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Von Johann Martin Radeck bis Niels Otto Raasted

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Die sieben Werke der Barmherzigkeit, hier dargestellt an der Emporenbrüstung der Kirche St. Valentin in Zell, standen im Mittelpunkt der Betrachtungen bei der achten Auflage von »Raum & Klang – eine musikalische Entdeckungsreise«. (Foto: Burghartswieser)

Bereits zum achten Mal fand unter Leitung von Pastoralreferent Georg Gruber – erstmals in der Filialkirche St. Valentin – die Veranstaltungsreihe »Raum & Klang« statt. Diesmal stand die Kombination aus kunsthistorischen sowie theologischen Betrachtungen und Orgelmusik unter dem Motto: »Seid barmherzig«.


Im dunklen Kirchenraum waren die Altäre nur mäßig mit Kerzen erleuchtet, kein elektrisches Licht störte das besondere Ambiente und so präsentierte sich das altehrwürdige Gotteshaus als sakraler Ort von hohem künstlerischen Wert. Nach der Begrüßung begann Gruber seine Betrachtungen mit dem großen Fresko im Kirchenschiff. Dieses Renaissance-Fresko, das 1955 bei der Renovierung der Kirche freigelegt wurde, stamme aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und zeige den heiligen Christophorus, sagte er. Aus der Legende könne man vieles lernen. »Wenn wir dem Nächsten Barmherzigkeit erweisen, dann erweisen wir sie Christus«. Dazu gab er einen Hinweis auf das von Papst Franziskus ausgerufene »Jahr der Barmherzigkeit«. Dazu intonierte Kirchenmusiker Richard Krekel auf der Orgel die Canzona in D des 1684 verstorbenen, dänischen Komponisten Johann Martin Radeck, der ungefähr zur gleichen Zeit lebte, als das Fresko entstanden ist.

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»Nun möchte ich mich dem Patron dieser Kirche zuwenden«. Mit diesen Worten führte Georg Gruber das Augenmerk zum Hochaltar, auf dem im Zentrum der heilige Valentin als gotische Figur darstellt ist und hier sehr verehrt wurde. Bei der Legende des Kirchenpatrons dürfte es zu einer Geschichtsvermischung von drei Heiligen gekommen sein, Bischof Valentin aus der römischen Provinz Rätien, der 475 starb und in der Zenoburg bei Meran bestattet ist, Bischof Valentin, der um 175 geboren wurde und in der Stadt Terni nahe Rom wirkte und der heilige Valentin von Rom, der als »armer und ehrsamer Priester verbotener Weise Liebespaare nach christlichem Zeremoniell traute«, erklärte Gruber. Als sein Todestag ist der 14. Februar überliefert, der auch in dieser Kirche als Patrozinium gefeiert wird. Ebenso ging er auf die weiteren dargestellten Figuren, wie den heiligen Dionysius, den heiligen Konrad, den heiligen Wolfgang oder den heiligen Leonhard ein. Zur Betrachtung dieser Heiligen hörten die Gekommenen den »Choral dorien« des französischen Komponisten Jehan Alain, der am 20. Juni 1940 erst 29-jährig als Soldat gefallen ist. Das Orgelwerk ist eine ruhige Vertonung einer Choralmelodie in dorischer Tonart.

»Wenden wir nun unseren Blick auf die vollständig mit Fresken ausgemalte Decke des gotischen Altarraumes«, fuhr der Pastoralreferent fort. Sie stammen aus der Zeit um 1450. Im Zentrum stehe Christus als Herrscher und ihn umgeben die vier Symbole der Evangelisten, dazu seien auch noch zusätzlich die vier Kirchenlehrer dargestellt. Der Blick auf die himmlische Herrlichkeit zeige den Lohn der Barmherzigkeit, so der Theologe. Passend zu diesem Blick intonierte Richard Krekel ein Stück des dänisch-deutschen Orgelkomponisten Dietrich Buxtehude, der von 1637 bis 1707 lebte.

Bei den folgenden Betrachtungen ging es um die sieben Werke der Barmherzigkeit, die von Nikolaus Weidtinger aus Ebbs an die Emporenbrüstung im Jahr 1821 gemalt wurden. Diese leiblichen Werke der Barmherzigkeit seien exemplarisch am Wirken des Kirchenpatrons geschaffen worden. In diesem Zusammenhang verwies Gruber auf den örtlichen Pfarrgemeinderat, der sich zur Aufgabe gemacht hat, sich mit den Werken der Barmherzigkeit auseinander zu setzen. »Essen, Trinken, Kleidung, Wohnung - es sind die Grundbedürfnisse des Menschen, deren Sicherung zur Würde des Menschen gehören«. Zwischendurch spielte der Kirchenmusiker das Choralvorspiel »Vater unser im Himmelreich« des Barockkomponisten Johann Pachelbel, der 1706 in Nürnberg gestorben ist. Zum Schluss der musikalischen Entdeckungsreise entführte Krekel die Zuhörer noch einmal in die Neuzeit mit dem Orgelwerk des 1966 verstorbenen, dänischen Komponisten Niels Otto Raasted »Lux aeterna« aus dem Requiem Opus 100.

Die hervorragende Kombination aus Betrachtung und Orgelmusik eröffnete den Besuchern der Veranstaltung die Möglichkeit, vor allem die alten Fresken und die Werke der Barmherzigkeit auf ganzheitliche Art neu zu entdecken. Richard Krekel bewies erneut, dass er auch ein Meister des Orgelspiels in der Filialkirche St. Valentin auf der sehr wohlklingenden Orgel mit sieben Registern ist. Für die Beleuchtungstechnik der einzelnen Szenen sorgte wieder Pfarrgemeinderatsvorsitzender Manfred Hartl. hab