Von Football fasziniert

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Die Traunreut Munisier sind in die Landesliga abgestiegen – dort ruht der Spielbetrieb aber im Moment, die Footballer haben noch kein Spiel in der 5. Liga absolviert.

Neun Jahre lang hat Martin Pöppel weite Fahrten auf sich genommen, um seinem Hobby nachzugehen: Nach der Auflösung der Bavarian Dragonhearts 2001 spielte er in Salzburg, Rosenheim und zuletzt bis 2010 in Kirchdorf am Inn American Football. »Wir waren eine Gruppe von fünf bis acht Football-Verrückten«, erinnert sich der 36-Jährige.


Irgendwann war ihnen die bis zu einer Stunde einfache Fahrtzeit aber zu viel. »Also haben wir uns gedacht, wir probieren es noch mal im Chiemgau.« So gründeten sie die Traunreut Munisier. »Das hat richtig eingeschlagen und 2011 sind wir gleich in den Spielbetrieb gestartet.«

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Bei der Gründung im September 2010 wollten die Footballer »einen Namen, der uns mit der Stadt verbindet«, erklärt Martin Pöppel. Als Erinnerung an die Geschichte der jungen Stadt und die Munesier nannten sie sich deshalb Munisier. Als Abteilung gehören die Footballer zum FC Traunreut, ihre Spiele tragen sie auf dem Fußballplatz aus. »Das Feld wird einfach angepasst« sagt Martin Pöppel. Dafür kreiden die Footballer die nötigen Linien selbst und stellen die Field Goals, die aus ausrangierten Fußball-Toren gebastelt wurden, auf.

Martin Pöppel gehört selbst inzwischen nicht mehr zur Herren-Mannschaft. »Mit 30 habe ich Nachwuchs bekommen und aufgehört«, erzählt er, weil es für ihn zeitlich schwierig wurde, das sportliche Level zu halten. Grundsätzlich gebe es aber keine Altersgrenze, meint der 36-Jährige, der inzwischen den Football-Nachwuchs trainiert.

Ab zehn Jahren können Interessierte in Traunreut mit Flagfootball einsteigen. Statt ihre Gegner dabei mit einem Tackle zu Boden zu bringen, müssen die Spieler ihrem Gegenüber eine Flagge vom Gürtel reißen. Während die Traunreuter im Flagfootball sogar mit einer Mannschaft antreten, gibt es in der Jugendklasse von 16 bis 19 Jahre nicht genügend Spieler für ein eigenes Team. Zwar gebe es auch die Zusammenarbeit mit einer Traunreuter Schule, doch momentan eben nur zehn Jugendliche, die bei den Herren mittrainieren. »Wir sind eher ein kleiner Verein«, betont Martin Pöppel. Knapp 100 Mitglieder haben die Footballer.

Neben den insgesamt sieben Trainern – drei im Flagfootball und vier bei den Herren – gibt es auch noch drei Schiedsrichter im Verein. »Das kann jeder ab 18 Jahren machen«, sagt der Flagfootball-Trainer. »Das lernt man eigentlich ganz schnell.« Für die Traunreuter ist es wichtig, auch dafür genügend Freiwillige zu haben: Mit den drei Schiedsrichtern stellen sie die Mindestanzahl, die vom Verband gefordert wird. Mehr Trainer wird es zunächst nicht geben – denn wie der Spielbetrieb ist auch die Ausbildung momentan ausgesetzt.

In der Landesliga – die Traunreuter Herrenmannschaft war 2019 nach vier Jahren aus der Bayern- in die 5. Liga abgestiegen – haben die Munisier coronabedingt in dieser Saison noch nicht gespielt. »Wir haben nur ein bisschen trainiert«, sagt Martin Pöppel, der deshalb auch weitere Abgänge befürchtet. »Es haben Einige aufgehört, wir sind schon am kämpfen.« Schließlich ist für die Mannschaften eine Mindeststärke von 22 Spielern – elf im Angriff und elf in der Verteidigung – vorgeschrieben. »Alles über 30 ist gut«, meint Martin Pöppel. »Die Leute sollen ja auch nicht verheizt werden, es geht um den Fun.«

Allerdings bedeutet das – nicht nur in Zeiten von Corona – auch einen großen Aufwand: Mit Trainern und Betreuern kommen schnell 40 Leute zusammen, für die Auswärtsfahrten braucht der Verein also einen Bus – und diese Fahrten muss ein Verein erst mal finanzieren.

Zumindest diese Ausgaben blieben den Munisier 2020 erspart. Obwohl die Mannschaft auf die Spiele verzichten musste, sieht Martin Pöppel durchaus auch einen Vorteil in der Zwangspause: Einige Jugendspieler können in der kommenden Saison bei den Herren mitspielen.

Wann die Saison startet, ist jedoch noch unklar. Sechs bis acht Wochen Training sind laut Martin Pöppel in jedem Fall nötig, bevor es losgehen kann. So lange dauere es, bis »jede Position ihre Aufgaben und einen Grundstock an Spielzügen kennt«. Nach etwa vier Monaten seien auch Neueinsteiger soweit, bei den Munisier mitzuspielen – »bei uns ist das Niveau ja nicht himmelhoch«, sagt Martin Pöppel und lacht. Unter der Landesliga gibt es in Bayern nur noch eine Aufbauliga.

So gibt es auch immer wieder Neuzugänge bei den Traunreuter Footballern, die die Sportart ausprobieren wollen – nicht selten wechseln aber auch Fußballer zu den Munisier. Insgesamt habe die Sportart laut Martin Pöppel in den vergangenen Jahren mehr Zulauf gehabt, weil Spiele der nordamerikanischen Liga NFL und natürlich der Super Bowl – das Spiel um die Meisterschaft in den USA – inzwischen auch in Deutschland im Fernsehen übertragen werden. »Das kriegen viele Leute mit und wir haben um den Super Bowl herum viele Anfragen«, berichtet der 36-Jährige. »Viele wollen das dann auch mal ausprobieren.«

Dafür müssen die Interessierten laut dem Cheftrainer im Flagfootball nicht viel mitbringen: Die Traunreuter stellen für den Anfang Leihausrüstung zur Verfügung. Nur entsprechende Schuhe – auch Fußballschuhe sind auf dem Feld geeignet – sollten die Spieler dabei haben.

Einen Vorteil sieht der Traunreuter Flagfootball-Cheftrainer auch darin, dass es beim Football für beinahe jeden Interessierten die passende Position gebe: »Wir bringen eigentlich jeden irgendwo unter, egal mit welcher Statur oder Schnelligkeit«, meint Martin Pöppel. Wichtigeste Voraussetzung sei der »Spaß am Sport«.

Der 36-Jährige wurde selbst von einem Klassenkameraden mitgenommen und entdeckte so seine Leidenschaft für American Football. »Ich habe immer nach einem passenden Sport für mich gesucht«, erinnert er sich – den fand er schließlich bei den Dragonhearts. Daran begeistere ihn vor allem der Teamgedanke. »Die ganze Mannschaft muss alles geben, damit sie vorankommt. Das kann nie nur mit einzelnen Personen funktionieren, es müssen alle zusammenhelfen.« Das wolle er auch als Trainer an die Jugendlichen weitergeben.

Die Faszination Football macht für Martin Pöppel aber auch aus, dass sich die Mannschaft schnell mit dem eigenen Spielzug an den Gegner anpassen muss und so versucht, den Gegner unter Druck zu setzen.

Spielzüge der Profis im Fernsehen abzuschauen, mache dabei wenig Sinn, auch weil die Traunreuter nach den etwas entschärften College-Football-Regeln spielen. Sonst sei aber auch der Super Bowl bei den Munisier ein »riesen Event«, sagt Martin Pöppel. In Zeiten von Corona entfällt die gemeinsame Feier zwar, die Footballer haben sich das Endspiel aber auch schon mal in Traunstein im Kino angeschaut. Martin Pöppel hofft, dass er die Spieler bald wieder auf dem Feld sieht. »Ich bin lieber der aktive Sportler«, betont der 36-Jährige. Und auch dabei zählt für ihn der Teamgedanke: »Alleine schaue ich das nicht unbedingt an.« jom

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