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Von Beethoven bis Ravel

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Bernhard Glück (links) bedankte sich bei (von links) Fred Ullrich, Nelson Diaz, Patricia Hawkins und Barbara Eger für den gelungenen Konzertabend. (Foto: Konnert)

Die Konzerte des Salonquartetts »Reich an Hall« beim Kulturverein Teisendorf sind inzwischen schon Tradition. Seit mehreren Jahren nehmen die vier Bad Reichenhaller Musiker die Einladung nach Teisendorf gerne an und begeistern dort das Publikum mit bekannten und weniger bekannten Melodien aus Klassik, Oper, Operette oder Film.


So war es auch in diesem Jahr, als Fred Ullrich, Nelson Diaz (beide Violine), Patricia Hawkins (Viola) und Barbara Eger (Cello) die Zuhörer in der bis auf den letzten Platz gefüllten Schulaula auf eine musikalische Reise durch 220 Jahre Musikgeschichte und quer durch Europa mitnahmen. Ausgangspunkt war, wie könnte es in diesem Jubiläumsjahr auch anders sein, Bonn. Dort wurde Ludwig van Beethoven vor 250 Jahren geboren, Grund zum Feiern.

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In Teisendorf spielte »Reich an Hall« den 1. Satz aus Beethovens Streichquartett Opus 18, Nr. 1 in F-Dur. Es ist eines der sechs Streichquartette, die Beethoven unter dem Opus 18 geschrieben hat und war, so die Erläuterung von Fred Ullrich, eigentlich das dritte in der Serie. Da das erste dem Verleger aber zu dissonant geklungen habe, habe dieser eben das dritte, das F-Dur Quartett, vorangestellt. Über Beethovens Musik recht geärgert habe sich manchmal der deutlich ältere Joseph Haydn, so Ullrich weiter. Dennoch habe Papa Haydn gesagt »Das wird ein ganz Großer« und hat recht behalten.

Von Haydn bekamen die Zuhörer dann das Andante aus der Sinfonie Nr . 94, der Paukenschlagsinfonie, zu hören. Der Paukenschlag blieb natürlich bei einem Streichquartett aus und wurde nur durch das Cello angedeutet. Das tat dem Stück aber keinen Abbruch.

Weiter gings dann nach Ungarn, zu Kéler Béla, einem heute fast vergessenen Komponisten aus einer karpatendeutschen Familie. Nicht vergessen ist sein Czardas, den »Reich an Hall« schwungvoll spielte, denn er wurde von Johannes Brahms in seinem fünften ungarischen Tanz weiterverarbeitet und dadurch sehr bekannt. Mit Jaques Offenbachs »Barcarole« aus der Oper »Hofmanns Erzählungen« wurden deutlich ruhigere, gefühlvolle Töne angeschlagen und die Tür nach Italien zu den beiden größten Opernkomponisten dieses Landes, Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini, geöffnet. Das schwungvolle Trinklied »Libiamo« aus Verdis »La Traviata« ist wohl eine der bekanntesten Opernmelodien und war auch in der Aufführung des Salonquartetts für die Zuhörer ein Highlight, ebenso wie das getragene, melancholische »Quando me‘n vo‘soletta« aus Puccinis La Bohème.

Die musikalische Reise führte die Zuhörer von Italien nach Wien, wo Johann Strauss Vater und Sohn so viele schöne Melodien komponiert haben, dass eine Auswahl jedem Programmgestalter schwer fällt. Das Salonquartett hatte sich diesmal bei Strauss-Vater für den Ballnacht-Galopp und bei Strauss-Sohn für die Annen-Polka und den Walzer aus »Die Fledermaus« entschieden.

Dass solche Melodien nicht nur in Wien geschrieben wurden, bewies dann der »Champagnergalopp« des, so Ullrich, »dänischen Strauss« Hans Christian Lumbye. »Wenn Sie den Plopp vermissen sollten, denken Sie dran, wir sind nur ein Streichquartett« meinte Ullrich dazu schmunzelnd. Tatsächlich haben die Zuhörer dann aber in dem Vortrag nichts vermisst und ein schwungvolles, sehr gut gespieltes Stück zu hören bekommen.

Nach einem kurzen Abstecher ins winterliche Russland mit der bekannten »Petersburger Schlittenfahrt«, von Richard Eilenberg, die man dank ihres großen Bekanntheitsgrads auch als »klassischen Ohrwurm« bezeichnen könnte, entführte das Salonquartett seine Zuhörer in die Welt des großen Films, mit den Melodien zu »Pirates of the carribbean« von Klaus Badelt, dem einfühlsamen »Moon river« von Henry Mancini und den großen Melodien von John Williams zu »Star Wars«, »Jurassic Parc« und »Indiana Jones«. Große Filmmusik in kleiner Besetzung – auch eine Herausforderung die die vier Musiker bestens meisterten.

Der krönende Abschluss dieses abwechslungsreichen Konzertabends war ein hervorragend dargebrachter »Bolero« von Maurice Ravel, der richtig unter die Haut ging. Das Publikum bedachte das Salonquartett mit reichem Applaus und erhielt dafür mit Robert Schumanns »Träumerei« und Johann Strauss Vaters »Radetzkymarsch« zwei Stücke als Zugabe, die in ihrem Kontrast nochmal an die musikalische Vielfalt dieses Konzertabends anknüpften. Monika Konnert