Von technischen Problemen bis Online-Freundschaften

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Paula Germayer studiert seit einem Semester Soziale Arbeit in Würzburg. Bis jetzt hat sie nur wenige ihrer Kommilitonen kennengelernt.

Vier Studentinnen erzählen in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt über ihren Uni-Alltag während der Corona-Pandemie


»Man kann nur auf bessere Zeiten hoffen«, meint Catherina Buchner. Die 21-Jährige studiert Tourismusmanagement in Innsbruck. Doch fast seit einem Jahr war die gebürtige Siegsdorferin schon nicht mehr an der Uni: »Wir hatten zuerst Semesterferien und dann wurde der Unterricht auf Distanzlehre umgestellt«, erklärt sie. Damit ist die 21-Jährige nicht allein: Wegen der Corona-Pandemie haben die meisten Studenten schon seit fast einem Jahr Distanzunterricht. In Gesprächen mit dem Traunsteiner Tagblatt berichten Studentinnen über ihren Uni-Alltag während der Corona-Pandemie.

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Catherina ist nach den Semesterferien im letzten Winter nicht mehr nach Innsbruck zurückgekehrt. In einem abgetrennten Raum hat sie sich ein kleines Büro eingerichtet. Dort kann sie ungestört ihre Unisachen erledigen. Der separate Arbeitsplatz hilft ihr, Uni und Privates voneinander zu trennen. Die Umstellung von Präsenz- auf Distanzlehre fiel ihr, wie vielen anderen Studenten auch, schwer. »Man kann sich einfach schlechter motivieren, wenn man alleine vor dem PC sitzt«, erzählt sie. In der ersten Zeit hatte sie zudem viele technische Probleme. »Bei mir war fast die ganze Familie im Homeoffice, das habe ich vor allem bei den Videokonferenzen bemerkt, da konnte es schon mal passieren, dass meine Verbindung weg war.« Wie gut und ob die Online-Lehre funktioniert, hänge auch immer von der Bereitschaft des jeweiligen Dozenten ab, sagt die Siegsdorferin.

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Catherina Buchner hofft auf eine baldige Rückkehr zum Präsenzunterricht.

Der gleichen Meinung ist Lisa Rautter. Sie studiert schon seit mehreren Semestern Lehramt für Spanisch, Französisch und Deutsch als Zweitsprache an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. »Vorlesungen sind überhaupt kein Problem«, sagt die 22-Jährige. Problematisch findet Lisa den Sprachenunterricht. Durch die Online-Lehre hat sie den Eindruck, dass sie in ihren Sprachkursen weniger lernt, als in der Präsenzlehre. In den Online-Kursen fehle ihr vor allem die Interaktion mit den Dozenten. »Kaum einer von uns Studenten spricht die fremde Sprache«, sagt sie. Das sei aber gerade für den Sprachenunterricht essenziell.

Die Teisendorferin wohnt zusammen mit ihrem Freund in einer kleinen Wohnung in München. Sie fühlt sich dort gut aufgehoben und ist froh, dass sie in dieser Zeit nicht alleine wohnen muss. Jeden Tag versucht sie etwa zur gleichen Zeit aufzustehen und ins Bett zu gehen, das hilft ihr ein bisschen Struktur in den Tag zu bringen. Mit ihren Uni-Freundinnen trifft sie sich gerade jetzt in der Klausurenphase regelmäßig in Online-Arbeitsgruppen. So bleibt sie mit ihren Freundinnen in Kontakt und sie helfen sich gegenseitig bei Problemen.

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Bei der Online-Lehre fehle es Lisa Rautter gerade beim Sprachenstudium an der Praxis.

Positiv findet Vroni Stiebler, dass sie wegen der Distanz-Lehre keine Zeit für lange Fahrten von und zur Uni verschwenden muss. »Das spart nicht nur Zeit und Geld, sondern schont auch die Umwelt«, sagt sie. Die Unterwössnerin denkt, dass die Qualität des Studiums nicht sonderlich unter der Pandemie leide. Einschränkungen sieht die 25-Jährige allerdings bei der Schließung der Uni-Bibliotheken und den Abgabefristen, die ihrer Meinung nach flexibler gestaltet werden sollten.

Da Vroni im ersten Semester Grundschullehramt an der LMU studiert, hat sie bis jetzt noch kaum Bekannte im neuen Studium. Sie lebe aber in einer recht belebten WG, wie sie selbst sagt, daher fühle sich die 25-Jährige selten einsam. Das größte Problem, das Corona mit sich bringt, sei laut Vroni, dass viele Studentenjobs zurzeit wegfallen. Die 25-Jährige arbeitet im Winter als Skilehrerin und im Sommer im Freizeitbereich. Wegen der Corona-Pandemie kann sie keine ihrer Nebenjobs mehr ausüben und so fehle ihr das Geld, um ihre Grundkosten zu decken. »Glücklicherweise habe ich eine spendable Familie, die mir unter die Arme greift«, sagt Vroni. Sie wünscht sich trotzdem, dass die BAföG-Bedingungen während der Corona-Pandemie großzügiger gestaltet werden oder Zuschüsse möglich seien.

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Vroni Stiebler findet es super, um 10 Uhr die Vorlesung zu schließen und danach gleich auf den Berg zu gehen.

Froh ist auch Paula Germayer, dass sie so eine gute WG gefunden hat, in der sie sich wohlfühlt. Im Sommer hatte sich die Wagingerin auf die Suche nach einer Unterkunft gemacht. Nach vielen Skype-Telefonaten hatte sie schließlich eine Wohngemeinschaft gefunden, die zu ihr passt. Ohne vorher jemanden zu kennen, war die 20-Jährige im Sommer nach Würzburg gezogen. Dort hatte sie sich an der Fachhochschule (FH) für Soziale Arbeit eingeschrieben.

»Die erste Woche war toll«, erzählt sie rückblickend. Das war die einzige Woche, an der sie bisher an der FH war. In dieser Woche hatte Paula zwei Kommilitonen getroffen, mit denen sie seitdem regelmäßig Kontakt hat. Ansonsten hat sie in Online-Veranstaltungen ein paar Leute aus ihrem Studium kennengelernt. »Viele von ihnen habe ich aber noch nie in echt gesehen«, erzählt sie. Gerade zu Beginn ihres Studiums fehlte Paula der Austausch mit anderen Studenten. Sie hatte deswegen überlegt, nach München oder Regensburg zu ziehen, wo viele ihrer ehemaligen Schulfreunde oder einige Bekannte studieren. Letztendlich hat sich die 20-Jährige aber doch dazu entschieden, in Würzburg zu bleiben. »Ich möchte dem Ganzen eine Chance geben.« Denn am Ende gehe es doch vielen anderen Studienanfängern ähnlich, sagt sie.

Rückblickend stellte die Wagingerin auch fest, dass die Corona-Pandemie sie und ihre WG-Mitbewohner zusammengeschweißt hat. Sie ist sich sicher, dass sich ohne Corona das Leben in der WG anders entwickelt hätte und die Freundschaften mit ihren Freundinnen aus der FH sicherlich viel oberflächlicher wären. aha


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