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Vive la Chanson!

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Legendäre französische Chansons und ihre Interpreten ließ das Trio Lebeau auf Gut Ising wieder aufleben: Unser Bild zeigt von links Sigrid Gerlach-Waltenberger (Akkordeon und Gesang), Eric Lebeau (Gesang und Gitarre) sowie Leonore von Stauss (Klavier und Gesang). (Foto: Hans Eder)

Über ein rundherum gelungenes Gastspiel durfte sich das Publikum des Vereins KulturGut Ising freuen. Unter dem Motto »C‘est si bon«, unter dem dieser Abend des französischen Chansons stand, hatten sich die drei Musiker Eric Lebeau (Gesang und Gitarre), Leonore von Stauss (Klavier und Gesang) und Sigrid Gerlach-Waltenberger (Akkordeon und Gesang) selbst ein hohes Ziel gesteckt, dem sie aber mühelos gerecht werden konnten.


»C‘est si bon« heißt aus dem Französischen übersetzt »Es ist so gut«. Und so war der Abend auch. Gut dabei war auch, dass kaum einer der anwesenden Zuschauer, so schien es, einen Übersetzer brauchte, sodass die Inhalte der Chansons mit all ihrer Leidenschaft und ihrem charmantem Wortwitz bestens ankamen.

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Die Ursprünge des Chansons reichen bis weit ins Mittelalter zurück. Sein besonderes Merkmal ist die starke Konzentration auf die Textaussage, die Anforderung, in drei Minuten eine Aussage auf den Punkt zu bringen. An der Entstehung eines Chansons sind nicht selten drei Künstler beteiligt: ein Textschreiber, ein Musikkomponist und ein Interpret. Die Textschreiber bedienen sich oft einer poetischen Bildsprache, ihre Inhalte decken eine Vielzahl von Themen ab, von Politik, komischen Lebenssituationen bis hin zur Liebe. So entstehen durch das Zusammenwirken dreier Künstler wahre musikalische Kunstwerke, für die dann letztendlich nur noch ein passender Sänger gefunden werden muss. Oder umgekehrt. Für namhafte, schon erfolgsgekrönte Chansonsänger oder -sängerinnen wie Edith Piaf, Jacques Brel oder Yves Montand wurden eigens Chansons geschrieben.

Das Lebeau-Trio bedient sich in seinen Chansonabenden aus dem großen Repertoire schon geschaffener Musikwerke. Das waren etwa bekannte Stücke des legendären Jacques Brel, wie zum Beispiel »Madeleine«, dessen Inhalt sich um das andauernde, jedoch leider vergebliche Warten auf die große Liebe dreht, »Ne me quitte pas« in dem sich der Autor in selbstzerstörerischer Haltung zu seiner zum Scheitern verurteilten Liebesbeziehung wiederfindet, sowie »Jacky«, in dem er den Wunsch beschreibt – und sei es auch nur für eine Stunde – die Welt wieder aus den Augen des Kindes, das er einmal war, zu sehen.

Die für Edith Piaf geschriebenen Chansons »La vie en rose«, »Sous le ciel de Paris« oder »Johnny« kreisen ebenfalls vorwiegend um das Thema Liebe und alle damit verbundenen Nebenwirkungen. Claude Nougaros Chanson »Il faut tourner la page« soll dazu ermutigen, im Leben neue Wege zu finden und zu beschreiten. In »Je me suis fait tout petit« von Georges Brassens wird die Absurdität eines nie gemachten Heiratsantrags besungen, in dem Brassens hochoffiziell einen »Nicht-Heiratsantrag« macht. Das Chanson »C’est si bon« widmete das Trio dem anwesenden Publikum, wohl zum Dank für die ermutigenden, begeisterten Reaktionen auf die vorgetragenen Chansons. »Au revoir et merci« wollten die chansonliebenden Gäste im Isinger Saal aber erst nach den beiden Zugaben »La maladie d’amour« von Michel Sardou und »Les Champs Elysées« von Joe Dassin sagen.

Das Trio Lebeau, das sich vor 17 Jahren während des Studiums am Salzburger Orff-Institut kennengelernt hat und seither miteinander musiziert, verwöhnte die Besucher mit hoher Musikalität, harmonischem Zusammenspiel und einer großen Portion französischen Charmes. Eric Lebeau transportierte einfühlsam und leidenschaftlich die anspruchsvollen Texte. Ausdrucksstark in Gestik und Mimik und in professioneller Begleitung seiner Musikerkolleginnen gelang es ihm, den Abend zu einem besonderen Erlebnis zu machen und die Lust nach mehr zu wecken - auf dass die Tradition des wunderbaren französischen Chansons immer weiter lebe: »Vive la Chanson!« Hans Eder