weather-image
28°
Umjubeltes Konzert des Sinfonischen Blasorchesters Chiem-Rupertigau – 2. Konzert in Pertenstein

Vom Königsmarsch zu den Children of Sanchez

Mit Ernst, Können und Leidenschaft bei der Sache: Die Chiem-Rupertigauer Bläser unter ihrem Dirigenten Wolfgang Nobis. (Foto: Aumiller)

Voll besetzt war die Salzachhalle in Laufen, in der sich die Blasmusikfreunde ein besonderes Stelldichein gaben zum vom Musikbund von Ober- und Niederbayern veranstalteten Benefizkonzert des Sinfonischen Blasorchesters Chiem-Rupertigau.


Am Ende war der Jubel groß über das anregende Konzerterlebnis. Der Reinerlös ging an das Netzwerk Hospiz, Verein für Hospizarbeit und Palliativbetreuung Südostbayern e. V.. In Vertretung des Schirmherrn Alois Glück und im Namen des Hospizvereins dankte Dr. Reinhard Kalender für diese Unterstützung der ehrenamtlichen Hospizbegleiter und Brückenschwestern.

Anzeige

Das knapp 50-köpfige Blasorchester aus ambitionierten und qualifizierten Amateurmusikern hatte in Wolfgang Nobis einen engagierten und kompetenten Dirigenten, der die Bläser sicher durch die musikalischen Gewässer schipperte. Oboe und Fagott hatte man sich von der Bad Reichenhaller Philharmonie ausgeliehen. Etwa 10 Mal im Jahr kommt man zum intensiven Proben zusammen und großer Wert wird auf die Nachwuchsförderung gelegt. Martin Ditz führte auf sehr persönliche Weise durch das Abendprogramm und punktete mit informativen Anmerkungen zu den Werken. Das bunte Programm brachte einen Höhepunkt nach dem anderen und die fetzige Rhythmik schwappte voll auf die Zuhörer über, die sich mitreißen ließen, in dem üppigen Sound genüsslich zu baden.

Zum Einstand erklang der prächtige, von Hans-Paul Breuer für die Bläser arrangierte Königsmarsch von Richard Strauss, den der Komponist 1907 für Kaiser Wilhelm geschrieben hatte. 1816 wurde Gioachino Rossinis berühmte Oper »Der Barbier von Sevilla« aufgeführt. Im Arrangement von Franco Cesarini spielten die Bläser daraus die Ouvertüre. Ditz versäumte nicht, auf Rossinis Kochleidenschaft hinzuweisen und meinte, das berühmte Rossini-Crescendo sei nach besonderem Rezept komponiert. Die zahlreichen Bläser, deren Klangstärke ja ziemliche Phonzahlen aufbringen kann, zeigte hier auch seine Fähigkeit zu federndem, spritzigen Musizieren. Ein Medley aus Jerry Bocks Anatevka, 1964 erfolgreich am New Yorker Broadway uraufgeführt, verfehlte auch im Arrangement von Josef Seidl nicht seine populäre Wirkung. Spannende Klangvarianten brachten die »American Dances« von Alfred Reed, dem 2005 verstorbenen Komponisten, von dem Stücke wie »Der Aprikosenbaum« oder »Das Lied des Rebhuhns« großen Bekanntheitsgrad besitzen. Seine Armenischen Tänze gerieten hier besonders zündend. Ein großer Ohrwurm, auch sehr eingängig gespielt, ist die »Liberty Fanfare« von John Williams, der 5 Oscars gewonnen hat, hier im Arrangement von James Curnow zu hören. Sie wurde zum 100. Geburtstag der New Yorker Freiheitsstatue komponiert.

Dass die Blasmusik lebendig ist und junge Menschen begeistert, beweist die Wizzard Ouvertüre des 25-jährigen Komponisten Daniel Muck. Er war acht Jahre lang Jugenddirigent und leitet seit 2015 das Jugendsymphonieorchester Wien. Mit seiner Wizzard Ouvertüre schuf er eine magische Welt von Zauberern, Hexen und Feen, die die Bläser auf ihren Instrumenten klangschön Gestalt werden ließen. Ein feines Stück, das Freude machte. Den Menschen Hoffnung geben, möchte das für die Opfer des Tsunami komponierte Werk von Philip Spark »The sun will rise again« in einer hellen freundlichen und aufbauenden Klangmischung.

Der 87-jährige Enrico Morricone ist der berühmteste Filmmusikkomponist, der jetzt auch einen Stern auf dem Walk of Fame in Los Angeles bekam. John de Meij hat den »Moment for Morricone« für Bläser arrangiert, was die Chiem-Rupertigauer zu einer glänzenden Nummer machten. Und zum Abschluss wurden die Farben Mexikos mit den »Children of Sanchez« von Chuck Mangione im Arrangement von Naohiro Iwai zu einem fulminanten Reißer. Die insgesamt fabelhafte Orchesterleistung wurde hier noch gekrönt von so manchem brillanten Soloeinsatz wie etwa dem Flügelhorn oder dem Saxofon und ebenso der Trommelwirbel hatte eine bestimmende Aufgabe. Tag und Nacht in Mexiko City: das war zündendes Klangfeuer, da waren der Beifall und die Jubelrufe aus dem Publikum nicht mehr zu bremsen. Zu Recht! Und ohne zwei Zugaben entließ man die Musiker nicht.

Das Konzert wird am morgigen Freitag um 20 Uhr in Schloss Pertenstein in Traunreut/Matzing wiederholt. Karten gibt es im Zeitungskiosk Hörterer in Traunstein und an der Abendkasse. Elisabeth Aumiller