weather-image
-1°

Vom Äußeren zum Inneren

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Franz Xaver Angerer und Veronika Mergenthal vor dem Objekt »Eiche und Eisen« von Stefan Mergenthal. (Foto: Janoschka)

Das Kulturzentrum des Bildhauers Franz Xaver Angerer, die Galerie Kunstgetriebe in Hammer bei Siegsdorf, ist schon seit einigen Jahren Begegnungsstätte für Menschen, die sich mit Kunst auseinandersetzen wollen. Nun zeigt eine Ausstellung die Spiritualität in der Kunst von Stefan Mergenthal anlässlich dessen 10. Todestages. Gemeinsam mit Veronika Mergenthal, ebenfalls Malerin und Journalistin sowie ehemalige Ehefrau des 2005 verstorbenen Künstlers, hatte Franz Xaver Angerer die Ausstellung organisiert.


Stefan Mergenthals Zeichnungen, die hier zum ersten Mal öffentlich gezeigt werden, orientieren sich zuerst an etwas Greif- und Sichtbarem. Inspiriert von den Erzminen auf Elba ebenso wie durch Kubismus und die Malerei der englischen und russischen Avantgarde, bannte er Maschinenteile, Bretter oder Metallkugeln mit dem Bleistift auf das Papier und fügte sie auf kreative Weise zu einem Ganzen zusammen, immer wieder anders, dabei die ursprüngliche Form verfremdend, wobei sich die jeweiligen geometrischen Objekte durchdringen, auseinander hervorbrechen oder -fließen oder sich umschließen. Starrheit und Bewegung – beides lässt sich in den Bildern finden.

Anzeige

Der 2005 verstorbene Künstler war musisch, visionär und medial veranlagt. Veronika Mergenthal brachte den Besuchern diesen wunderbaren Menschen, seine Wurzeln ebenso wie seine Kunst, nahe.

Das Greifbare in der Kunst Mergenthals, dieses Aufspalten der Schöpfung in Formen lässt dennoch ein „Dahinter“ vermuten. Bereits als Elfjähriger hatte er mit kindlicher Ausdruckskraft Votivbilder auf Holz gemalt, darunter das letzte Gericht, was vermuten lässt, dass er sich bereits damals mit dem Tod und dem Danach auseinandergesetzt hat. Künstlerisch intuitiv hatte er seine Vorstellung von Himmel und Hölle (bezeichnenderweise schrieb er aber »Höhle«) in eine religiöse Szene umgesetzt.

Auch als Erwachsener leitete er den an seiner Kunst Interessierten dazu an, weg vom Äußeren, hin zum Wesentlichen zu gelangen, indem er durch die Art der Anordnung der geometrischen Formen Fragen aufwirft. Dazu kommt bei Stefan Mergenthal die Freude am Material: Gemeinsam mit seinem Vater Kurt, ebenfalls Maler und Bildhauer, über den und dessen Frau Helga Kunstkataloge in der Ausstellungsvitrine Aufschluss geben, baute er aus Holz und Eisen einen etwa einen Meter hohen Hahn, oder er kombinierte Eiche und Eisen zu einem abstrakten Objekt.

So ist beim genauen Hinschauen der spirituelle Aspekt in dieser Ausstellung, das Hereinnehmen der geistigen Welt in das Hier und Jetzt, etwas, wodurch sich der Betrachter berühren oder sogar faszinieren lassen kann.

In den Ausstellungsräumen sind auch Franz Xaver Angerers karbonisierte und gewachste Holzskulpturen zu bewundern, die durch die glänzende schwarze Oberfläche eher an Objekte aus Metall denken lassen. Bei diesen hat er das Holz so bearbeitet, dass immer wieder eine Lamellen- oder Gitterstruktur entstand, manchmal mit Verwindungen, manchmal auch gerade. Durch dieses Aufschließen wird der Blick des Betrachters in das Innere des Baumstammes oder des Holzstücks geführt – vom Äußeren zum Inneren.

Die Ausstellung ist bis 12. Juli (bei Anwesenheit von Veronika Mergenthal) jeweils samstags und sonntags von 16 bis 20 Uhr sowie vom 18. Juli bis 22. August nur samstags von 17 bis 19 Uhr geöffnet. Eine Besichtigung ist auch nach telefonischer Vereinbarung unter Telefonnummer 08656/927223 möglich. Brigitte Janoschka

- Anzeige -