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Aufführung des Jugendtheaterstücks »Tschick« vor Schulklassen im k1

Voll cool unterwegs

Mit seinem preisgekrönten Jugendroman »Tschick« landete der Berliner Schriftsteller und Zeichner Wolfgang Herrndorf (1965 bis 2013) im Jahr 2010 einen Überraschungserfolg. Herrndorf erzählt darin die Geschichte zweier Achtklässler, zweier ungleicher Außenseiter, die sich in den ersten Tagen ihrer Sommerferien mit einem gestohlenen Lada von Berlin aus auf den Weg in die Walachei machen und dabei allerhand Abenteuer erleben.

Unser Bild zeigt Jakob Ellenwenger als Maik (links) und Sebastian Martin Rehm als Tschick. (Foto: Heel)

Aufgeführt vom Schauspielhaus Salzburg, stand nun eine Bühnenfassung des Romans auf dem Programm des Traunreuter k1, zu der Schüler der neunten und zehnten Klassen an den Realschulen und Gymnasien in Traunreut und Traunstein sowie der Montessori Schule Traunstein eingeladen waren. Als Erzähler fungierte dabei Maik, gespielt von Jakob Ellenwenger, einer der beiden Protagonisten. Und dieser Maik hat es nicht leicht, wie er gleich zugibt. Nicht nur, dass er keine Freunde hat und sich selber für sterbenslangweilig hält, auch seine Eltern sind zum Davonlaufen. Sein Vater, ein Geschäftsmann, ist pleite, und seine Mutter Alkoholikerin. Und zu allem Überfluss ist da noch seine Mitschülerin Tatjana, in die er heimlich verliebt ist, die ihn aber nicht beachtet.

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Und jetzt stehen auch noch die Sommerferien vor der Tür, die er ganz allein zuhause in der elterlichen Villa verbringen soll, nachdem seine Mutter mal wieder auf Entziehungskur musste und sein Vater die Gelegenheit genutzt hat, um mit seiner »Assistentin« zu verreisen. Da kommt ihm sein russisch-stämmiger Klassenkamerad mit dem Spitznamen Tschick (Sebastian Martin Rehm) gerade recht, der unvermutet mit einem gestohlenen Auto auftaucht und Maik vorschlägt, mit ihm in die Walachei zu fahren, wo sein Großvater lebt.

Und so nimmt eine abenteuerliche Fahrt ihren Anfang, von der Regie so geschickt umgesetzt und eingerichtet, dass ein richtiges Road-Movie abläuft, mit unerwarteten Begegnungen, viel Situationskomik und manch echter Herausforderung. Etwa dann, wenn die zwei auf einer Müllkippe von der burschikosen Isa angegangen werden, oder sie in einer verlassenen Ortschaft auf einen verwirrten, aber leider auch bewaffneten Altkommunisten stoßen.

Ein Unfall beendet ihre Reise, aber nicht ihre dabei entstandene Freundschaft. Denn als Maik bei der darauffolgenden Gerichtsverhandlung auf Drängen seines Vaters die ganze Schuld auf Tschick schieben soll, weigert er sich, zumal er sich mitschuldig wähnt. Maik wird zur Ableistung einer gemeinnützigen Arbeit verurteilt, Tschick zum Verbleib in dem Heim, in das man ihn nach ihrer Reise gebracht hat.

So überzeugend, wie schon Wolfgang Herrndorf die Geschichte zu Papier gebracht hat, war auch die Inszenierung, das unangestrengte, beiläufige Ansprechen von Themen wie Freundschaft, erste Liebe und Erwachsenwerden, verpackt in eine irre-komische, aber auch nachdenklich stimmende Handlung. Zumal auch die Akteure, Jakob Ellenwenger und Sebastian Martin Rehm sowie Anthony Connor (Vater), Susanne Wende (Mutter) und Anna Frommann (Isa), zu überzeugen wussten und ihre Rollen mit Pfiff und Elan füllten. Wolfgang Schweiger