weather-image
18°

Vielteilige Bildwelten voller Geheimnisse

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Die Künstler Petra Schunk aus Übersee (von links) und Robert Dufter aus Siegsdorf in der Ausstellung im Gespräch mit stellvertretendem Landrat Sepp Konhäuser. (Foto: Effner)

Zum mittlerweile fünften Mal hat das Landratsamt Traunstein unter dem Motto »Kunst im Amt« seine Tore und Flure für die Ausstellung von zwei Künstlern aus dem Chiemgau geöffnet. Die kontrastreiche Werkschau, bei der die frei expressive Malerei von Petra Schunk aus Übersee in den Dialog mit der streng-rationalen Bilderwelt von Robert Dufter aus Siegsdorf tritt, ist noch bis 31. Mai zu sehen. Am heutigen Mittwoch besteht um 18.30 Uhr die Gelegenheit, an einem Ausstellungsrundgang mit Künstlergespräch teilzunehmen.


Der Titel »vielteilig« erinnert nicht umsonst an ähn-liche Begriffe wie »vielseitig« oder auch »vielver-sprechend«. Entsprechend gespannt ist man als Besucher, wie die beiden völlig unterschiedlichen Stile wohl im Zusammenwirken rüberkommen. Ist es mehr Dialog oder Konfrontation?

Anzeige

Petra Schunks Arbeiten erinnern manchen mit Si-cherheit erst einmal an Kinderbilder. »Das malt unsere fünfjährige Tochter doch auch«, war als einer der Kommentare so auch auf der Vernissage zu hören. Wie skizzenhaft und flüchtig mit bunten Ölkreiden hingeworfene Momenteindrücke oder Randnotizen wirken die vielen Detail auf der großformatigen Arbeit »2018 – 014«. Man erkennt Noten, Gesichter, Taschen, Kerzen, aber vieles bleibt unklar im schnellen Strich. Mit Acrylfarbe übermalt Schunk manche Partien oder setzt bewusst Akzente.

Ihre erzählerische Vorgehensweise und Kombinati-on der Motive verrät die Überseerin, wenn sie sagt: »Das ist mir heute begegnet, das habe ich heute gesehen, das ist wichtig für mich, das interessiert mich, das habe ich heute gekauft…, und deshalb will ich es euch erzählen.« Dass ihre Erzählungen sich zwar in frei-expressiver Gestaltung ausdrücken, dabei aber nicht Willkür und blindem Chaos folgen, macht der Gang durch die Ausstellung deutlich.

Im »Hummelflug« lässt Schunk in heiterer Ge-stimmtheit rosa Farbwolken und Strichgebilde über einen grau-dunklen Hintergrund ziehen, dessen Konturen verwaschen bleiben. Es ist, als würde man hier den Gedanken, Ideen und Assoziationsketten bei der allmählichen Verformung zu konkreten und festgelegten Bildeindrücken zusehen können, während noch alles vielteilig und im Fluss ist. Gerade in den kleinteiligen Arbeiten zeigt sich dann, wie Kompositionsprinzipien und das Spiel mit Farbe und Strich die Aussage verdichten. Unschwer erkennbar ist auch, dass der US-Künstler Cy Twombly, einer der bedeutendsten Künstler des abstrakten Expressionismus, Petra Schunk inspiriert hat.

Während die Überseerin erklärt: »Für mich ist kon-struieren zwecklos«, so bildet die Konstruktion bei Robert Dufter das Grundgerüst jeder Arbeit. Jahrelang hat er sich in intensiver Gedankenarbeit mit Farbwirkungen und -physik, wissenschaftlichen Erkenntnissen und geometrischen Grundformen auseinandergesetzt, um seiner Vorstellung von konkreter Kunst möglich nahe zu kommen. Immer wieder nimmt er die Fibonacci-Folge als unendliche Zahlenreihe als Ansatzpunkt, um unterschiedlich dimensionierte und ausgerichtete Farbstreifen zu räumlich wirkenden Netz- und Flechtwerken zusammenzuführen.

Was auf den ersten Blick nüchtern, rational und durchdrungen von maximaler Abstraktion erscheint, ist doch Ausdruck einer intensiven Auseinandersetzung mit der Welt. Dufter setzt sich mit Folgen der Digitalisierung oder der Energiewende auseinander und versucht, dies in vielteiligen Werkfläche und Bildwelten umzusetzen. Immer wieder verblüfft Dufter dabei durch die intensiven Farbwirkungen seiner Werke. Als Königsdisziplin sieht der Dipl.-Ingenieur für Druck und Medientechnik im Übrigen den Bereich Kunst am Bau. Im öffentlichen Raum tritt die Kunst beständig in den Dialog mit dem Betrachter. Faszinierend sind vor diesem Hintergrund seine Entwürfe für die Fakultät für Informatik und Mathematik an der Technischen Hochschule in Regensburg.

Verbindet beide Künstler ihr sensibler und virtuoser Umgang mit Farbe und der Sinn für Abstraktion, so gehen sie in Punkto Ausdruck und Formensprache ganz unterschiedliche Wege. Für den Betrachter jedenfalls ist die Gegenüberstellung beider Bildwelten in jedem Fall einen Besuch wert. Geöffnet ist die Ausstellung Montag bis Donnerstag von 7.30 bis 17 Uhr und am Freitag von 7.30 bis 12 Uhr. Axel Effner