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Von H. C. Artmann bis zu Tom Waits

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Christian Wegscheider, Willi Resetarits und Stefan Schubert (v. l.) auf Schloss Triebenbach. (Foto: Heel)

Als Mitbegründer der Band »Schmetterlinge« begann er Ende der sechziger Jahre seine Karriere, der 1948 in Stignatz (Burgenland) geborene Willi Resetarits. Richtig bekannt und überaus erfolgreich, auch hierzulande, wurde er später dann als Ostbahn Kurti & Die Chefpartie, aber auch mit seiner Band Stubnblues kann er seit vielen Jahren Erfolge feiern.


Jetzt traten Willi Resetarits & Stubnblues bei den Salzach Festspielen auf Schloss Triebenbach auf, wo sie unter anderem ihr aktuelles Album »Ois offn« vorstellten, das von ihnen so erklärt wird: »Wir suchen Antworten auf offene Fragen. Wir ahnen, dass wir scheitern müssen bei der Lebensbewältigung, aber wenn schon scheitern, dann auf hohem Niveau. Und lustvoll. Ganz so, wie ja auch das erfüllteste Leben mit dem Tod endet. Amen.«

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Wie dem auch sei, mehr als erfüllt wurden jedenfalls die Erwartungen der Besucher, denn was Resetarits und seine sechsköpfige Combo an diesem Abend boten, war schlichtweg umwerfend, schon allein wegen der unglaublichen stilistischen Bandbreite der knapp zwei Dutzend präsentierten, hochmelodischen Lieder. Eine Bandbreite, die vom Wienerlied über Rhythm & Blues-Stücke à la Van Morrison und balladesken Vertonungen von H. C. Artmann-Gedichten bis zu kroatischer Volksmusik reichte. Von der Spielfreude der Musiker, dem fülligen Klangspektrum, dem perfekten (Open Air-) Sound sowie der lässigen, gewitzten Moderation Resetarits' ganz zu schweigen.

So war von der ersten Minute an für beste Unterhaltung mit Tiefgang gesorgt, denn viele der Songs, ob nun selbst geschrieben oder adaptiert, hatten auch eine Aussage, ohne deswegen aufdringlich oder platt zu wirken. Eines der schönsten Beispiele hierfür war Resetarits' berührende Version von John Martyns »May you never«, über das er sagte: »Seit gut 30 Jahren geht mir dieses Lied nicht aus dem Kopf. Ein Lied über Freundschaft. Das hätt' ich selber gern geschrieben. Jetzt hab ich es wenigstens in unseren Dialekt übertragen, um es endlich singen zu können: Niemois soisd.«

Sehr schön auch, dass auch die anderen Bandmitglieder mal im Mittelpunkt standen, etwa der Gitarrist Stefan Schubert mit seinem stimmungsvollen Beziehungslied »Wegn dera Gschicht«, oder der Multiinstrumentalist Herbert Berger, der an Saxofon, Klarinette und Flügelhorn brillierte und uns zwischendurch in H. C. Artmanns unheimliche »Brodaschbiaglgalarii« entführte. Und ganz toll auch der Schlagzeuger Peter Angerer, der mit (»Geh ned owe) d'Schiffgossn« Tom Waits' »Fannin' Street« auf gut wienerisch wiedergab. Weiters mit dabei waren noch Klaus Kircher (Bass, Gesang), Christian Wegscheider (Akkordeon, Keyboard, Gesang) und Chris Haitzmann (Trompete, Flügelhorn, Gesang), und dass sich alle sieben auch auf A-cappella-Gesang verstehen, bewiesen sie unter anderem mit einem ergreifenden Lied aus Kroatien, das von Müttern handelt, die (natürlich vergebens) auf ihre im Krieg vermissten Söhne warten.

Kurzum, die Besucher erlebten ein so unkonventionelles wie spannendes Konzert, das viele Emotionen freisetzte und noch lange nachhallte. Oder anders gesagt: Willi Resetarits & Stubnblues sind eine echte Bereicherung für die deutsche Musikszene. Wolfgang Schweiger

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