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Vogelwuid mit dem »Vogelmayer«

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Vollen Einsatz zeigte der niederbayerische Musiker, Sänger und Kabarettist »Vogelmayer« bei seinem Auftritt in der Grabenstätter Theater-Strickerei. (Foto: Müller)

Mit einigen Minuten Verspätung betrat der niederbayerische Musiker, Sänger und Kabarettist »Vogelmayer« – eigentlich Thomas Mayer – die Bühne der Grabenstätter Theater-Strickerei, doch das hatte seinen guten Grund: Nach seiner mehrstündigen kraftraubenden Anreise aus dem Bayerischen Wald musste sich der 35-jährige Straubinger erst einmal mit einer Pizza stärken, um dann nach erfolgreicher Akklimatisierung mit seinem waidlerisch-südländischen Temperament und seinem neuen Programm »Dahoam« loszulegen.


Zunächst war der »Vogelmayer« ungewollt im sanften Scheinwerferlicht nur in Umrissen erkennbar, doch das sei nicht schlecht, denn »dann könnt ihr euch schon einmal langsam an meinen Anblick gewöhnen«, witzelte er, nachdem er die letzten Pizzastücke hastig hinuntergeschlungen hatte.

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Der »Vogelmayer« setzt auf Angriff

Was sein scharfzüngiges, offen und ehrliches zünftiges bayerisches Musikkabarett anbelangt, war der »Vogelmayer« zum Glück unersättlich – zuvor musste er aber noch testen, ob »einige Preißen oder DDRler« anwesend waren, die er oft und gerne satirisch aufs Korn nimmt. Dies war nicht der Fall und so setzte die »Vollblut-Rampensau« von Anfang auf Angriff und reihte eine Spitze und Pointe an die andere.

Was für eine gelungene Mischung aus Show, Gesellschaftskritik und Heimatverbundenheit, gekonnt verpackt in selbst komponierten Liedern, Witzen, Geschichten und Wortspielen und das mit garantiertem Spaßfaktor, aber auch Hintergründigem zum Nachdenken – ein Programm für Hirn, Herz und Humor.

Nach dem mitreißenden musikalischen Auftakt »Vogelmayer 1,2,3« ließ er seine Hits »Geid«, »Die Wahl«, »Es draht se de Weit«, »Dahoam«, »Da Waidler«, »Der schwarz-weiße Ritter« und »I griaß alle …« folgen. Dabei klatschte und sang das Publikum mit, was das Zeug hielt. Den »U-A-Rap« intonierten die Besucher so gut, dass Improvisationskünstler »Vogelmayer« voller Begeisterung zusicherte: »Wenn ich mal eine Live-CD mache, dann komme ich zu euch.« Vor den Zugaben »Habt's scho' lang vergessen?« und »Unser Weit« blieb er aus leidvoller Erfahrung bewusst auf der Bühne, denn: »I hab's scho erlebt, dass die Besucher weg waren, als ich zurückkam.«

Nach der Wahl ist vielleicht auch vor der Wahl

Der »Vogelmayer« ist einer, der sich als mündiger Bürger oft und gerne einmischt, kritisch zu Wort meldet, unbequem ist, sich nicht scheut, anzuecken und auch über sich selbst lachen kann, das alles macht ihn so authentisch und sympathisch. Wer nicht zur Wahl gehe, dürfe sich dann auch nicht beschweren, wenn es schlecht laufe, so »Vogelmayer«. Sein Wahlaufruf passe zwar so kurz nach der Bundestagswahl nicht so gut, aber »vielleicht könnt ihr in ein paar Wochen eh schon wieder wählen«, ließ er mit einem Grinsen verlauten und manch einer dürfte es bedauert haben, dass es noch keine »Vogelmayer-Partei« gibt.

Weil der »Vogelmayer« in Grabenstätt gar so gut ankam, sicherte er den »Machern« der Theater-Strickerei sogleich zu, dass er im Frühjahr wiederkommen werde – der Termin steht bereits fest: Der Auftritt ist für den 7. April 2018 geplant. »Dahaom is koa Ort, dahoam is a Gefühl«, meinte Vogelmayer und es war offensichtlich, dass er sich an diesem Abend in Grabenstätt sehr zuhause gefühlt hat. Markus Müller