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»Völlig distanziert und gefühllos«

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Das Geständnis erschien »wie zurechtgelegt«.

Traunstein – Zum Erstaunen eines 46-jährigen Beamten der Kripo Traunstein gestand der 21-jährige Angeklagte im Altenmarkter Mordprozess »völlig distanziert und ohne Gefühlsregung« nach der vorläufigen Festnahme den Mord an seiner 53-jährigen Mutter in allen schrecklichen Einzelheiten. Das berichtete der Polizeizeuge am Freitag vor der Jugendkammer Traunstein als Schwurgericht mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann.


Auf den als Zeugen befragten Polizeibeamten wirkten die damaligen Worte des Angeklagten »wie zurechtgelegt«: »Er hat alles wie am fließenden Band geschildert. Ich war erstaunt und habe gefragt, ob er Drogen genommen hat. Das hat er verneint.«

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Der Sohn soll seine Mutter gemäß Anklage am 15. September 2017 durch einen Biss in den Mund schwer verletzt, sie im Garten zwei Minuten lang gewürgt und später in der Wohnung mit einem Zimmererhammer erschlagen haben (wir berichteten mehrfach). Zuvor soll er versucht haben, der Frau das Genick zu brechen. Nach den Schlägen gegen den Kopf soll er der Sterbenden eine Plastiktüte über den Kopf gezogen haben. Beim Verpacken der Leiche mit Folie, beim Transport per Auto und beim Vergraben der Toten nachts im Wald half dem mutmaßlichen Täter dessen per Telefon herbei gerufener, bester Freund. Der 20-jährige Trostberger hatte seinen Anteil am Geschehen vor Gericht komplett eingeräumt, war allerdings vor etwa vier Wochen vom Vorwurf der »unterlassenen Hilfeleistung« freigesprochen worden (wir berichteten). Der Vorwurf der »Strafvereitelung« wurde damals fallen gelassen, weil der 21-jährige, mutmaßliche Haupttäter bislang nicht wegen einer konkreten Straftat verurteilt ist.

Der 46-jährige Kriminalbeamte und ein Kollege waren am 23. November 2017, einen Tag nach Auffinden der Leiche der 53-Jährigen in einem Waldstück nahe Schnaitsee, Richtung Altenmarkt unterwegs, als die beiden der Funkspruch der Einsatzzentrale erreichte, der VW Polo des 21-jährigen Tatverdächtigen sei auf einer Straße gesichtet worden. Als die Beamten bei dem Sohn eintrafen, war dieser sofort bereit, mit in die Wohnung zu fahren und »alles zu erklären«. Der Zeuge zitierte den Angeklagten: »Ich habe mir das lang überlegt.« Die Polizisten belehrten den auf sie »sehr intelligent« wirkenden 21-Jährigen ordnungsgemäß über seine Rechte. In der Folge legte der Sohn das erste von insgesamt drei identischen Geständnissen vor Polizei und Ermittlungsrichter ab, die im Zug des Verfahrens Basis der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Traunstein wurden.

Zur Verwunderung des Kriminalers nahm der 21-Jährige bei der Vernehmung nie die Worte »Mama« oder »Mutter« in den Mund: »Er hat immer nur von 'sie' gesprochen.« Der Zeuge informierte unter anderem über die Aussage des Sohns im ersten Geständnis: »Ich wollte sie töten.«

Vor der Fahrt zur Dienststelle in Traunstein wollte sich der mutmaßliche Täter noch unbedingt um die Geckos in zwei Terrarien in seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung kümmern. Dazu der 46-Jährige: »Er hat die Tierchen gefüttert, ihnen frisches Wasser gegeben. Er wollte, dass sie versorgt sind.« Zwischendurch versuchten die Polizisten mehrmals, telefonisch den Vater des 21-Jährigen zu erreichen.

Irgendwann rief der Vater zurück und unterbrach umgehend seine Geschäftsreise, um dem Sohn beizustehen, so der Traunsteiner Kripobeamte vor der Jugendkammer. Kurz nach der Tat hatte der Sohn seine Mutter als vermisst gemeldet. Die Suche verlief zwei Monate ergebnislos – bis spielende Kinder im Wald die aus dem Boden ragende Hand der Toten entdeckten.

Ein 27-jähriger Polizist wurde am 23. November 2017 aus dem Raum Rosenheim wegen des VW Polo des Angeklagten ebenfalls nach Altenmarkt beordert. Der 21-Jährige empfing die Beamten mit der Bemerkung, er wisse schon, worum es gehe. Er habe jederzeit damit gerechnet, festgenommen zu werden, und sei froh, die Sache endlich seinem Vater erzählen zu können. Dieser wisse bisher nichts.

Auf der Zeugenliste stehen am 11. Januar Personen aus dem Umfeld des Mordopfers, am 28. Januar der Geschäftspartner des 21-Jährigen. Den Vater, eigentlich Stiefvater des in Südamerika geborenen Angeklagten, will das Schwurgericht am 15. Februar anhören. Seine Vernehmung wird – wie der gesamte Prozess – unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen.

Die Stellungnahmen von Michaela Traud, Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, sowie des psychiatrischen Sachverständigen Dr. Alexander Rieger aus München sind für 19. beziehungsweise 20. Februar anberaumt. Mit den Plädoyers von Staatsanwalt Markus Andrä sowie der Verteidiger, Dr. Adam Ahmed aus München und Dr. Herbert Buchner aus Traunstein, wird am 22.  Februar gerechnet. Das Urteil soll nach derzeitigem Terminplan noch am gleichen Tag verkündet werden. kd