Von »Schlüsselmomenten« und »Problem-Lösestrategien«

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Allison Rutkowski sammelt persönliche Geschichten. (Foto: privat)

Bad Reichenhall – Im Podcast »Schlüsselmomente – Ein Podcast für die Jugend« hat die 29-jährige Kindheitspädagogin Allison Rutkowski, die als Sozialarbeiterin bei »Jonathan Soziale Arbeit« angestellt ist, individuelle »Problem-Lösestrategien« eingesammelt. Starke Persönlichkeiten erzählen, wie sie es geschafft haben, ein vermeintliches Problem oder eine Herausforderung als Chance anzusehen und zu wachsen. Sie lädt dazu ein, in den Beitragen eben wegweisende Schlüsselmomente zu erleben, die den Hörern Impulse geben.


Der Podcast, den die junge Pädagogin im Herbst 2020 während ihres Praktikums bei »Jonathan Soziale Arbeit« ins Leben gerufen hat, ist ein Gemeinschaftsprojekt des Sozialbetriebes und der »Radiofabrik Salzburg«. Jeden dritten Sonntag im Monat um 16 Uhr sendet die »Radiofabrik Salzburg« (107,5 & 97,3 MHz) eine neue Folge, die am Dienstag darauf um 19 Uhr wiederholt wird und auf Spotify (Schlüsselmomente – Ein Podcast für die Jugend) nachzuhören ist.

Die einzelnen Beiträge des Podcasts greifen verschiedene Themen auf – etwa Homosexualität und Outing, Neustart im Berufsleben oder Selbstfindung. So erzählt in der Folge »Lesbisch und jetzt« ein homosexuelles Paar von seinem Outing. In der Folge »Von der Grundschullehrerin zur Tätowiererin« berichtet, eine junge Frau, wie sie auf ihr Herz gehört hat. Und in der Folge »Your Comfortzone will kill you – Trau dich und du kommst weiter« erklärt die 17-jährige »Skaterin« Meddy aus Berchtesgaden, wie wichtig es ist, seine Leidenschaft zu leben. »Meddy ist individuell und einfach cool, weil sie sich selbst gefunden hat und bei sich ist«, schwärmt Allison Rutkowski. »Von ihr kann jeder lernen.«

Sie freue sich, wenn das Podcast-Gespräch mit Meddy womöglich ein Bub hört, der sich von dem »Skatergirl« inspirieren lässt und sich endlich traut, Ballettstunden zu nehmen. »Dafür ist der Podcast da«, erklärt Allison Rutkowski – um Mut zu machen.

Die Protagonisten trifft die Pädagogin im Alltag – in der Arbeit, im Bekanntenkreis. Manche Gesprächspartner seinen selbst auf sie zugekommen. »Sie wollen ihre Geschichte teilen.« Sie trifft sich mit den Interviewpartnern mit Mikro mit Puschel und Aufnahmegerät. Allison Rutkowski lässt sie erzählen. »Die Redner sind die Chefs«, erklärt sie. Die Pädagogin bereitet sich jedoch im Vorfeld auf die Interviews vor und liest sich in die Themen ein. »Wenn Bedarf besteht, möchte ich die richtigen Fragen stellen«, erklärt die Sozialarbeiterin.

Wichtig sei es ihr, Fragen anzubringen, die »in die Tiefe gehen«. Sie erkundigt sich nach Gefühlen, nach Beweggründen für eine tragende Entscheidung. Allison Rutkowski lässt es ihren Gesprächspartnern offen, ob sie »ihr Gesicht zeigen« oder lieber anonym bleiben wollen. »Schließlich breiten die Protagonisten der »Podcasts« sehr persönliche Geschichten aus«, zeigt sich die 29-Jährige verständlich.

Die Idee für den Podcast hatte Allison Rutkowski, die seit April fest bei »Jonathan Soziale Arbeit« angestellt ist, als sie sich zu Beginn ihres Studienpraktikums in dem Sozialbetrieb darauf freute, junge Menschen kennenzulernen. Doch die von der Bundesregierung ausgerufene Kontaktbeschränkung wegen der Corona-Pandemie verbot genau das. Die Jugendtreffs blieben geschlossen. Die Mädchen und Buben blieben zu Hause.

»Jonathan Soziale Arbeit hat sich zu helfen gewusst«, sagt Allison Rutkowski und berichtet von »bgl360grad.de«. Das ist ein Online-Jugendtreff, den der Kreisjugendring Berchtesgadener Land mit Unterstützung des »Q3.Quartier für Medien.Bildung.Abenteuer« kurzerhand im Netz eröffnet hat. Anstatt die Mädchen und Buben bei den offenen Jugendtreffs etwa im »Werk 34« in Berchtesgaden, in der »Rumpelkammer« in Piding oder im »New Era« in Teisendorf zu treffen, bekamen die Sozialarbeiter sie eben virtuell zu Gesicht. »Plötzlich luden die jungen Leute uns in die Jugendzimmer ein«, erklärt die Pädagogin.

»Jonathan Soziale Arbeit« hat aus der Not eine Tugend gemacht und die Chance, die die neuen Medien bieten genutzt und ist gewachsen. Der Sozialbetrieb hat sich zeitgemäß medial breiter aufgestellt. Die Philosophie von »Jonathan Soziale Arbeit« gefiel Allison Rutkowski schon während ihres Praktikums. Das Team legt den Focus auf die Ressourcen. »Was haben wir, was können wir – können wir diese Ressourcen einsetzen«, zeigt die 29-Jährige die Fragen auf, die sich die Mitarbeiter des Sozialbetriebes stellen, wenn es eine Herausforderung zu meistern gibt.

Während ihres Praktikums erlebte Allison Rutkowski die »Jonathan-Philosophie« hautnah – ein Schlüsselmoment für die junge Mutter des 10-jährigen Adrians und der zweijährigen Ronja. Ihr Praktikum hat Allison Rutkowski neben der fachlichen Kompetenz auch gelehrt, eine vermeintlich schwierige Situation zu nutzen, um sich weiterzuentwickeln. Solche Schlüsselmomente sollen die Hörer des Podcasts auch erfahren, ist es der Sozialarbeiterin ein Anliegen. »Ich möchte mit dem Podcast einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen«, erklärt die junge Mutter.

Die Zeit, sich auf die Interviews vorzubereiten, sie zu führen und anschließend in ihrem kleinen Medienlaborzu schneiden, nimmt sie sich trotz Job und Familie gerne. »Ich habe das Gefühl ich tue etwas Wichtiges«, erklärt Allison Rutkowski. Jede Sekunde, die sie in den Podcast investiere sei wertvoll – »für alle«, wie sie sagt. »Und ich ziehe aus jeder Folge etwas für mich selbst heraus«, schiebt sie nach. Im Gespräch mit den Protagonisten erlebte sie stets Schlüsselmomente. Allison Rutkowski freut sich, neue Interviewpartner kennen zu lernen. Interessierte wenden sich an schluesselmomente_jugendpodcast(at)yahoo.com.

Lisa Schuhegger