um 914 für Harfe und Hackbrett komponiert, landete das Quartett gegen Konzertende wieder bei einem schwedischen Stück, ursprünglich für Hackbrett komponiert und von den »Fraunhofern« gekonnt auf Cello umgesetzt. Ein echter Hörgenuss. Nach einem stürmischen Applaus waren die Musiker noch zu zwei Zugaben und einem Plausch mit den Gästen bereit, die nur zögerlich den Isinger Saal verließen. Kirsten Benekam