Bildtext einblenden
Verzauberten die Zuhörer mit einer delikaten Programmzusammenstellung: das Salzburg-Ensemble mit Daniela Beer (links) und Florian Beer, Violinen, Romana Rauscher, Viola, und Simon Nagl, Violoncello. (Foto: Janoschka)

Vom Barock bis zur Moderne

Mit dem Allegro aus dem Brandenburgischen Konzert Nr. 3 von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), dem Streichquartett in a-Moll, op. 13 von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847) und mit Werken von Astor Piazzolla (1921 bis 1992) und Carlos Gardel (1887 bis 1935) spannte das Salzburg-Ensemble mit Daniela Beer und Florian Beer, Violinen, Romana Rauscher, Viola und Simon Nagl, Violoncello einen Bogen von der Barockzeit über die Romantik bis ins 20. Jahrhundert zum argentinischen Tango und zum Tango Nuevo.

Gut bekannt und in aller Ohren ist »La Cumparsita« und »Por una cabeza« von Cardel. Typische Jazz- und Klassikelemente finden sich in Piazzollas »Jorge Adios« und »Libertango«. Mit diesem Konzert setzte die Kulturinitiative Ruhpolding e.V. ihre Konzertreihe 2022 fort.

Im angenehm kühlen, in die sanfte Abendsonne getauchten Kirchenraum der Pfarrkirche St. Georg mit ihrer wunderbaren Akustik erlebten die Zuhörer nach der Begrüßung durch Simon Nagl von der Kulturinitiative ein Konzert der Extraklasse.

Trotz der reduzierten Anzahl der Instrumente von ursprünglich neun auf vier Streichinstrumente sorgte das Arrangement für Streichquartett für eine wunderbare Klangfülle, die beim Original des Brandenburgischen Konzerts sonst durch ein ganzes Streichorchester geschaffen wird. Traumhaft schön hörten sich die vier Sätze des Mendelssohn-Quartetts mit seiner zyklischen Geschlossenheit an, die durch das Adagio zu Beginn des ersten und seiner Wiederholung am Schluss des vierten Satzes in der Art eines stillen Gebets bewirkt wird. Mit erst 18 Jahren hatte der Komponist die herrlichen Melodien und ihre kunstvolle Verarbeitung und Durchführung geschaffen und romantische Sehnsucht neben stürmisch Drängendes gestellt – oft auf Ludwig van Beethoven Bezug nehmend.

Die Melodien und ihre kompositorische Weiterentwicklung als lyrische Passage oder als Fuge, wie etwa im zweiten Satz »Adagio non lento«, wo beides miteinander verwoben wird, münden in das Intermezzo mit seinem fugierten Trio. Melodramatik und elfenhafte Motive sind der kontrastreiche Boden des Finales im Presto, das in einem Violinsolo endet, bevor das genannte Adagio vom Anfang das Quartett andächtig beschließt. Für die Zuhörer war es ein besonderes Erlebnis, dieses Werk in so hervorragender Qualität dargeboten zu bekommen. Es war Mendelssohns Verdienst, Bach wiederentdeckt zu haben, und so zeigte die Programmauswahl einen musikgeschichtlichen Hintergrund mit kompositorischen Höhepunkten aus den beiden Epochen Barock und Romantik.

Temperamentvoll und energiegeladen – so erklangen die vier folgenden Werke, die schon aufgrund ihrer Gattung des Tangos Sinnlichkeit versprühten. Als eindringliches Frage- und Antwortspiel begann »Jorge Adios«.

In der Fassung von Carlos Gardel und als Streichquartett – also ohne das traditionelle Bandoneon – klang »La Cumparsita« vielleicht nicht nach einer Milonga – der temperamentvolle, im Staccato gespielte Rhythmus verfehlte jedoch seine Wirkung nicht. Und wäre die Bühne nicht im Altarraum gewesen, hätte bestimmt so mancher gerne das Tanzbein geschwungen. Um einen Pferdekopf – »Por una cabeza – geht es in einer Wette in dem Musicalfilm »Tangobar« aus dem Jahr 1935. Dass die Melodien so bekannt klingen, liegt daran, dass sie zwei Werken Mozarts entstammen. In einer anderen Zeit komponiert und in eine andere Gattung transferiert, steigerten sie die Freude am – wenn auch möglicherweise unbewussten – Wiedererkennen schöner Melodien. Bei »Libertango« – eine Wortkombination aus Freiheit und Tango – tanzte im Geiste ein Paar einen unvergesslichen Tango. Herrliche Musik mit Gänsehauteffekt!Brigitte Janoschka