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Vom Geschäftsleiter zum Bürgermeister?

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Hat große Pläne für seine Gemeinde: Michael Ernst. (Foto: privat)

Marktschellenberg – Für Michael Ernst ändert sich mit seiner Kandidatur alles: Sollte er am 15. März zum neuen Bürgermeister Marktschellenbergs gewählt werden, kann er seine Tätigkeit als Geschäftsleiter der Marktgemeinde nicht mehr so wie bisher ausführen. Ein ehrenamtlicher Bürgermeister darf nicht hauptberuflich in der Gemeinde beschäftigt sein. Sollte Franz Halmich, einer seiner beiden Gegenkandidaten, wiedergewählt werden, gibt es ebenfalls eine »Restrukturierung« im Rathaus, wie Halmich bereits angekündigt hat. Wie es nun weitergeht, wofür sich Michael Ernst als Bürgermeister einsetzen will und wie er seine Chancen einschätzt, verriet der 48-Jährige dem »Berchtesgadener Anzeiger« bei einer Tasse Kaffee.


Die Entscheidung, zu kandidieren, traf Michael Ernst am 29. November in einer Runde mit anderen Marktschellenbergern: »Es hat Mitstreiter gegeben, die mich auch dazu animiert haben«, erinnert sich Ernst. Er geht für die Bürgerliste Marktschellenberg Scheffau Landschellenberg Ettenberg ins Rennen.

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Der 48-Jährige achtet sehr auf seine Wortwahl und überlegt immer eine Zeit, bevor er etwas sagt. So auch bei der Frage, warum er Bürgermeister werden will. »Marktschellenberg hat großes Potenzial. Ich sehe es so, dass man sich in der Funktion des Bürgermeisters weitaus mehr dafür einsetzen und einbringen kann. Es gibt sicherlich viel zu tun.«

Was seine Chancen bei der Wahl betrifft, so erkennt der Marktschellenberger eine »große Unterstützung bei der Wählerschaft«. Er sei aus der Bevölkerung oft und immer intensiver darauf angesprochen worden, zu kandidieren, daher sehe er »schon Chancen«: »Wenn ich den Eindruck nicht hätte, würde eine Kandidatur keinen Sinn machen.«

Für die Arbeit in den kommenden Jahren müsse man im Gemeinderat eine gute Basis herstellen, damit man im Team die Probleme angehen könne. Und welche sind das? Hier kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: »Die Schaffung von Plätzen in der Kindertagesstätte. Da brennt es bei uns schon länger.« Der Kandidat bekomme dies von den Bürgern mit. Auch in der Infrastruktur gebe es »erheblichen Handlungsbedarf«. Vor allem die Gemeindestraßen seien sanierungsbedürftig. Auch das Thema Abwasser steht auf der Agenda des Kandidaten. Die Kläranlage ist bereits 50 Jahre alt. Es müsse eine neue Variante der Abwasserreinigung her. »Hier will ich die Variante, die für den Bürger am günstigsten ist«, betont der Geschäftsleiter, fügt aber hinzu: »Aber ganz ohne Beiträge der Bürger wird es nicht gehen.«

Auch Ernst kommt nicht um das Thema Breitband herum. Hierzu sagt er, der Freistaat Bayern stelle den Gemeinden Fördermittel zur Verfügung. Diese werden in komplizierten Förderverfahren vergeben. Dabei sei Marktschellenberg bereits enthalten, so Ernst. Was jetzt interessant ist: »Es stehen noch neue Förderungen im Raum, um Ortsteile zu erschließen, die mit den aktuellen Förderungen keine großen Sprünge machen.« Dafür kann sich der Bürgermeister dann im Gemeinderat einsetzen, so Ernst. Kita-Plätze, Breitband, Infrastruktur: »Das sind alles Probleme, die ich in den kommenden zwei Jahren anpacken will«, sagt der Bürgermeisterkandidat. Auf seine Liste schreibt er auch die Ortskern-Wiederbelebung. »Weil bei uns alles so klein und verschachtelt ist, muss man sich vorher Gedanken machen, wo was passt.« So müssten zum Beispiel Geschäftsräume und Wohnungen, »speziell das Wohnen für Senioren, das mir vorschwebt«, am richtigen Platz sein. Dazu benötige es ein Konzept, das dann umgesetzt wird. »Blinder Aktionismus kann auf Dauer viel schädigen«, betont Ernst. Seine Aufgabe sieht er darin, sich zu »verwenden«, um Gelder zu akquirieren. Das bedeutet zum Beispiel, Förderungen für gemeindliche Maßnahmen heranzuschaffen.

Wenn er gewählt wird, will Ernst zum Amtsantritt am 1. Mai im Rathaus umorganisieren. »Erstens: Ich arbeite von diesem Zeitpunkt an in Teilzeit. Zweitens: Die Geschäftsleitung wird bei mir entfallen.« Das muss der 48-Jährige genauer erklären: Der 1. Bürgermeister sei ohnehin Behördenleiter, auch jetzt schon, wie Ernst betont. In der Marktgemeinde gibt es dann ein neues Organisationsschema, das sich auch nach der neuen Bayerischen Gemeindeordnung richtet. »In diesem Gesetz ist der Geschäftsleiter explizit nicht mehr genannt.« Das bedeutet, dieser Posten fällt dann in Marktschellenberg weg.

Aber das ist Zukunftsmusik. Im Moment stehen andere Aufgaben in der Gemeinde auf den Plan. So muss Wolfgang Dopke, Kämmerer und Wahlleiter, erst einmal prüfen, ob Ernst überhaupt das Amt antreten könnte. »Kandidieren darf jeder. Antreten aber nicht«, betont Ernst – dasselbe sagte auch Franz Halmich zu diesem Thema. Sollte nun der jetzige Geschäftsleiter gewählt werden, erhält er eine angemessene Frist, in der er die Amtsantrittshindernisse ausräumen muss. »Ich dürfte dann eben nur noch höchstens 19,5 Stunden in der Gemeindeverwaltung arbeiten«, weiß der Marktschellenberger. Wenn es anders kommt und Halmich erneut zum Rathauschef gewählt wird, so hat dieser eine »Restrukturierung« angekündigt. Was bedeutet das für Ernst? »Es bedarf keiner Deutung«, sagt dieser und fügt hinzu: »Der Bürgermeister ist dann wohl nicht mehr an meiner Mitarbeit interessiert.«

Zu seinen Stärken zählt der 48-Jährige seine 31-jährige Erfahrung im öffentlichen Dienst und dass er den Ort kenne. »Außerdem bin ich immer ansprechbar, nicht kontaktscheu.« Dass in diesem Jahr mit ihm, Franz Halmich und Wolfgang Lochner drei Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in seinem Ort antreten, findet er gut: »Man hört oft, dass in Gemeinden gar keine Kandidaten mehr gefunden werden. In Marktschellenberg ist das Gegenteil der Fall, es gibt eine Auswahl.«

Annabelle Voss

 

Michael Ernst

Geboren: 25. Januar 1972 in Marktschellenberg. Familienstand: ledig.

Berufliche Ausbildung und Werdegang: Abschluss an der Knabenrealschule Freilassing, Ausbildung zum Finanzwirt im Finanzamt Berchtesgaden, 1990 bis 1992 Dienst im Finanzamt München I als Finanzbeamter, 1992 bis 1999 in der Gemeinde Bayerisch Gmain, Fortbildung zum Verwaltungsfachwirt, seit 1999 in der Marktgemeinde Marktschellenberg, zunächst als Kämmerer, seit 2003 Geschäftsleiter der Gemeinde.

Ehrenamtliche Tätigkeiten/Vereine: Schriftführer beim Verein für Höhlenkunde Marktschellenberg, Mitglied im Feuerwehrverein Marktschellenberg.Hobbys: Konzert- und Kabarettbesuche, Reisen.