weather-image
25°

Vom Jagerlied bis zum flotten Bläserstück

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Höglwörther Kulturherbst« jedes Jahr einen Volksmusikabend einzuplanen, das hat sich heuer wieder einmal als richtige Entscheidung beweisen. Denn der Saal im Gasthaus »Klosterwirt« konnte die vielen Freunde alpenländischen Musik- und Gesangsgutes nicht fassen, es konnten gar nicht alle untergebracht werden, die gekommen waren und sich einen gemütlichen Abend gönnen wollten. Für die Veranstalter des Arbeitskreises und Organisator Lenz Berger war dies der Lohn für die Mühen der vorbereitenden Arbeiten – und den Lohn fürs Kommen erhielten die Gäste in einem mehrstündigen Programm.

Wenn die Tenglinger Sänger auf der Bühne stehen, dann ist alpenländische Sangeskunst in bester Form garantiert. (Foto: Horn)

Zünftig eröffnete die Weißbier Musi aus Anger in einer Tanzlmusibesetzung den Abend, und die Tenglinger Sänger setzen mit einem erfrischenden Lied gleich den richtigen Akzent zu Anfang mit drauf. Denn ihre lockere, spritzige Darbietung in stimmgewaltiger Form war sozusagen die akustische Weichenstellung für den Abend: heiter gestimmt, kurzweilig und unterhaltsam.

Anzeige

Wobei die Musik- und Gesangsdarbietungen der mitwirkenden Gruppen von der jeweiligen Klasse der Akteure zeugten und ein buntes Kaleidoskop an regionalem Kulturgut in Sachen Musik und Gesang offeriert wurde. Bunt wie der herbstliche Blätterwald waren sowohl die Stückeauswahl als auch die Zusammenstellung des Programms.

Lenz Berger führte in bekannter Manier durch den Abend und überzeugte zusammen mit Gesangspartnerin Anni Enzensberger als Gesangsduo. Es waren bekannte Gesichter aus der Volksmusikszene zu Gast in Höglwörth, zu ihnen zählt auch der Leiter der Inzeller Musikschule, Heini Albrecht. Er ist ein Könner auf der Steirischen Ziach; zusammen mit Elisabeth Anfang an der Tiroler Harfe und begleitet von Florian Seestaller am Kontrabass war dieses Trio für die feinen Töne zuständig. Die geschmeidigen Harmonien, sanft wie ein leiser Windhauch, verfehlen ihre Wirkung auf die Zuhörer nicht. Mehrheitlich waren von dem Trio Stücke zu hören, die Heini Albrecht selbst komponiert oder arrangiert hat. Mit viel Charme und dem richtigen Gespür für feine Nuancen wurden sie dem begeisterten Publikum vorgetragen.

Die nächste Instrumentalgruppe, die Weißbier Musi aus Anger, stellte bekannte Stücke in den Mittelpunkt. Die jungen Männer orientierten sich an Vorbildern wie Gottlieb Weißbacher oder Peter Moser und wussten sich mit gefälligem Spiel, stimmigen Bläsersätzen und flotten Musikbeiträgen gut in Szene zu setzen, wobei die Töne der Blasinstrumente von Ziach und Harfe bestens umrahmt wurden und so erst recht zur Geltung kamen.

Zwischen den renommierten Gruppen hatte ein junges Nachwuchstalent Platz genommen, der 14-jährige Seppi Berger aus Höglwörth. Er verzog keine Miene, als er die Steirische Ziach umschnallte und eine erste Kostprobe seines Könnens gab. Als Lenz Berger »Erinnerungen an Zirkus Renz« als erste Hörprobe ankündigte, war mancher im Saal sehr gespannt, was der junge Bursche wohl drauf hat. Und das ist aller Ehren wert, denn der bekannte Galopp, den eigentlich jedermann als Solo für Xylophon im Ohr hat, war ein echter Mitreißer.

Seppi Berger begeisterte die Zuhörer mit seinem Spiel, er ließ die Finger über das Instrument tanzen, würzte seinen Vortrag mit viel Herzblut und ließ hören, dass das Stück sicherlich für einen Solobeitrag auf der Ziach taugt, wenn man Talent hat und fleißig probt. Seppi Berger erntete begeisterten Applaus der Musikfreunde im Saal und jener, die vor der Tür ausharrten. Im weiteren Verlauf des Abends gab es noch mehrmals die Gelegenheit, sich von seinem hervorragendem Musiktalent zu überzeugen. Lenz Berger hatte einige kurzweilige Textbeiträge aus seinem reichhaltigen Fundus mitgebracht und zog somit die Lacher auf seine Seite. Die Tenglinger Sänger bewiesen, dass sie zu Recht seit dem Jahr 2006 verdiente Träger der Chiem-Pauli-Medaille sind. Nannerl und Lenz setzten als Gesangsduo stimmliche Akzente, und die Instrumentalgruppen wechselten sich in lockerer Reihenfolge ab, sodass die Zeit wie im Flug verging und die Freunde der Volksmusik wieder einmal einen unterhaltsamen Abend im Rahmen des Höglwörther Kulturherbstes erleben konnten. mh