Von Hildegard von Bingen bis ins 21. Jahrhundert

Bildtext einblenden
David Fliri lässt mit dem Ensemble aus Constanze Germann-Bauer, erste Violine, Johanna Müller (sitzend), 2. Violine, Sabine Kübler, Viola, Maximilian Spann, Kontrabass und Izabella Egri, Violoncello, Mozarts Hornkonzert erstrahlen. (Foto: Janoschka)

Konzert in der Pfarrkirche St. Michael in Inzell spannt einen weiten musikalischen Bogen


Einen Bogen von Hildegard von Bingen über Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach bis hin zu Wolfgang Amadeus Mozart und weiter ins 21. Jahrhundert zu Patrick Pföß spannte ein Konzert in der Pfarrkirche St. Michael.

Die barocken Werke umschlossen Werke aus Klassik und Moderne, und innerhalb dieses Bogens umspannten zwei moderne Werke eine Komposition von Hildegard von Bingen, die vom Charakter her sehr gut dazu passte. Von der Truhenorgel aus begleitete und leitete Organist Sebastian Schilling das Ensemble mit Patrick Pföß, Traversflöte, Constanze Germann-Bauer und Johanna Müller an den Violinen, Sabine Kübler, Viola, Izabella Egri, Violoncello und Maximilian Spann, Kontrabass beim Concerto grosso in G-Dur von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759).

Patrick Pföß vom Kulturförderverein ARTS Traunstein dankte dem Förderverein St. Michael Inzell für die Organisation der Veranstaltung und wünschte »nach dieser entbehrungsreichen Zeit« allen ein herzliches Willkommen, bevor Hornist David Fliri das Konzert für Horn und Orchester in Es-Dur KV 447 von Wolfgang Amadeus Mozart in einer Kammermusikversion darbot. Der Solist bestach mit schönem Hornklang und virtuos-musikalischer Gestaltung, besonders auch in der Kadenz am Ende des ersten Satzes im Allegro. Einschmeichelnd samten war das Legato in der Romanze, und auch beim flotten Allegro im dritten Satz wurde Fliri einfühlsam und präzise vom Ensemble begleitet.

Der folgende dreiteilige Zyklus zum Thema Pfingsten und Heiliger Geist begann mit Peter Michael Hamels (*1947) Auftragswerk des deutschen Musikrates »Pfingsten 2021« für Orgel, dem der Choral »Veni Creator Spiritus« zugrunde liegt. Der Komponist widmete dieses Orgelwerk den Verstorbenen der Corona-Pandemie.

Der dritte Teil, eine Komposition von Patrick Pföß (*1981) trägt den Titel »Hauch« für Horn, Streicher und Orgel, dessen Uraufführung die Zuhörer in diesem Konzert erlebten. Es beruht auf dem gleichen Choral, der dem Werk nicht hörbar unterliegt, wie Pföß erklärte. Jeder Ton bestehe aus mehreren Teiltönen, ergänzte Pföß, darunter sind auch die Obertöne, die je nach Instrument variieren. »Darüber liegen wie ein ‚Hauch‘ die unterschiedlichen Spielgesten,« so der Komponist, der das Ensemble im Altarraum ebenso wie David Fliri, Horn, auf der zweiten Empore dirigierte. Ein lauter, dissonanter Akkord zu Beginn überraschte zunächst – seine Symbolik könnte jedoch mit dem Thema Schöpfung assoziiert werden.

Eingerahmt von diesen beiden modernen Werken erklang »Spiritus Sanctus« von Hildegard von Bingen (1098 bis 1179), ein in Neumen notiertes Antiphon, wunderschön mit strahlendem Sopran von Anna Willerding gesungen und begleitet von einem langen, ununterbrochenen Basston des Kontrabasses.

Mit Arie, Rezitativ, Arie und Choral aus Bachs Kirchenkantate »Ich bin vergnügt mit meinem Glücke« BWV 84, der die Sopranistin Anna Willerding eine unglaubliche Strahlkraft verlieh, endete dieses Konzert – auch mit der Bitte von Patrick Pföß: »Bleiben Sie dem Konzertleben treu, auch wenn es mühsam ist, die vielen Regeln einzuhalten. Wir leben davon.

Brigitte Janoschka