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Volkstümliche Salonmusik auf höchstem Niveau

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Links das Duo der Stoabergmusi, rechts die vier Mitglieder der Salonboarischen. (Foto: Heel)

Bei ihrem letzten Konzert in der Traunsteiner Kulturfabrik haben sie ihr Album »Ois Chicago« vorgestellt, eine famose Sammlung von Eigenkompositionen und einigen adaptierten Melodien. Jetzt waren die »Salonboarischen« erneut zu Gast im NUTS, leider ohne neues Album im Gepäck, dafür aber mit Verstärkung in Form von Peter und Traudi Vordermaier, zwei Mitgliedern der Stoaberg Musi.


Die beiden begnadeten Ziachspieler eröffneten das Konzert auch, und zwar mit der »Holzrichter-Polka«, der Erkennungsmelodie der TV-Aufführungen des Chiemgauer Volkstheaters. Ebenso flott und munter ging es weiter, wobei die zwei Ensembles mal solo und mal zusammen spielten. Das Ergebnis war ein spannender Mix aus traditioneller und moderner, schwungvoller und feinfühliger (Volks)Musik, bei dem vom Landler bis zum Tango, vom Musettewalzer bis zu Filmmelodien, von Marschmusik bis zum Csárdás, alles drin war, was sich ein Publikum nur wünschen kann, stilsicher arrangiert und virtuos gespielt.

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Etwas anderes war auch nicht zu erwarten, wenn man sich die Vorgeschichte der Musiker anschaut. So begann Peter Vordermaier, 1965 in Rosenheim geboren und gelernter Schmied, bereits im Alter von acht Jahren seine musikalische Laufbahn als Akkordeonist, mit frühen Auftritten in den USA und in Südamerika. Und auch seine Ehefrau Traudi, 1975 in Altötting geboren, bekam schon als Kind Akkordeonunterricht und ist heute, nach einem Zwischenspiel als Justizbeamtin, als Musiklehrerin tätig. Bestens aufeinander abgestimmt und mit sichtlicher Freude am Spiel, begeisterten sie u. a. mit dem »Kuckuckswalzer« und dem »Florentiner Marsch«, aber auch mit etlichen Eigenkompositionen sowie Stücken aus dem Spielgut von Peter Posch.

Aber auch die »Salonboarischen« präsentierten sich an diesem Abend wieder in Höchstform. Angeführt wird das Quartett von Hermann Huber (steirische Harmonika, Klarinette), geboren 1961 in Ainring und mittlerweile seit gut 30 Jahren als Akkordeonspieler und Klarinettist im bayerisch-österreichischen Alpenraum unterwegs. Er war bereits zwei Mal Weltmeister auf der steirischen Harmonika und arbeitet derzeit als Musiklehrer an der Musikschule Inzell. Auf seine Initiative hin entstand auch das Quartett »fesch & resch«, die Vorgänger der »Salonboarischen«.

Kongenial begleitet wurde Hermann Huber dabei von drei Spitzenmusikern mit recht unterschiedlichem Werdegang. So erhielt Eva Fenninger (Harfe, Gesang), die aus Kirchstein kommt, ihren ersten Musikunterricht mit 5 Jahren auf der Blockflöte. Dann erst folgten Hackbrett und Harfe. Zoltan Laluska (Geige, Gesang) wurde in Ungarn geboren. Im Alter von acht Jahren begann er mit dem Geigenspiel, ab 1994 studierte er an der Béla Bartók Spezial Mittelschule für Musik in Budapest. Derzeit ist er Konzertmeister des Johann Strauß Orchesters Salzburg und spielt bei vielen Konzertveranstaltungen in ganz Europa.

Ingo Nagel (Kontrabass, Geräusche) startete seine musikalische Karriere als Heavy Metal Bassist in München. Nach dem Studium der Musikwissenschaften in München kam er zum Kontrabassstudium nach Salzburg, im Anschluss an das Konzertdiplom spielte er bei der Bad Reichenhaller Philharmonie und ist nun als freischaffender Musiker bei den »Salonboarischen« dabei.

Perfekt aufeinander eingespielt und mit sympathisch lockerem Habitus, legten sie los mit »A Media luz«, einem Bauerntanz aus Argentinien, gefolgt von »Pour ma cherie Andrea«, einem Musettewalzer, und »Massl g’habt/Masel tov«, einem der ersten Stücke, die sie für sich gefunden und ausgearbeitet haben. Sehr gut gefiel auch die Titelmelodie aus der TV-Serie »Irgendwie und sowieso« und ein kleines Potpourri ungarischer Tanzweisen, von Zoltan Laluskas furiosem Geigenspiel angefeuert.

Zwischendurch überraschte Eva Fenninger als Sängerin und präsentierte mit »I draam a bisserl vor mi hi« eine beeindruckende, selbst getextete Version von »Dream A Little Dream Of Me«, und zum Schluss durfte das Publikum, angeleitet von Traudi Vordermaier, sogar ein bisschen mitjodeln. Kurzum: Ein absolut großartiges Konzert, das mit verdient stürmischem Beifall belohnt wurde. Wolfgang Schweiger