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Virtuose Musik trotz klammer Finger

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Die Musiker Irene Fenninger und Felix Eberle. (Foto: Mikosch)

Ein Konzert besonderer Art erklang in der Neuen Kirche von Taching in einer absolut ungewöhnlichen, doch wunderschönen Kombination zweier Instrumente, wie sie nicht unterschiedlicher hätte sein können, nämlich der Harfe und dem Fagott.


Die aus Tittmoning-Törring stammende Masterstudentin Irene Fenninger hat sich bereits im Alter von 8 Jahren der Harfe zugewandt und während ihres breit gefächerten Studiums an der Hochschule für Musik und Theater München, dem Pariser Conservatoire national supérieur de musique und der Musikhochschule Köln viele Preise erhalten. Seit 2012 wird sie von der Yehudi-Menuhin-Stiftung »Live music now« gefördert. Zudem hat sie schon Erfahrungen im Zusammenspiel mit mehreren namhaften Orchestern Deutschlands und dem Orchestre Philharmonique de Luxembourg sammeln können.

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Den gebürtigen Münchner Felix Eberle, Solofagottist des WDR-Sinfonieorchesters Köln, zeichnet eine beeindruckende Laufbahn nach seinem Studium an der Hochschule für Musik in Frankfurt/Main aus. Früh erhielt er ein Kammermusik-Stipendium sowohl der Villa Musica Rheinland Pfalz als auch der Yehudi Menuhin Stiftung und gewann mit seinem »Trio d´anches« den 17. Bad Homburger Förderpreis für Kammermusik. Als Solofagottist wirkte Eberle im London Symphony Orchestra, dem Royal Philharmonic, beim City of Birmingham wie auch dem National Symphony Orchestra oder dem BBC Philharmonic und deutschen Orchestern mit, so auch zwei Jahre als Solofagottist bei den Münchner Philharmonikern. Mit der Einspielung der Goldberg-Variationen als Mitglied des Bassoon Consort Frankfurt gewann er 2016 einen Echo Klassic.

Beiden Künstlern gelang es mit Perfektion, trotz der überaus niedrigen Temperaturen von 12 Grad im Kirchenraum, eine ausgezeichnete Stimmung ihrer beiden empfindlichen Instrumente zu erreichen, obwohl das sensible Holz des Fagotts sich durch die Kälte bereits zusammengezogen hatte. Dass beim überaus diffizilen Spiel auf den Metallsaiten der Harfe wie mit den zahlreichen Metallklappen des Fagotts die kälter werdenden Finger der beiden Interpreten ihre Virtuosität nicht beeinträchtigten, war erstaunlich!

Musikstücke speziell für diese Instrumentalkombination gebe es kaum, erläuterte zu Beginn der junge Fagottist, weshalb das Oboenkonzert d-Moll von Alessandro Marcello (1673 bis 1747) dem Fagott und der Harfe angepasst wurde. Die Harfe übernimmt die einstige Orchesterbegleitung, das Fagott den Part der Oboe. Kein geringerer als Marcellos Zeitgenosse Johann Sebastian Bach hatte dieses Stück für Cembalobegleitung umgeschrieben.

In Taching begann die Harfe den 1. Satz klar strukturiert in barocken Klängen, bis das Fagott mit seinem samtigen Ton und zarten Umspielungen in immer neuen Variationen virtuos einstimmte. Mit dem 2. Satz, der nach Bachs Version gespielt wurde, verzauberten beide Instrumente durch ihre gefühlvolle wie auch spielerisch leichte Interpretation. Heiter begannen Harfe und Fagott den 3. Satz gemeinsam, nahmen gegenseitig tänzerisch die Themen auf, wobei das Fagott in scheinbarer Leichtigkeit mit Trillern, Tonsprüngen und Stakkato faszinierte.

Das nächste Solostück für Harfe, geschrieben von Gabriel Fauré (1845 bis 1924), ließ mit Irene Fenninger den Zauber dieses Instruments in einer Bandbreite erklingen, die den Zuhörer fast den Atem anhalten ließ: so schön, so himmelsgleich, aber auch so französisch! Fast könnten impressionistische Bilder vor dem geistigen Auge entstehen, wenn die Tonmalerei Faurés beginnt: plätschernd, eine sich im Tempo steigernde, an- und abschwellende Vielfalt an Klangkaskaden, bis sich all dies zu einem frohen Schlussklang findet.

Von einem modernen Komponisten mit finnischen Wurzeln, dem Kirchenmusiker Jörg Duda, stammte das folgende Stück, das aber ursprünglich auch nicht für Harfe mit Fagott geschrieben wurde, sondern für Harfe und Tuba! Doch gerade in der Instrumentalkombination dieses Konzerts konnte der Fagottist mit den Möglichkeiten seines Instruments und seiner imponierenden Technik feinfühlig auch die zarten Akzente setzen, die bei der Tuba nur in anderer Weise möglich sind.

Der erste Satz, ein Nocturne, ließ die Harfe sanft beginnen und die melodischen Moll-Motive des Fagotts aufnehmen, wunderschön variieren und zu einer wechselseitigen tänzerischen Lebendigkeit ausbauen. Lebhaft und positiv fesselte der 2. Satz durch viele Taktwechsel, Synkopen und überraschende Wendungen zwischen Wildheit und Sanftmut. Die Melancholie finnischer Volkslieder klang im 3. Satz an, bis im 4. Satz eine lebendige Harfe und das tänzerische Fagott miteinander korrespondierten, von heiteren bis zu feierlich getragenen Klängen.

Einen sanften Ausklang dieses faszinierenden Konzerts brachte »Der Schwan« aus Camille Saint-Saens' (1835 bis 1921) »Karneval der Tiere«, in dessen Originalversion die Melodie für das Cello geschrieben worden war. Nun aber übernahm das Fagott diese verträumte Weise zur plätschernden Harfe. Nicht nur hier spielte Felix Eberle sein Instrument mit einer berührenden Sensibilität und ließ es – dem Bild des entschwindenden Schwans angepasst – zart wie im Nichts verklingen. Es war ein Klangerlebnis, das erst einmal Stille bei den Zuhörern bewirkte, bevor ein begeisterter Applaus ausbrach. Helga Mikosch