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Die besten Straßen-Kolumnen beim Berchtesgadener Anzeiger

Vom Flitzer zum Blitzer

Es gibt gute Wörter und schlechte Wörter. Wörter der Freude und des Glücks. Und Wörter, bei denen man sich denkt: Eha! Aufbassn! Zwei dieser Ausdrücke sind „Blitz“ und „Marathon“.

Foto: dpa-Archiv/Sven Hoppe

Schon ganz viel früher, als die Menschen noch viel dümmer als heute waren, galt ein Blitz als Auszucker der Götter. Nix gut. Böse. Noch heute fürchten sich viele Menschen, wenn es blitzt. Denn sie wissen: Kurz darauf scheppert’s. Auch als Teil von Determinativkomposita konnte sich der Blitz nicht rehabilitieren. Man denke an Blitzkrieg oder Blitzeis.

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Ähnlich ist es beim Marathon. Eine Qual von Anfang an. Der erste Marathonläufer in der Antike ist an Erschöpfung gestorben. Viele moderne Marathonläufer würden es ihm am liebsten gleichtun. Zumindest unmittelbar nach dem Lauf. Wo Marathon draufsteht, ist Stoizismus, Stress und Schweiß drin: Marathonsitzung, Terminmarathon, Makkaronimarathon, Masturbationsmarathon, Mareike-Makatsch-Marathon. Heike, meine ich natürlich.

Macht man nun aus zwei bösen Wörtern eins, ist das noch lange nicht gut. Minus und Minus ergibt nicht immer Plus. Denn was soll am morgigen Blitzmarathon gut sein. Tausendschaften von Polizisten müssen am Straßenrand rumstehen und Feinstaub einatmen. Vom ewigen Halten des Handlasermessgeräts, wie es im Beamtendeutsch heißt, bekommen sie höchstens eine Sehnenscheidenentzündung. Und die Autofahrer? Auch morgen werden wieder einige durchdrehen und schlimme Dinge tun. Zum Beispiel mit 40 durch die 30er-Zone rasen. Oder einen Straßenraub melden. Verständlich, wenn ein komisch verkleideter Mensch mit einer Laserpistole auf sie geschossen hat. Und dann auch noch Geld will.

Völlig gelassen sind jedoch die Bewohner des Berchtesgadener Talkessels. Denn dort erreicht man wegen der vielen Baustellen kaum die erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Von Rasen kann keine Rede sein. Höchstens im Garten. Trotzdem hat sich die Polizei dem Zweckverband „Kommunale Verkehrsüberwachung“ darüber gestritten, wer heute in der Megablitzcity ran darf.

Das Bayerische Innenministerium hat als Messstelle in Bischofswiesen – und das ist wirklich kein Scherz – das Gasthaus „Brenner Bräu“ eingeplant. Wo seit Monaten wegen einer Großbaustelle kaum was geht. In solchen Momenten wünscht man sich, dass das Polizeiaufgabengesetz schon in Kraft wäre. Und Landespolizisten in James-Bond-Manier so lange herumspioniert hätten, bis sie kapieren, dass man beim „Brenner Bräu“ seit Ewigkeiten nicht einmal Schrittgeschwindigkeit fahren kann. Christian Fischer

Wir haben alle Blitzer des Marathons, der am Mittwoch ab 6 Uhr morgens beginnt, für die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land für euch zusammengestellt.