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Virtuoses Cello und Bitte um Frieden

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Der Chor der Musikfreunde Laufen, das Diabelliorchester und sein Dirigent Stephan Höllwerth sowie die Gesangssolisten Meredith Hoffmann-Thomson, Eva Leitner, Konstantin Riedl und Virgil Hartinger boten ein Konzert mit Höchstleistungen. (Foto: Janoschka)

Dirigent Stephan Höllwerth hat mit dem Diabelliorchester Seekirchen und dem Chor der Musikfreunde Laufen die »orchesterfreie« Zeit in Bad Reichenhall passend gefüllt: Generalmusikdirektor Christian Simonis habe ihn gefragt, ob er ein »Füllkonzert« mit seinen Ensembles anbieten könne. Diesen Gedanken habe das Musikum Salzburg, aus dem – außer drei Instrumentallehrern – etliche Schüler, auch ehemalige, im Diabelliorchester mitspielen, aufgegriffen.


Ein Beweis für die gute Orchesterarbeit

Das Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 in C-Dur mit den Sätzen Moderato, Adagio und Allegro molto war gleich zu Beginn ein Beweis für die gute Orchesterarbeit des Dirigenten. Mit einem homogenen Klang waren die Musiker ein verlässlicher Partner für die 19-jährige Cellistin Marlies Wiederstein, die mit ihrem Solopart in allen drei Sätzen beeindruckte.

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Marlies Wiederstein studiert Musik- und Tanzwissenschaft und erhält Cellounterricht von Detlef Mielke und blickt bereits auf eine internationale Konzerterfahrung zurück. Dass sie drei Mal den 1. Preis beim österreichischen Landeswettbewerb »prima la musica« erhielt, verwundert nicht. Denn sie zeigte sich bei Haydns Cello-Konzert versiert auf ihrem Instrument, meisterte alle technischen Herausforderungen mit Bravour und legte dabei die nötige Ausdruckskraft in ihre Musik, die bei den Zuhörern für den berühmten Funken sorgte. Schöne Legatobögen mit bewusst eingesetztem Vibrato wechselten, zum Beispiel auch in der Kadenz des ersten Satzes, mit virtuos aufgelösten Akkordfolgen.

Sehr delikat ging Marlies Wiederstein mit der Klanggestaltung um und intonierte mit höchster Sauberkeit. Das Allegro molto nach dem spannungsgeladenen Adagio kam spritzig und virtuos daher, mit deutlich spürbarer Echowirkung in den Wiederholungen der Themen. Hoch konzentriert und auswendig spielend richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf den Dirigenten und das Zusammenspiel mit dem Orchester, mit dem sie zu einer Einheit verschmolz. Nach nicht enden wollendem Applaus spielte sie das harmonisch anspruchsvolle Präludium aus der dritten Suite in C-Dur für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach als Zugabe und durfte sich nochmals über lang anhaltenden Applaus freuen.

Im zweiten Teil kam Joseph Haydns »Missa in tempore belli« (eine Messe, die in Kriegszeiten komponiert wurde) für vier Solostimmen, gemischten Chor und Orchester aus dem Jahr 1796, umgangssprachlich auch »Paukenmesse« genannt, zur Aufführung. Diese große sinfonische Messe mache mit Trompeten und Pauken Kriegerisches hörbar, lasse den Chor aber im »Dona nobis pacem« (Gib uns Frieden) auch flehentliche Töne singen, erläuterte Stephan Höllwerth in seiner Einführung. Die Männerstimmen standen in der Mitte der Bühne und waren von den Frauenstimmen eingerahmt – eine Aufstellung, die für die Klanggestaltung sicherlich von Vorteil war.

Berührende Interpretation

Der Inhalt des Textes in allen sechs Messteilen – Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei – spiegelte sich in der Komposition wider und wurde vom Chor der Musikfreunde sehr berührend interpretiert.

Auch der Pause maß Haydn eine große musikalisch-symbolische Bedeutung bei, die bei der Aufführung wunderbar zur Geltung kam: »Et expecto resurrectionem« (Ich erwarte die Auferstehung) – lange symbolkräftige Pause – »mortuorum« (der Toten). Die verschiedenen Stimmen in der Fuge des folgenden »et vitam venturi saeculi« (und das »ewige« Leben) sind ein Sinnbild der vielen Menschen, die dafür beten.

Dieser Symbolgehalt steckte auch in der zeitlosen und immer wieder aktuellen Bitte »Dona nobis pacem«, dessen Eindringlichkeit durch das Nacheinander von Männer- und Frauenstimmen im Unisono bewirkt wurde. Auch das Paradestück für die Solostimmen – das Benedictus – war überzeugend. Schade nur, dass die Sopranistin Meredith Hoffmann-Thomson, die in Montréal und am Mozarteum studierte und eine reichhaltige Konzerttätigkeit vorweisen kann, alle Soli vom Kyrie bis zum Agnus Dei mit einem übertriebenen Vibrato sang, das sich von den klaren Gesangslinien der anderen Solisten unangenehm abhob.

Eva Leitner (Alt), Virgil Hartinger (Tenor) und Konstantin Riedl (Bass) – alle drei ebenfalls mit ausgezeichneten Referenzen – bildeten dagegen eine wunderbar homogene Einheit und machten ihren jeweiligen Solopart, auch in den verschiedenen Konstellationen, zum Hörgenuss. Viel Applaus gab es am Schluss nach einem Konzert mit Höchstleistungen. Brigitte Janoschka