Vom Eishockeyspieler zum Professor

Bildtext einblenden
Professor Dr. Wolfgang Seiberl ist als ehemaliger Eishockeyspieler auch heute mit dem Sport beruflich und privat eng verbunden. (Foto: Christian Wechslinger)

Wolfgang Seiberl war längere Zeit Führungsspieler und Mannschaftskapitän des EV Berchtesgaden. Doch er hörte früh mit dem Eishockey auf, weil er sich der Wissenschaft verschrieben hat. Der 40-Jährige lehrt momentan Bewegungswissenschaft an der Universität der Bundeswehr München.


Seiberls Anfänge als Eishockeyspieler waren recht unspektakulär, denn es gab zu seiner Zeit nicht einmal eine Nachwuchsmannschaft, in die er passte. Doch er wohnte direkt neben der großen Eishockeyfamilie Pflug. So lag es nahe, dass er mit dem gleichaltrigen Andreas Pflug in Kontakt kam. Die beiden Burschen hakelten überall mit ihren Schlägern, wo auch nur eine Schnee- oder Eisfläche war.

Anzeige

Der langjährige erfolgreiche EVB-Spieler und Trainer Hans Pflug erkannte das Potenzial der Buben und förderte sie. So stand Wolfgang Seiberl bereits mit 17 Jahren in den Abwehrreihen der ersten Mannschaft, die seinerzeit eine gute Rolle spielte. Er wurde schnell zu einem Leistungsträger und verdiente sich vornehmlich auf der linken Defensivseite hohe Anerkennung.

Seine Mannschaftskameraden wählten ihn nicht nur wegen seines Könnens, sondern auch wegen seiner menschlichen Vorzüge zu ihrem Kapitän. Nachdem sich Seiberl den Wissenschaften verschrieben und an der TU München gearbeitet hatte, blieb ihm nicht mehr viel Zeit für Training und Spiele. So beendete er seine Laufbahn früher, als es sich der Verein gewünscht hat. Dennoch blieb der Wissenschaftler der schnellsten Mannschaftssportart bis heute treu und greift immer wieder einmal bei den »Eisbären« (Ehemaligen-Team des EV Berchtesgaden) zum Schläger. Die Faszination für den Eishockeysport sieht der 40-Jährige in einem Gesamtpaket aus verschiedenen Komponenten. Gerne schaut sich Seiberl Eishockeyspiele und auch andere Sportarten via Fernsehen an. Um körperlich fit zu bleiben, geht er im Sommer und Winter in die Berge. Ein besonderes Faible hat Wolfgang Seiberl in den vergangenen Jahren für das Klettern entwickelt. Und: Corona-bedingt ist er auch öfter mit dem Bergrad unterwegs.

Wolfgang Seiberl promovierte 2011 an der Technischen Universität München mit Auszeichnung im Fachbereich Biomechanik. Dazu schrieb er auch ein Fachbuch. Seiberl erklärt den Begriff Biomechanik damit, den Menschen mit den Methoden aus der Mechanik zu betrachten. Ein Schwerpunkt in seiner Grundlagenforschung ist das Spiel der Muskeln in der Hebelwirkung zu maximaler Kraft. Als Seiberl vor Jahren in Verbindung mit dem Olympiastützpunkt München noch mehr am Mann gearbeitet hatte, kam ihm auch seine Sportlervergangenheit zugute, die ihm eine höhere Akzeptanz entgegenbrachte. Nach Forschungsaufenthalten am Human Performance Laboratory (HPL, University of Calgary) widmete sich Dr. Wolfgang Seiberl der Neuromechanik der menschlichen Muskulatur. 2019 erreichte er an der Technischen Universität München die Habilitation für das Fach Sportwissenschaft.

Aktuell vertritt Wolfgang Seiberl die Professur für Bewegungswissenschaft an der Universität der Bundeswehr München. Seiberls Forschungsinteressen sind unter anderem die Neuromuskulären Funktionsmechanismen des menschlichen Muskel-Sehnen-Komplexes. Hauptthemen sind die »History dependence« muskulärer Krafteigenschaften, Analysen sportlicher Bewegungsmuster sowie die Evaluation präventiver und rehabilitativer Maßnahmen am muskuloskelettalen System.

Forschungsprojekte seien kontraktile, elastische und neuronale Mechanismen der muskulären Leistungssteigerung im Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus sowie die Modular Extendes Transcranial Magnetic Stimulation. Dies ist ein Projekt im Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr.

Christian Wechslinger