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Das »Ensemble Clariosa« verzaubert beim Musiksommer-Konzert in der Klosterkirche Seeon

Vom Klangreichtum der Klarinettenfamilie

Die gesamte Klarinettenfamilie ist im »Ensemble Clariosa« vertreten, das beim Musiksommer-Konzert in Seeon zu verzaubern wusste. (Foto: E. Kaiser)

Ist das ein Sommer! Der ganze Tag war von strahlender Sonne erfüllt – es war allerdings schon etwas schwül – , doch am Abend musste wieder einmal ein Konzert des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« vom Freien in einen geschützten Raum verlegt werden, weil es »aus Kübeln goss«. Doch dem Berichterstatter fiel der Umzug aus dem neu gestalteten Kreuzganghof des Klosters Seeon in die prächtige, akustisch dankbare Klosterkirche St. Lambert nicht schwer – der Kreuzganghof ist durch die Umgestaltung vielleicht zweckdienlicher, »multifunktionaler« geworden, vermittelt aber in seiner rechteckigen Kargheit und dem spärlichen Grün keine Atmosphäre.


Im Chor der Kirche hatten sich fünf Musiker mit Rohrblasinstrumenten eingefunden, das »Ensemble Clariosa«, das sich aus dem »Münchner Bassetthorn-Trio« (Erich Sepp, Michael Nowotny und Max Kappelmeier) und dem »Klarinetten-Ehepaar« Birgit und Peter Flähmig zusammensetzt. Als Start ins Konzert, ausschließlich mit Werken von Wolfgang Amadé Mozart, hatten sie dessen Allegro-Quintettsatz in F KV Anh. 90 (580b) für Klarinette, Bassetthorn und Streichtrio aufgelegt, den Michael Nowotny für zwei Klarinetten, zwei Bassetthörner und Bassklarinette (die spielte Max Kappelmeier) eingerichtet hatte. Damit stellte sich die gesamte Klarinettenfamilie (ausgenommen die selten zu hörende Kontrabassklarinette) in ihrem schier unbegrenzten Tonumfang und ihrem Klangreichtum vor und verbreitete ungetrübte Fröhlichkeit in virtuosem Gewand.

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Das Adagio in B KV 411 für zwei Klarinetten und drei Bassetthörner, eine Musik für eine Freimaurerlogen-Versammlung, atmete Feierlichkeit in nobler Zurückhaltung, doch in intensiver Gestaltung. Zwischen 1786 und 1789 schrieb Mozart 25 »Terzetti per tre corni di bassetto« KV 439b; sein Verleger zerlegte sie in fünf »Divertimento«-Gruppen, die ihm »verkaufstechnisch« als günstiger erschienen. Die in Seeon gespielte 3. Gruppe begann mit einem Allegro, bei dem nicht nur das Anfangsthema an den 1. Satz der »Kleinen Nachtmusik« erinnerte. Der zweite bot ein in der Thematik und Harmonik sehr eigenwilliges Menuetto, auf das ein strömend-arienhaftes Adagio folgte. Das zweite Menuetto wirkte danach geradezu frech. Ein furioses Thema beherrschte das Schluss-Rondo und umarmte gleichsam verspielt-verschmitzte Zwischenmusiken in köstlicher Weise.

Im Jahr 1790 schrieb Mozart »ein Stück für ein Orgelwerk in einer Uhr« KV 594, eine Auftragsarbeit, die deutlich auf seine finanziell prekäre Situation hinweist. Diese Fantasie in f-Moll in der Fassung für zwei Klarinetten, zwei Bassetthörner und Bassklarinette begann mit einem zum Hinschmelzen schönen Adagio. Dem fanfarenhaften Beginn des Allegro schlossen sich reiche Figurationen in allen fünf Instrumenten an – großartig musiziert und mit einem schmeichelnden Agagio abgeschlossen.

Nach der Pause lag die großartige Serenade c-Moll auf, allerdings nicht in der originalen Holzbläserbesetzung KV 388 von 1782, auch nicht in der vom Komponisten für Streichquintett überarbeiteten Fassung KV 406, sondern in der von Michael Nowotny daraus destillierten Fassung für zwei Klarinetten, zwei Bassetthörner und Bassklarinette. Ein wuchtig aufsteigender c-Moll-Dreiklang mündete schnell in ein aufgewecktes Es-Dur-Thema und wurde kunstvoll verarbeitet. Liebenswert, in ruhigem Fließen ergoss sich das Andante. Darauf folgte als »Menuetto in canone« eine subtile Rarität in kanonisch- imitatorischer Verarbeitung. Ein recht volkstümliches Thema, von Mozart in reifer Meisterschaft variiert, wurde von den Bläsern hingebungs- und genussvoll ausmusiziert. Damit stiegen sie in den Rang eines »Ensemble Gloriosa« auf!

Die Cherubin-Arie aus dem »Figaro« brachte die Zuhörer wieder ins Gleichgewicht. Engelbert Kaiser