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Von Bränden über Gefahrgutunfall bis Frontalzusammenstoß

Grabenstätt. Besorgte Blicke in Grabenstätt: Fast pausenlos waren Feuerwehr und Rettungsdienst im Ort unterwegs. Feuerwehrler legen Schläuche aus, laufen mit Atemschutzgeräten in verrauchte Gebäude und Sanitäter verschwinden mit Notfallkoffern und Tragen in Häusern. Doch zum Glück war alles nur ein Übungstag der Feuerwehren im Trauntal, dem Inspektionsbereich »Traunstein Land 2-1«, vom Roten Kreuz und Malteser Hilfsdienst.

Zwei Fahrzeuge prallen zusammen, eines kippt um und zwei Personen werden eingeklemmt und schwer verletzt. Wie man die Verletzten schnell, aber auch schonend aus dem Wrack rettet, das übten jetzt die Helfer zahlreicher Feuerwehren bei einem Großübungstag in Grabenstätt. (Foto: Volk)

150 ehrenamtliche Helfer, davon 110 Feuerwehrler aus Ruhpolding, Siegsdorf, Hammer, Eisenärzt, Vogling, Inzell, Vachendorf, Bergen, Holzhausen, Grabenstätt und Erlstätt, dazu 22 Sanitäter des Bayerischen Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes sowie Polizei und Übungsbeobachter nahmen teil. An zehn Stellen im Ortsgebiet wurden Notfallsituationen in Szene gesetzt.

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Täuschend echt geschminkte »Verletzte«

Die Gruppe Realistische Unfalldarstellung der Malteser sorgte für täuschend echt geschminkte »Verletzte«. Was die Helfer erwartete, blieb zuvor geheim. Erst an den Unfallstellen erfuhren die Helfer, um welche Art von Notfall es sich handelte. Ausrichter waren die Aktiven der Feuerwehr Grabenstätt unter der Leitung von Kommandant Jürgen Richter und Kreisbrandinspektor Georg König.

Beim angenommenen Kellerbrand in einem Einfamilienhaus mussten Atemschutzgeräteträger Verletzte in Sicherheit bringen und das Feuer löschen. An anderer Stelle war ein Mann in einen Container mit Papierpresse geraten und hatte sich einen offenen Beinbruch zugezogen. Aus misslicher Lage zu retten war auch ein Mann, der auf dem Dach eines Hauses arbeitete und wegen einer akuten Erkrankung gerettet werden musste mittels einer Drehleiter. Spektakulär war auch der Unfall, bei dem ein Arbeiter beim Entladen eines Lkws unter einer Stahlplatte und Baggerschaufel eingeklemmt wurde. Dabei waren Routine und Improvisationsgabe gefragt. Neben der Sicherung der Baggerschaufel musste die Stahlplatte mittels aufblasbarer Hebekissen angehoben werden, um den Schwerverletzten befreien zu können.

Beim Sturz eines Radlers mit Kopfplatzwunde, einem gestürzten Rollerfahrer mit schwerer Rückenverletzung und an einem Bewusstlosen, der in der Nähe des Gerätehauses zusammengebrochen war, mussten die Feuerwehrler ihre Fertigkeiten in Erster Hilfe beweisen. Eine besondere Herausforderung war ein Gefahrgutunfall. Von einem Gabelstapler fielen Fässer zu Boden, schlugen leck und eine unbekannte Flüssigkeit lief aus.

Der Staplerfahrer brach bewusstlos zusammen. Atemschutzgeräteträger retteten ihn. Zudem mussten sie den Gefahrenbereich absperren und bestimmen, was da ausgelaufen war. Auch mussten die Betroffenen dekontaminiert werden.

Abgestimmtes Vorgehen von Feuerwehr und Rettungsdienst erforderte ein schwerer Unfall auf der Gewerbestraße, bei dem zwei Fahrzeuge zusammenprallten und zwei Personen schwer verletzt in den Fahrzeugen eingeklemmt wurden. Unter schwierigsten Bedingungen mussten sie medizinisch erstversorgt und dann gerettet werden. Hydraulische Geräte wie Rettungsschere, Spreizgerät und Rettungszylinder wurden eingesetzt, um Türen zu öffnen, Fahrzeugdächer abzutrennen und so eine schonende Rettung aus den Fahrzeugen möglich zu machen.

Den Abschluss bildete ein Großbrand im Betriebsgebäude einer Schreinerei mit 15 eingeschlossenen Personen. Höchste Eile war geboten, um sie zu retten und die Brandverletzten einer raschen ärztlichen Behandlung zuzuführen. Mit zahlreichen Löschtrupps und von einer Drehleiter aus wurde das Großfeuer bekämpft. Auch war die Explosionsgefahr durch im Gebäude gelagerte Gasflaschen zu bannen.

Koordiniert wurden die Einsätze vom Gerätehaus der Feuerwehr Grabenstätt aus. Dort war auch die Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung des BRK stationiert. Gemeinsam wurde so die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften sichergestellt und der Einsatzverlauf dokumentiert.

Ziel ist es, immer besser zu werden

Kreisbrandinspektor Georg König zog am Ende eine insgesamt positive Bilanz der Leistungen, verschwieg aber auch nicht, dass mehr oder minder schwerwiegende Fehler gemacht wurden. Die Übungen hätten gezeigt, dass die Feuerwehrler insgesamt bestens ausgebildet sind und professionelle Hilfe leisten. Deutlich wurde aber auch, wo noch Schulungsbedarf besteht. »Ein Übungstag ist zum Üben da und vor allem, um aus Fehlern zu lernen, Probleme zu erkennen, abzustellen und besser zu werden«, so das Fazit.

Bürgermeister Georg Schützinger zeigte sich begeistert vom Engagement der Übenden, sich ehrenamtlich für die Allgemeinheit einzubringen und seine Freizeit für einen langen und auch anstrengenden Übungstag herzugeben, verdiene Dank und Anerkennung. Bei der abschließenden Besprechung aller Führungskräfte würdigten Kreisbrandinspektor Georg König und Grabenstätts Kommandant Jürgen Richter die perfekte Ausrichtung des Übungstages sowie alle Grundstücksbesitzer, die Gebäude und Anlagen zur Verfügung stellten. Nach fünfstündigem Übungsmarathon konnten sich die 150 Teilnehmer bei einer von der Gemeinde Grabenstätt, der Schreinerei Schuster und den Adelholzener Alpenquellen spendierten Brotzeit stärken. pv