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Vom Bahnhof bis zum Wohnungsbau

Bischofswiesen - Die Bürger und Bürgerinnen von Anfang an in die Planungen einzubeziehen, ist eines der wichtigsten Ziele des Flächennutzungsplanes, den die fünf Gemeinden im inneren Landkreis derzeit entwerfen. Am Donnerstagabend fand in Bischofswiesen eine Bürgerversammlung zum Thema statt. Im Brennerbräu stellte der beauftragte Planer Wolf Steinert den momentanen Stand dar.

Bürgermeister Toni Altkofer (l.) und Architekt Wolf Steinert (r.) stellten die vorläufigen Erkenntnisse zum Flächennutzungsplan vor. Foto: Anzeiger/kb

Einleitend machte Bürgermeister Toni Altkofer klar, was mit dem Flächennutzungsplan beabsichtigt werde und was nicht. »Wir definieren damit die städtebaulichen Entwicklungsziele unserer Gemeinde für die nächsten 15 bis 20 Jahre, auch im Hinblick auf die Förderung unserer Landschaft und des Tourismus.« Geregelt werden soll, wo man sich Entwicklungen oder Umnutzungen von Gewerbeflächen, Wohnbauflächen, Sondergebieten oder Naturschutzflächen vorstellen kann. »Der Flächennutzungsplan hat aber keine Außenwirkung, sondern wirkt nur nach innen. Für die Bürger leiten sich daraus keine unmittelbaren Rechte oder Pflichten ab. Wir weisen damit kein Bauland aus und schaffen auch keinen Anspruch auf Bebauung«, betonte Altkofer. Der Flächennutzungsplan diene lediglich als Grundlage.

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Es sei ihm wichtig, dass die Bürger an der Ausarbeitung des Flächennutzungsplanes beteiligt werden, hob Planer Wolf Steinert hervor. »Ich bin froh und dankbar über jede Anregung und jeden Leserbrief.« Zieldiskussionen, wie man sie derzeit in allen fünf Gemeinden führe, seien wichtig, um gute und klare Ergebnisse zu erhalten. Man müsse ausführlich über Dinge wie Bevölkerungsentwicklung, Arbeitsplätze, Nahversorgung oder Tourismus reden. Mit einem gemeinsamen Flächennutzungsplan wolle man keine Gleichmacherei betreiben, schob Steinert vorweg, im Gegenteil: Die Besonderheiten sollen deutlich herausgearbeitet werden. Und es müsse in den Köpfen ankommen, dass zum Beispiel nicht jede Gemeinde ein eigenes Schwimmbad brauche. Man könne sich zusammentun, so, wie es Abwasserzweckverbände vormachen. »Dann spart man auch Fläche.«

Im Grundsatz habe der Flächennutzungsplan folgendes Ziel, so der Planer: Innenbereich vor Außenbereich. Das heißt: Durch intelligente Lösungen wird bevorzugt der Innenbereich verdichtet. Die Landwirtschaft muss vor heranrückender Bebauung geschützt werden, genauso wie das sehr differenzierte Handwerk und der Tourismus.

Entscheidend für die Entwicklung eines Flächennutzungsplanes sei die Beobachtung und Einschätzung des Bevölkerungswachstums. Für Bischofswiesen prognostiziert Wolf Steinert bis 2025 ein Plus von 201 Einwohnern. »Die können natürlich nicht alle in Einfamilienhäusern wohnen, man wäre mit einer Mischung verschiedener Wohnformen gut beraten.«

In Bischofswiesen müssten alle Ortsteile, also sowohl das Zentrum als auch Winkl, Strub, Stanggaß und Böcklweiher gleichermaßen und proportional zu dem weiterentwickelt werden, was schon da ist, so Steinert. »Eine Bauentwicklung muss in die Ortsteile eingebunden werden, auch unter Berücksichtigung der vorhandenen Infrastruktur.« Besonders hervor hob der Planer die Sicherung der Nahversorgung - »damit haben mittlerweile alle Gemeinden ein Problem« - so wie von Arbeitsplätzen in den bestehenden Gewerbe-, Misch- und Sondergebieten. Selbstverständlich sei auch die Berücksichtigung des Landschaftsraumes. »Eine so schöne Landschaft gibt es selten und die wollen wir natürlich erhalten.«

Nach eingehender Prüfung der einzelnen Ortsteile kommen für das Planungsbüro Steinert in Bischofswiesen sieben bis acht Hektar mögliche Entwicklungsfläche für Wohnen in Betracht, unter anderem am Stangerfeld, am Roßpoint oder am westlichen Klausgraben. Für weitere Gewerbeentwicklung ermittelte man am Pfaffenfeld, am Schießplatz Böcklmühle und beim Sondergebiet Hotel Geiger weitere drei bis vier Hektar. Als Konversions- also Umnutzungsflächen werden die jetzige Straßenmeisterei, das frühere Versorgungskrankenhaus und der Kasernenparkplatz vorgeschlagen. Flächen zur Nahversorgung sieht man an der Dr.-Elschner-Straße. Nach den Berechnungen des Planungsbüros würde der Flächenverbrauch dann pro Jahr weniger als ein Hektar betragen und sich insgesamt zum jetzigen Verbrauch halbieren.

Die Fragerunde, die sich an den Vortrag von Wolf Steinert anschloss, war schnell vorüber. Dieter Kühnel hob ergänzend hervor, dass Bischofswiesen die einzige der fünf Gemeinden sei, in der kostenlos geparkt werden könne. Sepp Stanggassinger gab folgende Anregungen: Um den Baubedarf einschätzen zu können, solle man sich nicht nur auf Bevölkerungsberechnungen konzentrieren, sondern bei den Bürgern in der Gemeinde per Brief abfragen, wer sich vorstellen könne, in den nächsten Jahren zu bauen.

Ferner plädierte Stanggassinger für Einheimischenmodelle und warnte davor, dass die Umwandlung der Kurklinik in ein Wohngebiet viele Zweitwohnsitze nach sich ziehen könne. Grundsätzlich sollte die Gemeinde sich ihre Planungshoheit nicht nehmen lassen, eigene Mietwohnungen erhalten und eine einheitliche Regelung für Dachgauben finden.

Ein Dorn im Auge ist Stanggassinger die Situation am Bahnhof und auch Planer Wolf Steinert bestätigte: »Es ist wichtig, dass man an dem Platz was macht«. Für den Götschen kann sich Sepp Stanggassinger neben der Winter- auch eine Sommernutzung vorstellen, genauso wie einen Kreisverkehr am Ortsanfang. Es sei ihm klar, dass seine Vorschläge nicht von heute auf morgen zu realisieren seien, »aber man sollte darüber nachdenken«. Die Idee von Wolfgang Sauer, die Auffahrt auf die Bundesstraße 20 im Ortsteil Winkl für Busse zu verbessern, nahm Wolf Steinert zwar auf, verwies aber auf die Zuständigkeit des Straßenbauamtes. kb