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Vollsperrung am Eisenrichterberg

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Fast zwei Jahre lang war der Eisenrichterberg nur einseitig befahrbar. Ab 26. Juni soll der Verkehr wieder problemlos in beide Richtungen fließen. (Foto: Christian Wechslinger)

Bischofswiesen – Die Baumaßnahme am Eisenrichterberg ging auch während der Corona-Beschränkungen weiter. Nun sind die Arbeiten so weit fortgeschritten, dass die Fertigstellung näher rückt. Dafür muss die Baustelle allerdings voll gesperrt werden. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit Martin Bambach vom Staatlichen Bauamt Traunstein über das Projekt und andere Maßnahmen, die im Talkessel noch bevorstehen.


Alle geplanten und bald fertiggestellten Maßnahmen führen zu großen Verbesserungen im Verkehrsfluss und bei den Straßenbeschaffenheiten sowie auch zu mehr Sicherheit. Die vor Beginn der Baumaßnahme heiß diskutierte Großbaustelle am Eisenrichterberg vor Hallthurm wird bald der Vergangenheit angehören. Denn derzeit finden an der Berchtesgadener Hauptverkehrsader die letzten Arbeiten statt. Durch die Hanglage im alpinen Gelände sowie der darunter gelegenen Eisenbahnstrecke mussten am Eisenrichterberg im Laufe der Zeit immer wieder Sanierungsarbeiten durchgeführt werden.

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»Uns war schon seit Langem bewusst, dass dieser gesamte Bereich am Eisenrichterberg irgendwann einmal komplett ausgebaut und saniert werden müsste. Das zeigten schon die Entwässerungseinrichtungen, die in die Jahre gekommen waren und nicht mehr heutigen Standards entsprochen haben«, erklärte Bambach und erinnerte auch an heftige Steinschläge, nach denen die Straße gesperrt und im Anschluss durch Steinschlagschutzzäune gesichert werden musste. Heftige Starkregenfälle führten danach zu Ausspülungen an der Böschung, unter der ja auch die Bahnlinie liegt.

Nach Hangrutschungen schränkte man zunächst den Kfz-Verkehr halbseitig ein und sicherte den Bereich ab. Gleichwohl war spätestens danach klar, dass nur noch Straßenbaumaßnahmen in einem größeren Rahmen am Eisenrichterberg für eine einwandfreie und sichere Verkehrsführung sorgen würden. Denn nach geologischen Betrachtungen war nicht absehbar, wann ein weiterer Hangrutsch folgen würde. In Anbetracht einer Vollsperrung wurden alternative Umleitungen angedacht, die jedoch allesamt – weil nicht durchführbar – verworfen wurden. Sogar ein Tunnelbau wurde dabei angedacht. So schloss man sich der Urvariante des Staatlichen Bauamtes an, die Baumaßnahmen abschnittsweise mit einer Einbahn-Ampelregelung in Angriff zu nehmen. Diese Variante hat sich in beiden Fahrtrichtungen sehr gut bewährt.

Nachdem derzeit noch letzte Arbeiten nahe am Bahnkörper ausgeführt werden, rechnet man damit, dass mit »Stand jetzt« der Eisenrichterberg ab dem 26. Juni wieder frei befahrbar sein wird. Von voraussichtlich Mittwoch, 24. Juni, 22 Uhr, bis Freitag, 7 Uhr erfolgt wegen der Asphaltierungsarbeiten eine Vollsperrung. Martin Bambach wird immer mal wieder vorgeworfen, Kreisverkehre dort zu planen, wo sie nicht hingehören würden, so auch beim Ausbau der Aschauerweiherstraße. Dabei gibt der Fachmann zu bedenken, dass der kleine Kreisverkehr an der Abzweigung Aschauerweiherstraße zu »Im Rostwald« ja nur im Zuge des gesamten Ausbaus der weitgehend viel zu engen Straße erfolge. Bambach erklärte auch, dass in der alten Straße noch Teer enthalten sei und die alte Fahrbahndecke somit komplett verschwindet.

Zudem wird die Straße verbreitert und die nahezu 90-Grad-Kurve durch den Kreisverkehr entschärft. Der Kreisverkehr soll den Verkehrsfluss verlangsamen und somit auch für größere Sicherheit sorgen. Zudem erspart der Kreisverkehr größere Geländeeingriffe.

Viele Bürger fordern hingegen einen Kreisverkehr an der Stelle, an der die Loipler Straße in die B 20 mündet. Ein Vorhaben, dem Martin Bambach eine Absage erteilt. Vielmehr könnte man an dieser Stelle auch eine Lichtzeichenanlage installieren, um Fahrzeugen bei großem Verkehrsaufkommen auf der B 20 die Möglichkeit zu gewähren, dort sicher einzubiegen.

Weitere Maßnahmen sind geplant

Eine Problemstraße ist seit langer Zeit der »Fergerlberg« in Schönau am Königssee, also die Tangente vom Kreisverkehr zum Bergfriedhof und weiter nach Schönau. Durch ständige Unterspülungen von der Hangseite her wurde die Straße immer wieder in Mitleidenschaft gezogen. Zudem ist die Straße im unteren Bereich recht schmal, zwei Schwerfahrzeuge kommen kaum aneinander vorbei. Weil es sich über gut 300 Meter um ein recht aufwendiges Brückenbauwerk handelt, wird der Ende August beginnende Ausbau in Vollsperrung wohl bis ins frühe Jahr 2022 reichen.

Nachdem die Oberschönau von mehreren Seiten gut zu erreichen ist, sollte diese Baustelle den Individualverkehr nicht besonders einschränken. In Schönau am Königssee wird noch eine weitere Straße saniert, die sich in einem sehr schlechten Zustand befindet: die Waldhauserstraße, die vom Bereich »Fischmichl« bis zum »Wahlbaum« und zu den Anbindungen Richtung Hinterschönau und Oberschönau führt, wird ertüchtigt und verbreitert. In die Sanierungsarbeiten sind Entwässerungsschächte und Sickerschächte für Starkregenfälle sowie der Fahrbahnaufbau mit eingeplant. Bambach hätte im Zuge der Sanierung gerne mehrere »Rigolen« (unterirdische Pufferspeicher, die eingeleitetes Regenwasser aufnehmen und versickern lassen) verbauen lassen, was jedoch von mehreren Grundstücksbesitzern nicht gewünscht war. Die Baumaßnahmen an der Waldhauserstraße sollen im Juli beginnen und nach zwei Wochen abgeschlossen sein. Die unmittelbaren Anlieger können während der Sanierungsarbeiten ihre Anwesen weiterhin anfahren.

Eine offene Rechnung

Seit Langem ist angedacht, die in schlechtem Fahrbahnzustand befindliche B 305 zwischen der Gmundbrücke und dem Bahnhof zu sanieren und mit einem Radweg auszubauen. Bambach sagte hierzu, dass dieses schwierige Vorhaben schon seit Langem diskutiert wird und in Planung ist. Man habe auch den Bau eines Kreisverkehrs geprüft, sei aber mit dem Vorhaben durch die Nähe des Bahnübergangs, der Ramsauer Ache und der Einmündung der Gebirgsjägerstraße, gescheitert. Nach letztem Sachstand, und so auch mit der Deutschen Bahn abgesprochen, soll dort eine Bahnübergangs-Steuerungsanlage mit einer Ampelanlage entstehen. Doch damit nicht genug: Auch für die Einmündung etwa 200 Meter vor dem Bahnhofsbereich zu zwei Pensionen (Achental und Alpina) muss eine Lösung gefunden werden. Aufgrund der Nähe zur Ramsauer Ache ist in diesem Bereich noch die Zustimmung des Wasserwirtschaftsamtes und auch der Naturschutzbehörde wegen des Vorkommens von Haselmäusen nötig, ehe es an die Planung und Ausführung der Verkehrsader gehen kann. »Dieses Vorhaben ist nicht einfach, gleichwohl hoffe ich, dass wir zeitnah zum Bauen kommen«, so Martin Bambach. Christian Wechslinger