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Vom dunklen Keller ans Licht der Bühne

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Stilistisch und textlich wandeln »Canda« zwischen dem Indie-Pop-Rock der Sportfreunde Stiller und dem frühen instrumentalen Alternative Rock von Long Distance Calling. (Foto: Ortner)

Sein Leben lang ist Max Kern schon Musiker, hat Geige, Klavier und Schlagzeug gelernt, sich selbst Gitarre spielen beigebracht und vermutlich auch Mundharmonika. Sein Repertoire scheint endlos und umfasst sowohl deutschsprachige als auch englische Songs, Klassiker von Bob Dylan und den Beatles bis hin zu Radiohead, Metallica und den Sportfreunden Stiller.


Max Kern ist aus zeitlichen und beruflichen Gründen seit Jahren solo unterwegs. Mit Klampfe, »Fotzhobel« (Mundharmonika) und einer Snare-Percussion-Kombination bestreitet er als »One-man-band« Konzerte, wann immer es ihm die Zeit erlaubt. Da er an diesem Abend im Studio 16 die Premiere seiner neuen Band »Canda« (Ja! Er versucht es mal wieder im Teamverbund!) supportet, bleibt ihm nicht viel Zeit und er absolviert ein kurzes, knackiges und sehr schönes Vorprogramm vom Indie-Pop der Sportfreunde Stiller bis Classic Rock von Johnny Cash und dem Grunge-Hit »Smells like teen spirit« von Nirvana. Oh ja, der gute Max kann mit seiner feinen Stimme nicht nur schmeicheln und streicheln, er kann auch fast so rauh und derb wie Kurt Cobain.

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Inzwischen ist alles vorbereitet für die Feuertaufe von »Canda« aus Traunstein. Endlich kommt ans Licht, aus den Boxen und dem Mikro, was jahrelang im dunklen Keller unter Ausschluss der Öffentlichkeit experimentiert und produziert wurde, und wohl auch ein paar Besetzungsversuche verschliss, bis sich das Musikerpuzzle passend zusammenfand. Erfahrung haben alle vier Musiker schon reichlich. Max Kern solo und in diversen Bands als Sänger und Gitarrist. Tobias Schwab ist ebenfalls als Gitarrist in verschiedenen Bands aktiv gewesen. Aktuell steht für Juli die Veröffentlichung des neuen Albums »Glare of the Sun« an. Tobias Geschka schwingt seit Beginn an bei »Heischneida« die Schlagstöcke und Bassist Reiner Überegger (früher »Fine Arts«, »Pump« und »Rancid Jam«) unterrichtet als selbstständiger Musiklehrer Gitarre und Bass.

Für ihre sehr gelungenen Eigenkompositionen hat sich das Quartett für die deutsche Sprache entschieden – eine gute Wahl, denn ihre Texte sind alles andere als banal. Bisweilen nachdenklich, melancholisch und kritisch, aber auch sehr positiv und mit guter Laune nehmen sie ihr Publikum mit auf eine Reise durch die Höhen und Tiefen des Lebens. Sie erzählen von Einsamkeit und Verlust und davon, dass wir uns viel zu sehr vom Schein leiten lassen und zu wenig auf das »Sein« achten. Aber natürlich geht es uns auch oft sehr gut. »Die Sonne scheint, geh doch mal raus« erzählt auch davon, dass alles gut wird und wir uns nicht unterkriegen lassen sollen – mitsingen ist übrigens Pflicht.

Stilistisch und textlich wandeln »Canda« zwischen dem Indie-Pop-Rock der Sportfreunde Stiller und dem frühen instrumentalen Alternative Rock von Long Distance Calling. Fazit aller glücklichen und zufriedenen Besucher: Premiere geglückt – Wiederauflage baldigst erwünscht. Maria Ortner