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Von der Bleistiftzeichung bis zu abstrakten Farbspielen

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Impressionen für Gourmets: Toni Bögl mit zwei großformatigen Darstellungen eines Hummers und eines Fisches – zum Essen zubereitet. (Foto: Eder)

Eine bemerkenswerte Bilderausstellung ist derzeit in der Tourist-Info Waging zu bewundern: Der Traunsteiner Künstler Toni Bögl zeigt sich als begnadeter Maler und präsentiert mit knapp 50 Werken eine interessante Vielfalt in der Auswahl der Themen und in der bildnerischen Darstellung – so sehr, dass sich ein Ausstellungsbesucher erkundigte, wo denn der zweite Maler sei. Zu sehen ist die Bilderschau noch bis Sonntag: Am heutigen Freitag von 13 bis 18 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr.


Wie gut Bögl malen kann, zeigt sich exemplarisch an einer Bleistiftzeichnung seiner Enkeltochter Nella im Alter von zwei Jahren: Wie die Kleine ihren Puppenwagen schiebt und mit ihren ausdrucksstarken Augen ein unbekanntes Ziel anvisiert – eine wunderbare Studie. Bleistiftzeichnungen gibt es in der Ausstellung nur noch ein paar weitere, unter anderem eine ländliche Idylle um einen alten Brunnen herum und eine Gruppe von Schafen in einer gemütlichen Weideszene. Tiere sind überhaupt ein Thema, das bei Bögl in vielerlei Varianten vorkommt. So wird die Ausstellung in der Tourist-Info optisch beherrscht von zwei großen Leinwand-Bildern, die sich bestens als Deko für ein einschlägiges Restaurant machen würden: Ein Hummer und eine Fischspeise, auf Tellern serviert, machen so richtig Appetit. Während diese beiden Tiere situationsbedingt einen statischen Eindruck vermitteln, erfasst Bögl in einer Studie mit galoppierenden Pferden die Dynamik und Bewegung in eindrucksvoller Weise, ähnlich auch bei einem in Ising eingefangenen Polospieler, wo fast körperlich zu fühlen ist, wie das Tier wegsprintet. Eine Papageien-Gruppe und ein Fischschwarm sind weitere Highlights aus Bögls Tiermotiven.

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Der Großteil der Bilder ist in Acryl gemalt, ländliche Gemütlichkeit verbreiten die einzelnen Aquarelle, die sich in der Ausstellung finden: etwa das Bild eines Bauernhofs vor dem Hintergrund der Kirche von Anger, eine Seenlandschaft, Kühe beim Almabtrieb oder – etwas ganz Besonderes – ein Baum, den Bögl in Kroatien gefunden hat. Dessen durch einen Brand geschwärzte Äste beginnen wieder auszutreiben: »Ein wieder erwachter Baum« nennt Bögl dieses Aquarell.

Der Titel der Ausstellung lautet »Akte und mehr«; so bildet rund ein Dutzend Aktstudien auch den größeren Teil der gezeigten Bilder. Da gibt es großformatige Werke, wobei etwa ein Paar gezeigt wird, das sich im Wasser vergnügt, und eine Reihe von Damen, die sich in sinnlichen Posen präsentieren. Auch Porträts sind eine Stärke von Bögl: So zeigt er die Gesichter eines Mannes und einer Frau, bei denen seine Zeichenkunst einmal mehr eindrucksvoll zu bewundern ist.

Dies gilt auch für Bilder mit einfachen Formen, wie einer Schale oder Kugel, wo Bögl mit Licht und Schatten spielt und das ruhige Motiv mit scheinbar willkürlich aufgetragenen Farbklecksen aufpeppt, die etwa bei einem Gemälde mit einem Krug wie selbstverständlich zu Wasserspritzern werden. Zu guter Letzt lässt sich Bögl zwischendurch auch einmal zu einem abstrakten Spiel mit Farben und Formen inspirieren, was, wie an einigen Bildern festzustellen ist, faszinierende Kompositionen ergibt. Hans Eder

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