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Vollendet gelebte Kammermusik

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Das »Novus String Quartet« beim Konzert im Preysingsaal von Schloss Hohenaschau. (Foto: Erkes)

Schon vor einiger Zeit hat die Künstlerinitiative »Art but fair« die Arbeitsbedingungen für Musiker bei den Salzburger Festspielen scharf moniert. Offenbar hat sich nicht viel geändert. Selbst heimische Veranstalter aus der Region sind davon betroffen, so auch das Aschauer Kammermusik-Festival Festivo. Jedenfalls gab es im Vorfeld des großen Quartett-Abends am Sonntag im Preysingsaal auf Schloss Hohenaschau gewaltige Probleme.


Ursprünglich hätte nicht das »Novus String Quartet« gastieren sollen, sondern das« Cuarteto Casals«. Weil aber die Casals-Musiker in diesem Jahr auch bei den Salzburger Festspielen auftreten, griff eine vertragliche Klausel. Wie zu hören ist, dürfen demnach Musiker und Ensembles drei Monate vor und nach einem Gastspiel in Salzburg im Umkreis von 300 Kilometern nicht woanders konzertieren.

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Süddeutschland, Österreich und die deutsche Schweiz sind das Herz der internationalen Klassik-Szene. Das Dreieck zwischen München, Innsbruck und Wien ist weltweit die reichste Region an Konzertreihen und Festivals. Wer Musikern zur besten Zeit des Klassik-Jahres die Möglichkeit nimmt, hier umfassend zu konzertieren, verhängt faktisch ein Berufsverbot.

Immerhin blieb dies für Festivo folgenlos. Die jungen Südkoreaner des »Novus String Quartet« aus München waren nicht einfach ein Ersatz für das »Cuarteto Casals«, sondern stemmten einen Kammerabend der allerersten Güte. Mustergültig haben Jae-Young Kim und Young-Uk Kim (Violinen) sowie Seung-Wong Lee (Viola) und Woong-Whee Moon (Cello) eine zeitgemäße kammermusikalische Haltung gelebt.

Statt mit dem Wackelfinger ein romantisierendes Dauervibrato zu zelebrieren, wurde dieses Mittel ganz gezielt und dosiert zur Klanggestaltung eingesetzt – bis hin zum vollständigen Verzicht. Noch dazu war ein wahrlich gleichberechtigtes, ausgeglichenes Musizieren »auf Augenhöhe« zu erleben, in dem auch die erste Geige Teil des Gemeinschaftlichen ist. Dabei gelang es den Musikern, selbst dem bekannten Streichquartett op. 127 von Beethoven eine eigene Perspektive abzuringen.

Ausgesprochen klangsinnlich und mit entschlackter Klarheit hob schon die Maestoso-Einleitung an, um das »Molto cantabile« des langsamen Satzes stilsicher zu reflektieren. Nichts schleppte hier, die Tempi waren fließend und bewegt gewählt. Und wo sonst gerne das Dauervibrato regiert, erwuchs ein schnörkellos reiner Klang. Dieses Adagio markierte indessen nur einen Höhepunkt eines großen Abends.

Wie ein Seufzer-Motiv zog sich zuvor im Streichquartett op. 41, Nr. 3 von Robert Schumann der charakteristische Fall der Quinte durch das Werk – stets mit neuem Ausdruck und klangschöner Färbung. Dabei verriet das lyrisch-sinnliche Profil der vier Novus-Musiker, dass sie ihr Handwerk auch bei dem in der Region heimischen Bratschisten Hariolf Schlichtig und bei Christoph Poppen gelernt haben.

Schlichtig und Poppen haben seinerzeit mit ihrem Cherubini-Quartett unvergessene Schumann- und Mendelssohn-Aufnahmen realisiert. Als Inspiration waren sie beim Festivo-Gastspiel der Novus-Musiker durchaus präsent. Der Quartettsatz D 703 von Franz Schubert läutete den Abend dramatisch ein. Großer Beifall und als Zugabe ein koreanisches Volkslied: Diese vier Musiker möchte man gerne wieder bei Festivo erleben. Marco Frei