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Vom Tintenfass zum Tablet: die Geschichte des Fernstudiums

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In der Antike und im Mittelalter brauchte man Feder und Tinte, um sich akademisch weiterzubilden. Heute schafft man das Fernstudium von überall bequem mit Tablet. Hunderte Blätter und unzählige verbrauchte Tintenfässer waren in den Anfängen der Fernlehre allgegenwärtig. Heutzutage braucht man lediglich ein internetfähiges Gerät wie Smartphone oder Laptop, um einen akademischen Abschluss zu erwerben. Dazu muss man nicht einmal am Schreibtisch sitzen: Während eines Fernstudiums kann man theoretisch auch in abgelegenen Gebirgen oder am Strand von Hawaii lernen. 


Das Fernstudium hat sich über die Jahrhunderte stark gewandelt und in Zeiten der Digitalisierung revolutioniert. Bei genauer Betrachtung liegen die Wurzeln des Fernstudiums bereits in der Antike und im Mittelalter. Der griechische Philosoph Platon setzte es sich zum Ziel, die Ideen seines angesehenen Lehrers Sokrates schriftlich für die Nachwelt festzuhalten. Das war die Geburtsstunde der schriftlichen Aufzeichnung zur Wissensvermittlung. Wissbegierige hatten es in der Spätantike sowie im Mittelalter nicht leicht: Damals mussten sie die Abschriften berühmter Gelehrter in Klosterbibliotheken studieren, sich den Bedingungen der Fürsten und Äbte beugen und sehr weite Wege auf sich nehmen. Auch einige der berühmtesten Briefe des Neuen Testaments des Apostels Paulus wurden durch Boten vermittelt, die zu einem fortwährenden Briefwechsel durch die Überbringung der schriftlichen Lehrstücke maßgeblich beitrugen. So gesehen basiert der moderne Fernunterricht auf den schriftlichen Studienbriefen des Apostels Paulus als Initiator. Entsprechend wurden bist in die Neuzeit die ersten Angebote im Bereich Fernunterricht auch als Korrespondenzkurse bezeichnet. Denn der Student und sein Betreuer kommunizierten per Post.

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Frauen entdeckten im 19. Jahrhundert die Fernlehre für sich

Jahrhunderte nach Paulus und Platon – genau genommen gegen Ende des 19. Jahrhunderts – entdeckten Frauen die Fernlehre für sich, da sie zu dieser Zeit nicht studienberechtigt waren. Privatleute waren es, die den Fernunterricht mit Hilfe von Briefwechseln ins Rollen brachten. Das Chautauqua College of Liberal Arts (im Jahr 1883 gegründet) war die erste Hochschule, die den Abschluss eines Fernstudiums, der vom Bundesstaat New York offiziell anerkannt wurde, ermöglichte. Die erste deutsche Fernschule war das 1913 gegründete Rustinische Lehrinstitut für Selbstunterricht. Bis zum Beginn der 1960er Jahre war es die einzige Einrichtung, die systematischen Fernunterricht anbot. Zwischenzeitlich gab es in den USA Radiokurse – sogenannte Broadcasts, die Studieninhalte vermittelten. Das Angebot war jedoch nur an einem College zugänglich. Allerdings war das Radio so beliebt, dass die neuen Wege der Wissensvermittlung auch nach der Einführung des Fernsehens erfolgreich weiterverfolgt wurden.

TV und Radio erfinden die Weiterbildung neu

In den 1960er und 1970er Jahren wurden pädagogische Fernsehprogramme entwickelt. Das Bundesland Bayern entschied sich 1967 dafür, dass die Mittlere Reife auch über ein pädagogisches Fernsehprogramm erworben werden konnte. Das multimediale Telekolleg legte den Grundstein für das digitale Studium, wie man es heute in der rundum vernetzten Welt kennt. Sieben Jahre später etablierte sich die Fernuniversität Hagen als erste staatliche Universität Deutschlands, die ausschließlich Fernstudenten in einem akademischen Studium unterrichtet. Das Hagener Modell fasste später auch in der Schweiz und in Österreich Fuß. Als erste private Fernhochschule Deutschlands wurde die SRH Fernhochschule (The Mobile University) im Jahr 2005 deutschlandweit institutionell für die Höchstdauer von zehn Jahren akkreditiert. Im Januar 1977 wurde das sogenannte Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) eingeführt, um die Rechte und Pflichten von Anbietern und Teilnehmern am Fernunterricht juristisch zu belegen. Demnach muss jeder Lehrgang staatlich zugelassen werden, der in der Fernlehre angeboten wird. Beispielsweise werden auch moderne Formen des E-Learnings mit Hilfe des Fernunterrichtsschutzgesetztes geregelt. Wer an einem Fernstudium interessiert ist, kann sich über den ausführlichen „Ratgeber für Fernunterricht“ der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) informieren. Die Behörde wurde 1978 durch den Staatsvertrag über das Fernunterrichtswesen gegründet und erteilt die Zulassung zum Fernstudium. Sie überprüft den Bestand der Zulassungsvoraussetzungen in regelmäßigen Abständen und registriert nicht-zulassungspflichtige Fernseminare, die für die Freizeitgestaltung ausgerichtet sind.

Fernstudium an Fernhochschulen: die digitale Revolution

Die Digitalisierung hat das Fernstudium noch mal von Grund auf verändert. Das Internet spielt im Bildungswesen jetzt und in der Zukunft die mit Abstand wichtigste Rolle. Die Kommunikation zwischen Bildungseinrichtung, Dozenten, Kommilitonen und dem Studierenden ist dadurch wesentlich einfacher geworden. Studierende können heute zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt für das Fernstudium lernen. Mit Hilfe von Apps , E-Learnings, Webinaren, Chats oder dem Online Campus kann man sich ständig über Lerninhalte austauschen. Die Fernlehre hat den digitalen Wandel vollzogen und ist dadurch für zahlreiche Menschen mit Weiterbildungswunsch noch attraktiver geworden – und das ganz ohne Schriftrollen und Tintenfässer. Redaktion: Marc Huber

Bildrechte: Flickr Studying mer chau CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten