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Volkskrankheit Krampfadern

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Einen eindeutigen Aufschluss über den Zustand der oberflächlichen und der tiefen Venen gibt, laut Dr. Volker Kiechle, die schmerzfreie Ultraschall-Duplexsonografie. (Foto: Ralf Reuter)

Rund 30 Prozent aller Deutschen werden im Laufe ihres Lebens mit ihnen konfrontiert, manche schon in jungen Jahren, die meisten aber mit zunehmendem Alter: Varizen, im Volksmund Krampfadern genannt. Dass die dauerhaft erweiterten oberflächlichen Venen nicht nur ein optisches Problem sind, sondern unbehandelt zu schweren gesundheitlichen Komplikationen führen können, betont anlässlich des Deutschen Venentages am heutigen Samstag Dr. Volker Kiechle, Chefarzt der Gefäßchirurgie am Klinikum Traunstein und an der Kreisklinik Bad Reichenhall.


Wer muss am ehesten damit rechnen, Krampfadern zu bekommen?

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Dr. Kiechle: Es gibt eindeutig eine erbliche Komponente für Krampfadern, die sich dann früher niederschlägt, wenn es zu Schwangerschaften gekommen ist oder ein stehender Beruf ausgeübt wird. Auch zunehmendes Alter begünstigt die Krampfaderentstehung.

Und wie entstehen Krampfadern?

In sämtlichen Beinvenen fließt das Blut normalerweise in Richtung Herz, also gewissermaßen »bergauf«. Eine wichtige Rolle spielen dabei die im Veneninneren befindlichen Klappen, die den Blutstrom nach oben »dirigieren«. Krampfadern sind oberflächliche Venen, die sich im Laufe der Zeit erweitert haben. Ausgangspunkte sind meist die langstreckigen Stammvenen an der Oberschenkelinnenseite und an der Wade. Deren Erweiterung hat zur Folge, dass die genannten Venenklappen nicht mehr ordnungsgemäß schließen. Das Blut versackt dann in Richtung der Füße. In der Folgezeit erweitern sich dann kleinere Seitenäste und es entsteht das typische Krampfaderbild.

Und dies führt zu Symptomen?

Es kann zu verschiedenen Symptomen kommen, nämlich zum Beispiel zu dem Gefühl eines schweren Beines oder zu abendlichen Schwellungen. Manche Menschen spüren auch ein ziehendes Gefühl im Bein oder einen Juckreiz. Vielfach ist der Betroffene jedoch beschwerdefrei.

Oft ist auch die Optik der Krampfadern ein Problem, oder?

Dass die erweiterten, geschlängelten Venen niemandem gefallen, ist verständlich. Das gilt bereits für ihre kleinen Ableger, die harmlosen Besenreiser. Während es hier um ein kosmetisches Anliegen geht, müssen Krampfadern wirklich ernst genommen werden.

Was kann passieren, wenn Krampfadern nicht behandelt werden?

Dann kann es zu einem bösen Geschwür kommen, das sich durch eine Verfärbung und Verhärtung der Haut ankündigt. Oberflächliche Krampfadern können schon bei kleinen Verletzungen aufplatzen und stark bluten, was für die Betroffenen sehr unangenehm ist. Krampfadern können sich schmerzhaft entzünden. Außerdem besteht die Gefahr, dass mit der Zeit die eigentlich zunächst gesunden tiefen Venen überlastet werden. Dies kann zu Venenthrombosen oder gar gefährlichen Lungenembolien führen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn eines der oben beschriebenen Symptome eintritt, besonders achtsam sollten dabei natürlich genetisch Vorbelastete sein. Auch ohne Beschwerden haben die Menschen meist ein gutes Gefühl dafür, wann sie beim Arzt vorstellig werden sollten. Oft gibt die optische Problematik Anlass zur Untersuchung.

Wie erfolgen Diagnose und Behandlung?

Einen eindeutigen Aufschluss über den Zustand der oberflächlichen und der tiefen Venen gibt die schmerzfreie Ultraschall-Duplexsonografie, wie wir sie in unseren Venensprechstunden anbieten. In Abhängigkeit vom Untersuchungsergebnis wird dann mit dem Patienten das weitere Vorgehen besprochen. Vielleicht geht es nur um eine Verödung der Besenreiser. Oder der Patient will erst einmal nur Kompressionsstützstrümpfe tragen. Dies bringt meist zwar Linderung, löst das eigentliche Problem allerdings nicht.

Vor einer Krampfadern-Operation muss sich aber heute niemand mehr fürchten?

Nein, das sind heutzutage kleinere, teils ambulante Eingriffe mit sehr geringen Komplikationen und guten Heilungschancen. Wir bieten, individuell auf den Patienten zugeschnitten, drei OP-Methoden an: Erstens das sogenannte Stripping, bei dem die betroffene Stammvene gezogen wird, eine bewährte Methode. Zweitens die Verödung mittels Radiowellen, hierbei wird die Stammvene mit einer Sonde von innen durch Wärmeenergie »verlötet«, ein Verfahren, das für den Patienten besonders schonend ist. Für leichtere Fälle, insbesondere jüngere Patienten, bietet sich das Manschettenverfahren an, das auf den Erhalt und die Erholung der Vene setzt. Die Stammvene wird dabei umhüllt und ihr Durchmesser verkleinert, damit die Venenklappen wieder funktionieren können. Bei jeder dieser Methoden werden anschließend die erweiterten Seitenäste über winzige Schnitte minimal-invasiv entfernt, um auch ein optimales kosmetisches Ergebnis zu erzielen. Nach der Operation sollte für zwei bis sechs Wochen ein Kompressionsstrumpf getragen werden. Bjr