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Volksmusikschiff auf dem Chiemsee feierte Jubiläum

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Die Geschwister Ertl waren aus dem Tölzer Land an den Chiemsee gekommen.

Zum 30. Mal in Folge organisierte Marlene Anner von der Priener Tourismusgesellschaft in Zusammenarbeit mit Siegi Götze ein »Volksmusikschiff« auf dem Chiemsee. Dabei wird in allen Schiffsräumen abwechselnd gesungen und musiziert.


Nahezu alle renommierten Gesangs- und Musikgruppen des Bayerisch-Österreichischen Alpenraumes waren bereits unter den Mitwirkenden auf den »Schiffsplanken der »Edeltraud«. Das heißt, dass seit dem Jahr 2000 etwa 220 verschiedene Gesangs- und Musikgruppen an den Chiemsee gekommen sind, um die Freunde gediegener, traditioneller Volksmusik zu erfreuen, fernab vom Ufer und den Alltagssorgen unserer Zeit.

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Siegi Götze als Sprecher bedankte sich deshalb im Namen aller Zuhörer ausdrücklich bei der umsichtigen Organisatorin für diese »Herkulesarbeit« in Sachen Volkskultur, die ihr mittlerweile in der gesamten »Volksmusikszene« Hochachtung und einen guten, klingenden Namen eingebracht hat. Ferner galt sein Dank auch Michael Fessler, der einmal mehr unter den Zuhörern weilte.

Den weitesten Weg hatten diesmal die »Schlafhaum Buam« aus dem Schneeberggebiet in Niederösterreich, nahe Wien, jenem Gebiet also, in dem der legendäre »Kiem Pauli« zum ersten Mal die Dreistimmigkeit im Volksliedgesang kennenlernte und ihn mit nach Bayern brachte. Fast 500 Kilometer einfache Fahrt nahmen die fünf Sänger in Kauf, um zum zweiten Mal mit auf dem Volksmusikschiff dabei zu sein und ihren wohltemperierten, sonoren Gesang mit ausgesucht feinen, landestypischen Jodlern einem sach- und fachkundigen Publikum zu präsentieren. Der eher seltene Gruppenname »Schlafhaum Buam« rührt daher, dass im kältereichen Schneeberggebiet die Haube unter dem Hut und sogar zum Schlafengehen zumindest in früherer Zeit zur alltäglichen Bekleidung der männlichen Bevölkerung gehörte.

Ebenfalls zum zweiten Mal war die »Wabach Musi »mit von der Partie, diesmal mit Thomas Eibl für Korbinian Wühr personell leicht verändert. Die vier jungen Burschen um Martin Geisreiter aus Siegsdorf spielten ihre Polkas, Landler Lieder und Weisen »frisch von der Leber weg«. Mit »Rass« und »Schmiss« gaben sie auch einige Gesangseinlagen zum Besten, für die sie kräftigen Sonderapplaus kassierten.

Die »staaderen« und moderateren Töne des Abends kamen von den Geschwistern Ertl aus dem Tölzer Land. Die drei Schwestern singen seit ca 40 Jahren miteinander, befanden sich trotzdem aber erstmals unter den Mitwirkenden auf der »Edeltraud«. Mit viel Feingefühl von Roman Messerer, dessen Frau Daniela und Hubert Blaser als die Eglhartinger Stubnmusi begleitet, spannte sich der Liederbogen vom freien Schützenleben in den Bergen bis zum nachdenklich stimmenden »Halmerl wiag di«, das an die Endlichkeit jedes Daseins erinnert. Dem Vorstand des Baierischen Alpenländischen Volksmusikvereins, Roman Messerer an der Zither, galt im Verlauf des Abends auch die ausdrückliche Gratulation zur kürzlich erfolgten Ehrung, die seine Vereinigung durch den Bayerischen Finanz- und Heimatminister Markus Söder in der Münchner Residenz für wertvolle Volkskulturarbeit im Freistaat erhalten hat.

Hubert Tröbinger, Traudl Tröbinger und Renate Seiml als Rainbacher Dreigesang aus dem »Oberösterreichischen Mühlviertel« stammend, gehören mittlerweile auch in unseren Breitengraden zu den »Wunschgruppen« jedes Veranstalters. Etwa 250 Kilometer vom Bayerischen Meer entfernt zuhause erfreute diese Gesangsformation ein weiteres Mal mit ausgesucht landschaftstypischem – und jahreszeitbezogenen Liedgut, vorgetragen in anheimelnd mild tönender Mundart ihrer Herkunftsregion. Die Lieder »Übern See konn i net ummischwimma« und »D’ Sunn hat si staad übern Beri draaht« beschrieben die Drei exakt die hereinbrechende Abenddämmerung am Chiemsee.

Als würdige Vertreter von Chiemgau und Rupertiwinkl erwiesen sich neben der jungen »Wabach Musi »noch die seit vielen Jahren eher still und moderat agierende »Ottinger Klarinettenmusi« aus der Gegend von Waging. Mit drei Klarinetten, Diatonischer Harmonika, Harfe und Streichbass boten diese Vollblutmusikanten zum einen Musik zum Zurücklehnen und Genießen, aber auch für den »Tanzfuß«. Für sie war es der erste Auftritt auf dem »Volksmusikschiff«. Ihre Landler und Halbwalzer, temperiert feinnervig und dann wieder flott und mitreißend, ließen vielfach den Wunsch nach einer Zugabe aufkommen, am Ende bedacht von reichlich Beifall.

Nicht wenige Schiffspassagiere und auch die Mitwirkenden waren sich am Ende einig darüber, dass das Volksmusikschiff zwischenzeitlich zu einer echten Erfolgsgeschichte geworden ist. fb

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