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Von kleinen und großen Katastrophen in der Familie

»Kennen sie den 1000-jährigen Fluch des Amun Ra, glauben sie überhaupt an Flüche?« Diese Frage stellte Stephan Zinner dem Publikum in der Aula der Schule Schloss Stein, wo er im Rahmen der Steiner Literatur- und Medienwoche sein aktuelles Programm »Der Fluch des Pharao« präsentierte. Und er stellte anschließend eindringlich, herzhaft komisch und sehr treffend dar, warum er glaubt, von einem Kind im Mumienkostüm verflucht worden zu sein. Seine Berichte über alltägliche kleinere und größere Katastrophen in der Familie kamen sicherlich so manchem Zuhörer bekannt vor.

Verflucht oder nicht? Stephan Zinner in Stein. (Foto: mix)

Stephan Zinner kann beinahe schon als Stammgast bei der Steiner Literatur- und Medienwoche bezeichnet werden, so oft war er schon da. Und jedes Mal wieder lockt er die Besucher in Scharen an, weil es ein unvergessliches Erlebnis ist, den sympathischen Trostberger live auf der Bühne zu sehen. In seiner lockeren, unbekümmerten Art, wie er sich selber gerne mal auf den Arm nimmt und viele Alltagssituationen humoristisch aufarbeitet, kommt der Kabarettist hervorragend beim Publikum an. Und er erzählt seine Geschichten nicht nur, der gelernte Schauspieler stellt sie mit Mimik und Gestik anschaulich dar, hüpft und tanzt über die ganze Bühne. Seine Fähigkeiten als Musiker zeigt er außerdem mit selbst geschriebenen Liedern, die er mit der Gitarre begleitet.

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In Zinners Geschichten geht es immer wieder um die Familie. Alle Eltern im Saal können sicherlich nachvollziehen, was er von der turbulenten Kostümparty seiner Kinder erzählt, bei der kürzlich auch ein als Mumie verkleideter kleiner Gast auftauchte. Diese Mumie, »eindeutig ein Lehrerkind«, verfluchte ihn kurz vor dem Heimgehen.

Anfangs habe er noch darüber gelacht, aber dann seien ihm doch zu viele merkwürdige Dinge passiert und er glaube beinahe schon selber, dass der Fluch wirke. Unter anderem verstarb sein Onkel Karl, der ihm zum Leidwesen der restlichen Verwandtschaft, den »bad parts of the family«, einen Baugrund in Niederbayern vermacht hat. »Sie kennan mei Verwandtschaft ned«, sagt Zinner noch so flapsig und hält dann inne: »Hoppla, i bin ja heid in Stoa, do kannt des scho sei.« Bei der »Ausschüttung« seines Onkels Karl, dessen Asche er verstreuen soll, geht so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann. Das liegt unter anderem daran, dass der Wind von der falschen Seite kommt und die lieben Verwandten sich die Asche aus den Kleidern klopfen und aus den Augen wischen müssen. Über das Gehabe seiner lieben Verwandten »Botox-Helga« am Büffet oder den peinlichen Auftritt des Großcousins Frederick mit seiner unterbelichteten Freundin lässt sich Zinner in seinem Programm genüsslich aus und erntet damit nicht nur zahlreiche Lacher, sondern auch kopfnickendes Verständnis beim Publikum.

Auch die Diskussionen mit seiner Frau dürften so manchem bekannt vorkommen. »Wenn ich so zurück denke an 14 Jahre Ehe, dann gehen meine Erfolge bei solchen Diskussionen eigentlich gegen Null«, gesteht der Kabarettist und hat sich deshalb der Einfachheit halber angewöhnt, lieber gleich zu sagen, »Ja mein, Schatz, natürlich machen wir das so, wie du es willst«. Deshalb geht er auch mit ihr zum Paar-Yoga und macht die ganzen komischen »Viecher-Übungen« mit. Der Besuch des Yogatempels war ein vielleicht schon gut gemeintes Geschenk, in den Augen von Zinner ist es aber eher ein »Anschlag auf eine bis jetzt gut funktionierende Ehe«.

In seinem aktuellen Programm tritt Stephan Zinner, zumindest in den ersten zehn Minuten, ganz fein im Sakko auf. Seine Mutter habe ihm gesagt, er könne doch nicht immer noch in seinen alten T-Shirts auf der Bühne stehen. Und wer weiß, für was das neue Outfit gut ist? Schließlich habe der Daniel Craig gar nicht mehr so viel Lust auf den James Bond, vielleicht wird er ja für die Rolle entdeckt. »Ich bin bereit, ich wäre dann der erste platterte, bavarian speaking James Bond.« Und an der Bar, die zu jedem James-Bond-Film unvermeidlich dazu gehört, würde er dann ganz cool stehen und sagen: »Grias di, i bin da Bond James, in nimm a Weißbier.« Allerdings fürchtet Zinner wohl zu Recht, dass die Welt für einen bayerischen Bond noch nicht reif ist.

Um das Ganze zu einem guten Abschluss zu bringen, nimmt Zinner gegen Ende seiner Show einen »Sicherheitsexorzismus« vor und hofft, damit den Fluch endgültig abzuwenden. Mit Hilfe der Besucher, die rhythmisch klatschen müssen, und seinem »Klagelied an Amun Ra« fegt er zu »Walk like an Egyptian« über die Bühne wie ein Wirbelwind und gesteht am Ende doch: »Sie ham doch ned wirklich glabt, dass i verfluacht bin, oder?« mix