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Virtuoses Kaleidoskop der Bläsermusik

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In voller Besetzung begeisterte das zehnköpfige Ensemble der Grassauer Blechbläser die Besucher des Musiksommerkonzerts in der Bergener St. Ägidiuskirche. (Foto: Effner)

Die Grassauer Blechbläser sind nicht nur ein international geschätztes Ensemble, sondern als Repräsentanten des Chiemgaus immer wieder auch gefragte Interpreten bei den Konzerten des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach«. In voller Besetzung zu zehnt bereiteten sie dem Publikum in der Bergener Pfarrkirche St. Ägidius bei ihrer musikali-schen Reise durch den Chiemgau einen besonderen Genuss.


Richard Strauss bildete dabei die Klammer des Kon-zerts, das durch Vielseitigkeit und Farbreichtum der Stücke, die Virtuosität der Bläser und mancherlei Überraschungen den Spannungsbogen hochhielt. Mit feierlich-tiefen Horn- und Posaunenfanfaren von Strauss’ »Feierlichem Einzug der Ritter des Johanniterordens« von 1909 ließen die Grassauer die Zuhörer eingangs quasi wie im Morgennebel auf Bergeshöhe einen erhebenden Blick auf die musikalische Landschaft im Chiemgau werfen. Mal tänzelnd-beschwingt und von Trommelwirbel begleitet, mal melancholisch-ruhig und getragen ging es mit Stücken der Tanzsuite aus »Terpsicore« des frühba-rocken Musikers und Hofkapellmeisters Michael Praetorius weiter. Bereits seit ihrer Anfangszeit gehören die Werke zum Repertoire der Grassauer, die immer wieder gerne darauf zurückgreifen.

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Viel Zeit verbracht hat im Chiemgau auch Wolfgang Amadeus Mozart. Immer wieder machte er auf sei-nen Reisen Station im Kloster Seeon. Die Grassauer Blechbläser erwiesen ihm ihre Reverenz mit einer Bearbeitung des Liedes »Ave Verum« durch Rupert Schmidthuber. Die Vertonung des mittelalterlichen Reimgebets hat viele Komponisten inspiriert. Mozarts Version gehört zu den bekanntesten. In ihrem getragen-fließenden Vortrag zeigten die Blech-Virtuosen aus dem Achental, dass sie auch Meister der leisen und feinen Töne sind. In ein rauschendes Fest mit Gastmahl im Spiegelsaal von Herrenchiemsee versetzt fühlte man sich bei den im Anschluss folgenden perlenden Läufen, Fanfaren und barocken Klangkaskaden aus Georg Philipp Telemanns Tafelmusik.

Dass sie auch Meister des tiefen Blechs sind, bewiesen die Bläser aus Grassau mit einer weiteren Perle: der von Enrique Crespo komponierten Bruckner-Etüde. Der Tuba-Bläser aus Uruguay, der in verschiedenen deutschen Orchestern gespielt hat, erwies damit dem spätromantischen Komponisten Bruckner die Ehre, in dessen Werk choralartige Bläserpassagen eine zentrale Rolle spielen. Das pathetisch-getragene Werk in einer Bearbeitung für Tuba, Horn und Posaunen sorgte bei den Zuhörern in Bergen für sichtliche Ergriffenheit.

Mit einer temporeich-beschwingten kurzen Finger-übung ging es weiter ins Achental mit der Komposi-tion »Grassauer Zwiefacher« von Jan Koetsier. Dass die zehn Blechbläser hier im Zusammenspiel ganz in ihrem Element und mit Spaß bei der Sache waren, war unschwer zu übersehen. Vom modernen Chiemgau in seinen vielen Facetten erzählt die Auftragskomposition für das Chiemgau Alm Festival »Eigensinn und Toleranz« von Hans Kröll. Das Werk wird am Sonntag, 8. Juli um 14 Uhr auf der Rachlalm oberhalb von Grassau uraufgeführt, in Bergen gab es schon mal eine delikate Kostprobe davon.

Mit mystischen Alphorn-Passagen stimmte Ensem-ble-Leiter Wolfgang Diem die Zuhörer auf die musikalische Faszination der Alpenwelt ein. Was folgte, war ein bunt-beschwingtes Kaleidoskop zwischen Landler, Boarischem, Berg-Echo und modernen Klängen, Tempowechseln und allerhand spritzig-witzigen musikalischen Einfällen und Überraschungen, die gute Laune machen.

Mit dem Königsmarsch von Richard Strauss, den der zeitweilig in Marquartstein logierende Komponist auch tatsächlich dort geschrieben hat, klang der beschwingte Konzertabend aus, bevor der Klassiker »La Montanara« den Zuhöreren noch als Zugabe einen feierlichen Ohrwurm mit auf den Nachhauseweg gab.

Wer noch mehr von den Grassauer Blechbläsern hören will, der hat dazu im Juli bei drei Konzerten auf dem Streichenkircherl in Schleching (4. Juli, 19 Uhr), beim Chiemgau Alm Festival auf der Rachlalm bei Grassau (8. Juli, 14 Uhr) und im Steinbruch bei Marquartstein (29. Juli,19.30 Uhr) Gelegenheit. Axel Effner