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Vom Führen eines Schlagstocks und anderen Fertigkeiten

Höchst unterhaltsam und den Umständen geschuldet auch hochpolitisch ging es zu bei Michael Altingers Kabarett-Brettl in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. Moderator Altinger zeigte sich dabei überzeugt davon, dass nach der Wahl das Thema Maut vom Tisch sein werde. Als Beweis diente ihm ein Abstecher in sein niederbayerisches Heimatdorf Strunzenöd, wo sich seine Nachbarn statt der Maut für ein Tempolimit von 80 für österreichische Autofahrer aussprachen. Hoch interessant auch, was er bzw. die UN zum Thema Glück herausgefunden haben: Am glücklichsten sind die Menschen dort, wo am meisten Rad gefahren wird. So wie er sich glücklich schätzte, als er in Vor-Navi-Zeiten die abgelegensten Orte fand, indem er ständig nach dem Weg fragen musste, denn Umwege fördern die Ortskenntnisse und den Kontakt zur Bevölkerung.

Sein erster Gast war der Musiker und Kabarettist Ecco Meineke aus München, der seit 2004 auch Mitglied des Ensembles der Münchner Lach- und Schießgesellschaft ist. Meineke machte sich zunächst über nichtssagende Wahlplakate (BAYERN. Das Land) lustig, attestierte Seehofer totale Bodenhaftung und meinte, die Bayern verdienten, was sie wählen. Zur Maut erklärte er, dass Bayern da durchaus eigene Wege gehen könne, schließlich gebe es, was nicht jedem bekannt sei, auch eine bayerische Staatsbürgerschaft. Schwerpunkt seines Auftritts war jedoch der Gustl Mollath-Skandal, den er als Rezeptur zur Anfertigung eines Mollath-Datschis aufbereitete, mit Zutaten wie »Scharfe Richter« und »Gutachter ohne eigene Substanz«. Abschließend ritt er noch ein paar Attacken gegen Ex-Politiker wie Roland Koch, die ihr Heil in der Privatwirtschaft suchen, und sang ein Lied in Mackie Messer-Manier gegen Steuerflüchtige.

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Der Zweite im Bunde war Sebastian Pufpaff aus Bonn, der als George Clooney des Kabaretts bezeichnet wird und seinen Beruf seinem Nachnamen verdankt: »Ich habe die seriöse Schiene ausprobiert, doch der Nachname war stärker und hat mich ziemlich schnell in die Welt des Humors entführt, wo ich endlich ernst genommen werde.« Entsprechend standen seine diesbezüglichen Erfahrungen im Mittelpunkt seines begeistert aufgenommenen Auftritts. So werde er bei Polizeikontrollen regelmäßig »aus dem Verkehr gezogen«, und wenn er Pizza bestellt, werde bei Nennung seines Nachnamens stets aufgelegt. Einziger Vorteil: Spam-Mails kämen dagegen nie an.

Richtig spannend wurde es, als die Rede auf die Verwendung des Schlagstocks bei der Polizei kam und eine Besucherin fachlichen Rat parat hatte. So erfuhren wir, dass man einen Schlagstock nicht hat, sondern dass er geführt wird und zur fachgerechten Anwendung ein mehrtägiges Training nötig ist. Auch soll er nur gegen Arme und Beine eingesetzt werden (gegen »Arme« ist klar), und das Material besteht aus hygienischen Gründen aus Polyethylen, d. h., man riskiert beim Verprügelt werden zumindest keine Infektion.

Zum Abschluss des Abends präsentierte Wolfgang Krebs dann noch Auszüge aus seinem Programm »Drei Mann in einem Dings!« Ein begnadeter Imitator, der eingangs Horst Seehofer, den neuen König von Bayern, aufs Korn nahm. Einen Mann, dessen Motto lauten würde: entweder konsequent oder inkonsequent, aber nicht hin und her. Grandioser Höhepunkt aber war seine gut halbstündige Stoiber-Rede, da stammelte, stotterte und versprach er sich noch besser als das Original; einfach zum Schieflachen und inhaltlich leider unmöglich wiederzugeben. Einige Beispiele mögen genügen: So hätten CSU-Politiker ihre Ehefrauen nur beschäftigt, um sich vor ihren Sekretärinnen zu schützen, und Politik sei langweilig geworden, seit keine ehemaligen Steinewerfer mehr mitmischen würden. Was den Rest betrifft, hatte ich keine andere Wahl, als seinem guten Rat zu folgen »Sortieren Sie sich das einfach selber.« Wolfgang Schweiger