Volles Programm bei Mitgliederversammlung des Bund Naturschutz

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Mitgliederversammlung des Bund Naturschutz (v.l.): 1. Vorsitzende Rita Poser, Dr. Wolfgang Scherzinger, Andreas Burkhardt, Peter Renoth, Dr. Ernst Billmeier, Monika Woelfel, Schriftführerin Gudrun Lahner, Schatzmeisterin Ute Billmeier, Erich Prechtl, Peter Wörnle, Dr. Volker Diersche. (Foto: Paul Grafwallner)

Bad Reichenhall – Nach einjähriger Pause war ein volles Programm bei der gemeinsamen Mitgliederversammlung der Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz und der Ortsgruppe Bad Reichenhall geboten. Die Aktivitäten der Kreisgruppe in den vergangenen zwei Jahren konzentrierten sich vor allem auf Mängel beim Planungsverfahren am Götschen, das Watzmannhaus, die geplanten Wasserkraftwerke in der Saalach, der Ramsauer und Bischofswieser Ache sowie auf Vorhaben auf der Reiteralm.


Kreisvorsitzende Rita Poser wurde einstimmig wiedergewählt. Dr. Michael Wittmann übernahm von Ute Billmeier den Ortsvorsitz.

Die Ereignisse der letzten Wochen haben auf dramatische Weise gezeigt, wie sich der Klimawandel auf die Wetterereignisse auswirkt und welch verheerende Wirkungen das auf alle Lebensbereiche hat. Trotzdem geht es vor allem um die Frage des Wirtschaftswachstums. Hier hatte Dr. Michael Wittmann in seinem Beitrag den Holzeinschlag bei den Bayerischen Staatsforsten kritisiert, der das Ziel hat, die Holzerzeugung möglichst zu steigern. »Erst nach Jahrzehnten wird der Verlust eines gefällten Baumes durch die nachwachsenden Bäume wieder ausgeglichen, aber wir können mit dem Klimaschutz nicht mehr Jahrzehnte warten, sondern es muss jetzt umgesteuert werden«, sagte Wittmann.

Als Beispiel nannte man das »gigantische Hotelprojekt am Königssee«, für das aktuell die Normenkontrollklage zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz vorbereitet wird. Die Petition an den Bayerischen Landtag war gescheitert, wobei die schriftliche Antwort noch aussteht. Kreisvorsitzende Rita Poser zeigte anhand zweier Kartenausschnitte des Landkreises, in welche Projekte die Kreisgruppe mit Unterstützung der zuständigen Ortsgruppen und aktiven Naturschützer involviert ist. Die Häufung der roten Punkte im südlichen Landkreis sei Zeichen für die zunehmende Verbauung in landschaftlich besonders attraktiven Lagen sowie für den Ansturm der Touristen auf den Alpenraum. Mehrere Projekte wie zum Beispiel das Wasserkraftwerk am Felsentor in der Ramsau verfolgt den BN schon seit 2005. Aktuell läuft dazu das nächste Planfeststellungsverfahren.

Ähnlich sieht es beim Schachtkraftwerk am Luitpoldwehr in Bad Reichenhall aus. Hier klagt der BN zusammen mit dem Landesfischereiverband. »Von außen betrachtet, könnte man meinen, durch das Volksbegehren zum Artenschutz laufen viele Dinge jetzt besser. Aber wie ein ganz aktuelles Beispiel am Steig zur Höllenbachalm zeigt, werden entlang von Wanderwegen in kartierten Biotopen die Ränder abgemäht und das Mähgut mit Laubbläsern vom Weg verblasen«, kritisierte Rita Poser. Dass die Blühpflanzen von Insekten und Schmetterlingen als Nektarweiden und Futterpflanzen für den Nachwuchs dringend benötigt werden, spiele dabei offensichtlich keine Rolle. Die 2. Bürgermeisterin der Stadt Bad Reichenhall, Anja Winter, versprach, der Angelegenheit nachzugehen.

Ein wichtiger Themenschwerpunkt in Bad Reichenhall ist die jährliche Amphibienaktion bei der Fischzucht. Wie Ute Billmeier informierte, konnte die Zahl der überfahrenen Tiere durch verbessertes Zaunmaterial deutlich verringert werden, gleichzeitig ist aber auch ein gewisser Rückgang zu verzeichnen. Erich Prechtl berichtete über die Erfolge bei der Renaturierung der Salzach, wies aber auf die großen Mängel bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie im gesamten Landkreis hin. Ein besonderer BN-Schwerpunkt in Freilassing ist die geplante Verbauung des Matulusgartens, der ein Hotspot für Fledermäuse ist.

In der anschließenden Aussprache gab es Nachfragen zum geplanten Neubau des Landratsamtes. Hier ergänzte der 3. Bürgermeister vom Markt Teisendorf, Georg Quentin, dass die Berufsschule Freilassing Vorrang hatte und das Projekt sich noch verzögern werde.

Beim anschließenden Kassenbericht der Ortsgruppe, den Kassier Wolfgang Huber vortrug, zeigte sich eine positive Bilanz, obwohl in 2020 keine Haus- und Straßensammlung durchgeführt werden konnte. Die größten Ausgabenposten der Kreisgruppe waren für die juristische Begleitung der strittigen Projekte wie Götschen oder die Wasserkraftwerke in Schneizlreuth und am Luitpoldwehr vermerkt. Kassenprüfer Ulrich Scheuerl hatte die Kassen der Kreis- und Ortsgruppe geprüft und es gab keine Beanstandungen, sodass er die Entlastung der Vorstände empfahl, die auch einstimmig erfolgte.

Bei den anschließenden Wahlen gab es in der Kreisgruppe zwei Neuzugänge, Gudrun Lahner wurde zur Schriftführerin gewählt und Erich Prechtl als weiterer Beisitzer, alle anderen Mitglieder des Kreisvorstandes wurden von der Versammlung auch in den neuen Kreisvorstand gewählt, den Rita Poser weiter als Vorsitzende begleiten wird. In der Ortsgruppe Bad Reichenhall gab es einen Wechsel an der Spitze. Dr. Michael Wittmann übernahm das Amt des Vorsitzenden von Ute Billmeier, die künftig als seine Stellvertreterin fungieren möchte, und neu hinzu kamen Dr. Anette Bachmann-Hoschka und Wolfgang Bittner als Beisitzer. Einstimmig wiedergewählt wurde auch Kassenprüfer Ulrich Scheuerl.

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