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»Von Angora bis Schlange«: Zuhause für viele Arten

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Neben zwölf Hunden, fünf Kaninchen befinden sich auch 31 Katzen in der Obhut des Traunsteiner Tierheims.

»Für viele ist der Tierkauf immer noch ein Geschäft. Wenn man an dem Tier den Reiz verloren hat, dann wird es abgegeben oder ausgesetzt«, erklärt Peter Hierstetter, erster Vorsitzender des Tierschutzvereins Traunstein und Umgebung. Der Verein setzt sich mit seinen 900 Mitgliedern seit über 60 Jahren für das Wohl in Not geratener Tiere in der Region ein und ist Träger des Tierheims Traunstein, das sich in den 1980er Jahren in Trenkmoos angesiedelt hat.


Derzeit sind 79 Tiere im Tierheim: Zwölf Hunde, 31 Katzen, einige Kaninchen, unterschiedliche Wellensittiche und Meerschweinchen sowie vier Chinchillas, zwei Schildkröten und eine Stockente. »Die Ente wurde verletzt zu uns gebracht«, sagt die Leiterin des Tierheims, Anna Obermeier. »Sie bleibt so lange im Tierheim, bis sie wieder fit ist. Bei Wildtieren ist es uns besonders wichtig, dass sie danach wieder ausgewildert werden«, so Obermeier.

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Einige Tiere, die in das Tierheim kommen, wurden ausgesetzt oder gefunden. Die Mitarbeiter wissen dabei nicht, was den Tieren zugestoßen ist. Zusammen mit dem Tierarzt, der einmal in der Woche kommt, päppeln die fünf Mitarbeiter, die Auszubildende und ein Bundesfreiwilligendienstleistender, die Tiere wieder auf. »Vor kurzem sind zwei kleine Hunde zu uns gekommen. Das Fell von beiden war total löchrig«, erzählt Obermeier. Schildkröten werden beispielsweise manchmal an der Traun ausgesetzt. »Die Leute kaufen sich Schildkröten, wenn sie noch ganz klein sind. Dabei unterschätzen einige die spätere Größe oder, dass die Schildkröten auch richtig alt werden können«, erklärt Hierstetter.

Oft sind auch Tierbesitzer dazu gezwungen ihre Tiere abzugeben. Gründe sind beispielsweise ein Wohnungswechsel, Allergien oder Sterbefälle.

Das Tierheim nimmt jede Art von Tieren auf, so lange die Kapazitäten reichen. »Bei uns landen alle Tiere von Angora bis – na gut ein Tier mit Z hatten wir auch noch nicht«, sagt Hierstetter lachend. »Dafür aber Schlangen – also von Angora bis Schlange«, ergänzt Anna Obermeier. Manchmal landen auch Tiere im Heim, die man in Bayern nicht halten darf und die ihren Besitzern abgenommen wurden. »Dazu gehört zum Beispiel Hund Tyson. Er ist ein American Staffordshire und bei uns nicht erlaubt«, so Obermeier, diese Rasse zählt zu den Kampfhunden. Tyson muss zum Beispiel nach Österreich vermittelt werden.

Alle Tiere, die zur Zeit im Tierheim sind, findet man auch auf der Website. »Vor Corona kamen noch einige Leute zu uns, die sich einfach die Tiere anschauen wollten, aber das ist jetzt nicht mehr möglich«, erklärt Obermeier. Möchte man sich ein Tier aus dem Heim holen, muss man nun vorher einen Termin vereinbaren. »Die Tiere werden jetzt so meist gezielter ausgesucht«, so die Leiterin des Tierheims. Über die Website gibt es auch die Möglichkeit, die Tiere direkt von Besitzer zu Besitzer zu vermitteln. »Wir schauen schon, dass die Tiere nicht unbedingt ins Tierheim müssen«, sagt Obermeier.

Bei der Vermittlung wird darauf geachtet, dass die Tiere zu den Leuten passen. »Wenn wir dabei kein gutes Gefühl haben, dann kann es auch vorkommen, dass das Tier auch da bleibt. Es geht uns nicht nur darum, das Tier schnellstmöglich zu vermitteln, sondern ein passendes Zuhause zu finden«, erzählt Obermeier. So müssen die potenziellen Hundebesitzer erst durch mehrmalige Besuche im Tierheim, beim Gassi-gehen oder Streicheln die Hunde kennenlernen.

Nicht nur bei der Vermittlung gibt es aufgrund der Corona-Pandemie Einschränkungen, sondern auch bei den sogenannten »Gassigehern«. Dazu Obermeier: »Derzeit haben wir fünf Stammgassigeher, die mit den gleichen Hunden eine Runde gehen.«

Es handelt sich dabei häufig um Rentner oder Berufstätige, die nach der Arbeit für einen Spaziergang mit einem Hund im Tierheim vorbeischauen. »Viele Leute glauben, dass die Hunde nur durch die Gassigeher an die frische Luft kommen. Das ist so nicht richtig. Die Hunde haben auch ein Freigehege, das wir in nächster Zeit noch erweitern möchten«, stellt Hierstetter klar.

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben die Verantwortlichen des Tierheims auch eine positive Entwicklung wahrgenommen. Es seien weniger Tiere abgegeben worden, als sonst, so Obermeier. »Die Leute sind mehr Zuhause und genießen die Anwesenheit eines Tieres. Auch sind weniger Leute verreist«, vermutet Hierstetter. Seit Anfang März wurden 75 Fundtiere im Tierheim abgegeben. Etwa im gleichen Zeitraum wurden 30 Abgabeverträge geschlossen.

Das Tierheim finanziert sich zur Hälfte durch Spenden, Schenkungen oder Erbschaften. »Manche Spenden fallen halt jetzt in der Corona-Zeit weg«, erklärt Peter Hierstetter. »Auch sammeln wir mit Aktionen, wie unserer 'Weihnachtsaktion' oder unserem 'Tag der offenen Tür' Spenden.« Er wurde jedoch für dieses Jahr abgesagt, erklärt Hierstetter. »Das ist sehr schade. An diesem Tag haben wir immer besonders viele Tiere vermittelt.«

Heuer stehen noch einige Bauarbeiten im Tierheim an. Neben dem Frei- und Trainingsgehege für Hunde, wird auch die Kranken- und Quarantänestation saniert. Das Dach über dem Katzengehege hat vom vielen Schnee im vorletzten Winter Schäden davongetragen. »Wir würden gerne das Dach erneuern und erweitern, nur finden wir einfach keinen Dachdecker«, sagte Hierstetter.

Wer das Tierheim unterstützen möchte, kann dieses mit einer Spende auf das Konto des Tierheims bei der VR-Bank Oberbayern Südost eG (IBAN DE 41  7109 0000 0008 9382 37) tun. aha