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Vier Gitarren, ein Piano, eine Harp und ein Allroundtalent

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Ob mit seinen Gitarren oder am Piano: Edwin Kimmler ist die Spielfreude bei jedem Stück anzusehen und anzuhören. (Foto: Welte)

Ob die Besucher des ersten Konzerts in diesem Jahr auf der Staudacher Musikbühne alle Musikinstrumente auf der Bühne gezählt haben? Rechts neben einem Kawai-Piano reckten vier unterschiedliche Gitarren ihre Hälse in die Höhe, in Reih und Glied wie Soldaten auf ihren Einsatz wartend, alle zusammen für eine Ein-Mann-Show gedacht. Freudestrahlend und im schönsten bayerischen Dialekt erzählte der Niederbayer Edwin Kimmler, der nicht zum ersten Mal auf der Staudacher Musikbühne zu Gast war, von seinem musikalischen Werdegang, seinen besonderen und teils seltenen Gitarren, die primär im ersten Set zu hören waren. Für jede einzelne hatte er zudem eine eigene Geschichte mitgebracht.


Getreu seinem Motto »Feel Good« möchte er, dass sich das Publikum mit seiner Musik wohlfühlt. Dies ist ihm auch sofort von den ersten Takten an gelungen. Wie ein roter Faden zog sich seine Heiterkeit und Spielfreude durch den Abend, der Funke sprang sofort auf das Publikum über, Kimmlers Anekdoten bereicherten seine kreativen Arrangements. Edwin Kimmler animierte mit sichtlichem Vergnügen seine Zuhörer zum Mitklatschen, konnte sie aber auch bei gefühlvollen hawaiianischen Klängen zum andächtigen Lauschen bewegen. Mit seiner seltenen National Tricone Nickel-Silber-Gitarre spannte er gekonnt den Bogen von »Boogie-Woogie zu Hawaii«, mit einer 12-String »Stella Gambler« zauberte Kimmler einen Wahnsinnssound in den Saal, geschickt gemischt vom eigens mitgebrachten Tontechniker Wolfgang Hartmann.

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Nach der Pause wandte er sich seinem E-Piano zu, das er bisher links stehen gelassen hatte. Beim »Boogie for five minutes« oder dem furios gespielten »Old Time Rock'n' Roll« demonstrierte er, dass er auch dieses Instrument meisterlich beherrscht. Neben eigenen Kompositionen, mit Anleihen von Blues, Boogie, Swing und Calypso, zum Teil mit Gesang »von erotisch bis verrucht«, wie er selbst betonte, spielte Kimmler bekannte Arrangements in seiner eigenen, eigenwilligen Interpretation.

Viel Applaus erntete er bei »Boogie Baby«, einem Zwiegespräch in rasendem Tempo abwechselnd zwischen Bluesharp und Gesang, bei dem er sich völlig verausgabte. Sein Stampfen ließ die Bühne so stark erbeben, dass die Bühnendeko hinter ihm abstürzte. Zum Glück ist ihm und seinen wertvollen Instrumenten nichts passiert.

Nach vier fantastischen Zugaben und einem freudestrahlenden »Ich bin erschöpft, aber glücklich«, verabschiedete sich der sympathische Künstler Edwin Kimmler aus Staudach-Egerndach, sicher nicht zum letzten Mal. r.s.