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Vollen Service in Anspruch genommen, aber nicht gezahlt

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Eine hohe Hotelrechnung prellte eine 43-Jährige – deswegen musste sie vor Gericht. Foto: dpa

Traunstein – Den vollen Service eines Hotels nahm eine 43-jährige Hartz-IV-Empfängerin im August 2017 in Anspruch – vom Champagner in der Suite bis zu Sauna und Spa, von der Garage bis zu Hundehalsband samt Leine. Sogar die Kurtaxe von 55 Cent pro Tag landete auf der – bis heute weitgehend unbezahlten – Rechnung in Höhe von knapp 7200 Euro. Das Amtsgericht Traunstein mit Richter Christopher Stehberger stellte das Verfahren auf Antrag von Staatsanwältin Lisa Oesterle per Beschluss ein – mit Blick auf eine bereits rechtskräftige Verurteilung der mehrfach vorbestraften Frau durch das Amtsgericht Göppingen.


Gegen die 43-jährige Pforzheimerin war im November 2019 wegen ganz anderer Vorwürfe eine 13-monatige Bewährungsstrafe mit spürbarer Geldauflage verhängt worden. Die Slowakin ließ über ihren Anwalt alle Vorwürfe als zutreffend einräumen. Demnach wollte sich die 43-Jährige mit ihrem minderjährigen Sohn nach »schwerer Zeit eine Auszeit gönnen«. Der Verteidiger betonte, seine Mandantin habe die Rechnung nie schuldig bleiben wollen und gedacht, ihr Konto verfüge über die notwendige Deckung.

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Die 43-jährige kreuzte am 21. August 2017 in dem namhaften Hotel in der Gemeinde Chieming auf und blieb bis 1. September 2017. Während ihres Aufenthalts nutzte sie eine Vielzahl der angebotenen Leistungen. Sie bezog mit Sohn und Hund eine laut Geschäftsführer zur Hauptreisezeit pro Nacht 600 Euro teure Luxussuite samt Dampfbad, Whirlpool und eigenem Eingang, die in der Nebensaison immer noch etwa 340 Euro je Nacht kostete. Die Angeklagte ließ es sich gut gehen, besuchte Hotelbar, Restaurant, Sauna, Spa, Golf- und Tennisklause, bediente sich an der Minibar, orderte mehrmals Champagner und Trüffel. Auch Telefongespräche, die Kurtaxe und die Gebühr für das »Haustier« landeten auf der Rechnung.

Das Hotel wollte die 7197,76 Euro beim Auschecken der 43-Jährigen kassieren. Ihr Versuch, den Betrag bei einer Bank aus dem Geldautomaten zu holen, scheiterte – offensichtlich mangels Kontodeckung. Der Geschäftsführer verständigte daraufhin die Polizei. Der frühere Freund der Slowakin, der nur eine Nacht in der Suite verbracht hatte, hob von seinem Konto 1000 Euro ab und unterschrieb zusammen mit der Frau ein Schuldanerkenntnis. Von den restlichen rund 6200 Euro hat das Hotel bislang keinen Cent gesehen.

In der Beweisaufnahme wurden der Betrugsfall und seine Hintergründe kompliziert und verwirrend. Die Frau und ihr früherer Lebensgefährte, auch Vater des gemeinsamen Kindes, hatten sich im August 2017 nach sechs Jahren getrennt. Um einen Teil seines Geldes aus dem Verkauf eines Hauses vor dem Insolvenzverwalter zu retten, hatte er die damalige Noch-Freundin gebeten, ein Konto in Göppingen auf ihren Namen zu eröffnen. Der Ex-Freund berichtete von viel Streit um die darauf deponierten gut 150 000 Euro, auch vor Gerichten, und behauptete, von ihr betrogen worden zu sein. Er stehe da »wie ein begossener Pudel«.

Die mittellose 43-Jährige bezichtigte ihn, das Geld abgeräumt zu haben, willigte aber gleichzeitig später in einen zivilrechtlichen Vergleich ein, wonach sie ihm noch 110 000 Euro schulde. Nach ihren Angaben vor dem Amtsgericht hätten ihr von den über 150 000 Euro rund 20 000 Euro zugestanden – was der Zeuge energisch verneinte. Die Slowakin hob in Göppingen mehrmals hohe Barbeträge ab. Zusammen kaufte das Paar einen Mercedes für 25 000 Euro. Gut eine Woche vor der Fahrt nach Bayern waren laut Bank noch 65 000 Euro auf dem Konto, am Tag des Eincheckens 10 000 Euro. Zum Verbleib dieses Geldes erklärte die Angeklagte, davon habe sie 7000 Euro für einen Privatdetektiv aus Traunstein gebraucht, der sie im Hotel »schützen« sollte – wovor, wurde in dem Prozess nicht klar. Für die restlichen 3000 Euro habe sie »gegessen, getrunken und eingekauft«, so die Pforzheimerin. Dann jedoch habe die Karte nicht mehr funktioniert – wohl, weil der Ex das Konto habe sperren lassen. Sie bat ihn Ende August 2017 zu einer Aussprache in das Hotel. »Als ich kam, war der Detektiv da. Wochen später wollte er dann von mir 2000 bis 3000 Euro, weil ihn die Angeklagte nicht bezahlt hat.« Wo die über 150 000 Euro geblieben seien, wisse er nicht: »Ich habe keine Ahnung. Da müssen Sie sie fragen.«

Bei diesem Stand brach das Gericht die Hauptverhandlung ab und entschied, das Verfahren ohne Urteil zu beenden. Verteidiger Mathias Bürckle aus Pforzheim war einverstanden. Der jetzige Prozess hätte laut Richter Christopher Stehberger im Fall eines Schuldspruchs eine nur unerheblich höhere Gesamtstrafe erbracht. Zudem hätten angesichts widersprüchlicher Aussagen der Angeklagten und ihres früheren Lebensgefährten Nachermittlungen erfolgen müssen – die vielleicht sogar zu einem Freispruch der 43-Jährigen hätten führen können. kd