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Vollgas zum Heimsieg: Vettel will Ferrari-Sehnsucht stillen

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Vorfreude
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Ferrari-Pilot Sebastian Vettel kann das Rennen in Monza kaum erwarten. Foto: Bruno Fahy/BELGA Foto: dpa

Im vierten Ferrari-Jahr kommt Sebastian Vettel erstmals als Favorit zum Formel-1-Heimspiel seines Teams nach Monza. Die neue Stärke der Scuderia weckt sogar Zweifel an ihrer Regeltreue.


Monza (dpa) - Im Vollgas-Tempel von Monza will Sebastian Vettel endlich die Sehnsucht der Ferraristi nach einem Heimsieg stillen.

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Seit acht Jahren schon wartet die rote Formel-1-Gemeinde auf eine weitere Triumphfahrt im Königlichen Park, dank des neuen Wundermotors der Scuderia scheint das Ende der Geduldsprobe ganz nah. Auch deshalb ist Vettels Vorfreude auf den Großen Preis von Italien am Wochenende groß. «Wenn man die richtige Farbe trägt so wie ich, dann ist es in Monza immer großartig. Es ist ein absolutes Highlight, für einen Rennfahrer gibt es nichts Besseres», sagte der 31-Jährige.

Dreimal hat Vettel seit seinem Wechsel zu Ferrari bislang vergeblich Anlauf genommen, seinen Dienstwagen mit dem springenden Pferd als Erster ins Ziel von Monza zu steuern und die Nachfolge von Fernando Alonso (2010) als Sieger des Scuderia-Heimspiels anzutreten. Zu erdrückend war in den vergangenen Jahren die Dominanz von Mercedes auf der legendären Strecke, auf der es vor allem auf die Tempo-Stärke ankommt. Lewis Hamilton startete zuletzt viermal in Serie von der Pole Position und gewann dreimal. Diesmal reist der britische Silberpfeil-Star erneut als WM-Führender mit 17 Punkten Vorsprung auf Vettel an, doch die Vorzeichen haben sich geändert.

«Wir haben gezeigt, dass unser Auto stärker ist», sagte Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene voller Stolz auf seine Ingenieure nach Vettels Gala-Sieg von Spa am vergangenen Sonntag. Auch sein deutscher Chefpilot spürte die Genugtuung in der Rennfabrik der Scuderia, nachdem im fünften Jahr der Hybrid-Ära Mercedes endlich überholt scheint. «Das macht Maranello und jeden in unserer Motoren-Abteilung sehr glücklich», sagte Vettel.

Die silberne Konkurrenz hadert mit dem plötzlichen Gefühl der Unterlegenheit. «Wir wissen nun schon seit vier Rennen, dass sie einige Dinge am Auto haben, die es ihnen ermöglichen, schneller auf den Geraden zu sein», sagte Titelverteidiger Hamilton. Erstaunt und ein wenig ratlos fügte der 33-Jährige hinzu: «Immer, wenn wir eine Ausbaustufe haben, dann bringen sie eine bessere.»

Angesichts des Leistungssprungs bei Ferrari vermutet so mancher im Mercedes-Lager sogar unerlaubte Mittel. «Wenn man keine Erklärung für den Rückstand findet, dann bekommt man schmutzige Gedanken», räumte Teamchef Toto Wolff ein. Der Österreicher betonte jedoch sein Vertrauen in die Prüfverfahren des Weltverbands FIA.

Dessen Renndirektor Charlie Whiting wies die Zweifel an der Regeltreue von Ferrari zurück. Alle Kniffe am SF71-H seien der FIA bekannt. «Wir sind damit einverstanden», sagte Whiting und forderte Mercedes auf, seine Hausaufgaben zu erledigen.

Die Mängelliste beim Silberpfeil ist tatsächlich lang, wie Teamchef Wolff bekannte. «In langsamen Kurven haben wir Probleme, auch die Traktion ist eine Schwäche und im Vergleich zu anderen haben wir in Spa die Reifen zu schnell verheizt», zählte der 46-Jährige auf. «Ärmel hochkrempeln», ermahnte Wolff daher seine Mannschaft vor dem Europa-Finale, dem noch sieben Übersee-Rennen folgen.

Der Endspurt der Saison dürfte zu einem beinharten Entwicklungsrennen werden. Ferrari und Vettel müssen dann die Frage beantworten, ob sie ihren aktuellen Tempo-Vorteil in den ersehnten Titel umwandeln können. Der bislang letzte WM-Triumph der italienischen Marke liegt sogar noch länger zurück als der bis dato letzte Sieg in Monza. Als Kimi Räikkönen 2007 Weltmeister im Ferrari wurde, hatte Sebastian Vettel gerade erst sein Formel-1-Debüt gegeben.