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Vitales Kunstfest zeigt Vielseitigkeit der Akademie

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Szene aus dem »Gesamtkunstwerk« über die »künstlichen Paradiese« von und mit Ralph Gelbert. (Foto: Mergenthal)

»Die Bad Reichenhaller Kunstakademie war Keimzelle der Revitalisierung des gesamten Areals«, hob Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner neben der künstlerischen und touristischen Bedeutung der Einrichtung hervor. Mit einem opulenten Programm und einem stattlichen Gästekreis, vorwiegend Kursteilnehmer und Dozenten, feierte die Akademie ihren 20. Geburtstag.


Akademie-Direktorin Dr. Brigitte Hausmann erinnerte in ihrer Festrede an die »überaus glückliche personelle Konstellation«, von der 1996 die entscheidenden Impulse ausgegangen waren: den Künstler Walter Angerer d. J., den damaligen Volkshochschulleiter Rupert Fegg, der die Akademie aufgebaut und 18 Jahre lang geleitet hatte, sowie den damaligen Salinendirektor Dr. Richard Griß.

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»Die Stadt Bad Reichenhall war überaus fortschrittlich und erkannte bereits damals die gesellschaftliche Bedeutung von Kreativität und kultureller Bildung, wie auch die wirtschaftliche Seite von Kultur als Standort- und Imagefaktor«, ergänzte sie. Bis heute seien etwa 30 000 Kunstinteressierte von über 300 Künstlern unterrichtet worden; aktuell lehrten etwa 130 Künstler. Hausmann würdigte auch die bereits verstorbenen Dozenten Liz Böwing, Georg Fenkl, Günther Förg, Stephan Fritsch, Prof. Gotthard Graubner, Bärbel Haas, Prof. Gieselbert Hoke, Oskar Koller, Walter Lederer, Eduard Schmegner und Emil Waldmann: »Sie gaben ihren Schülern viel.« Dr. Richard Griß schilderte, wie er das geschichtsträchtige und architektonisch reizvolle Ensemble in Besitz der Bayerischen Berg-Hütten- und Salzwerke-AG, wo damals die Bauabteilung der Saline untergebracht war, veräußern sollte.

Um einen Käufer zu finden, sei die Idee entstanden, neue Nutzungen zu suchen, die »Wertigkeit reinbringen«. Zunächst sei das Sudhaus 4, das nach dem Krieg eine Bananenreife-Einrichtung und später ein Kaufhaus beherbergte und heute ein Künstler-Fachmarkt ist, entkernt worden. »Es entstand ein traumhaft schöner, edler Bau.« Dort fanden laut Griß Kunstausstellungen einheimischer Künstler wie Martin Rasp aus Berchtesgaden statt. Walter Angerer d.J., der damals an der Sommerakademie in Salzburg war, erzählte, wie er in Bad Reichenhall mit seinem Assistenten Stefan Birkel mit 54 Teilnehmern eine erste sechswöchige Sommerakademie geleitet hat. Rupert Fegg habe die Idee »in jahrelanger Hingabe ausgebaut«. Er unterrichte heute noch gern an der Kunstakademie, bekannte Angerer.

Das übrige Programm musste aufgrund einer durchziehenden Regenfront im bereits vorbereiteten Lehrsaal stattfinden. Eifrig fertigten viele Besucher mit den Brüdern Tobias und Manuel Gruber, die zu den jüngsten Dozenten zählen und aus Bad Dürrnberg einen mobilen Gussofen mitgebracht haben, kleine Bronzegussobjekte an.

Ein viel beachteter Höhepunkt war das Gesamtkunstwerk von und mit Ralph Gelbert »Les paradis artificiels« (Die künstlichen Paradiese). Der Titel ist einem Essay Baudelaires entlehnt; es heißt darin, der wahre Künstler brauche keine Drogen, um Inspirationen zu finden. Mit seiner Dozenten-Kollegin Andrea Rozorea zelebrierte Gelbert eine Mal-Performance, rhythmisiert durch Wim Mertens Musik zu Peter Greenaways Film »Der Bauch des Architekten« über Künstlertum, Wahrnehmung und Ästhetik.

Der Improvisationstanz dazu von Isabell Dam und Carsten Lumière Sasse, beide Dozenten an der Tanz-Musical-Akademie in St. Johann in Tirol, schien mit dem Schwung der Pinsel zu einer großen Bewegung zusammen zu fließen. Unterbrochen und strukturiert wurde die Aktion durch von Regine von Chossy vorgetragene, italienische Opernarien, begleitet von Kristian Aleksic am Piano. Später leitete Regine von Chossy noch eine Kunstaktion.

Viel zum Schmunzeln gab es bei Rainer Landecks Akademie-Anekdoten und beim Sketch »Die absolute Weißheit« von Alfred Darda mit Evelyn Drescher, Horst Ziegler, Klaus Österreich und Rainer Landeck in der Rolle von vier »Künstlern«. Die Musik für das Fest brachte die Städtische Musikschule mit. Veronika Mergenthal